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Vor 45 Jahren wurde Robert Fischer Weltmeister

„Schach-Match des Jahrhunderts“: Das Duell der Stellvertreter

Als Robert Fischer am 17. Januar 2008 in der isländischen Hauptstadt Reykjavík an Nierenversagen stirbt, hält er ein Bild seiner Mutter in der Hand. Hier, in Reykjavík, hatte Robert Fischer, den alle Welt Bobby nannte, auch seinen größten Erfolg erzielt: 1972 schlägt er den russischen Weltmeister Boris Spasski, Fischer gewinnt das „Duell des Jahrhunderts“ überlegen nach 21 Partien mit vier Punkten Vorsprung, eine Partie hatte er kampflos verloren.

veröffentlicht am 04.09.2017 um 18:35 Uhr

Robert Fischer war als begnadeter Schachspieler gefürchtet – wurde aber auch als Exzentriker belächelt. Foto: dpa
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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Damit Fischer überhaupt antrat, griff US-Außenminster Henry Kissinger zum Telefon, und ein britischer Millionär erhöhte das Preisgeld.

Mehrfach steht der Zweikampf wegen Fischers exzentrischen Verhaltens kurz vor dem Scheitern, und es ist auch ein Stellvertreter-Duell: Am Tisch sitzen sich die Großmächte USA und die Sowjetunion gegenüber; für die Russen kann es nur einen Sieger geben und das ist Spasski. Denn Schach, das ist ureigenstes russisches Terrain, wie auch der Eishockeysport. In Reykjavík kann Spasski auf sowjetische Großmeister als Helfer zurückgreifen, während der paranoide Fischer keinen Sekundanten oder Mitarbeiter akzeptiert. Dennoch ist Fischer am 2. September 1972 offiziell Schachweltmeister.

Nach der Niederlage fällt Spasski in der Heimat in Ungnade; er soll seinen Titel leichtfertig durch schlechte Vorbereitung verspielt haben. Und Fischer? Sein Triumph löst einen Schachboom aus, aber der Weltmeister hat schon genug vom Tuniersport: Fischer lehnt alle Angebote ab. Schnell machen Gerüchte die Runde, dass er seinen Titel nicht verteidigen wird, und als Anatoli Karpow als Gewinner der Kandidatenwettkämpfe feststeht, veröffentlicht Fischer einen Forderungskatalog für das Duell um die Krone: Er umfasst glatte 179 Punkte.

Das geht für den Weltschachverband völlig in Ordnung: Man akzeptiert nahezu sämtliche Bedingungen; Hauptsache, der Kampf findet 1975 statt. Aber Fischer verlangt, dass derjenige Sieger sein soll, der als Erster zehn Partien gewonnen hat. An dieser Frage zerbrechen die Verhandlungen, am 3. April 1975 wird Fischer der Weltmeistertitel aberkannt. Karpow, gegen den er niemals eine Partie gespielt hatte, wird zum neuen Weltmeister ausgerufen.

Fischer spielt fast zwanzig Jahre lang keine Turnierpartie mehr. Aber natürlich betrachtet er sich weiterhin als Schachweltmeister: Schließlich hat ihn ja niemand in einem Weltmeisterschaftskampf geschlagen, nicht wahr?

Ein kurzes Comeback feiert Fischer 1992, als er in Jugoslawien während des Bosnienkrieges einen Wettkampf gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski mit 17,5:12,5 gewinnt, wenn man so möchte, ist es der Revanchekampf für 1972.

Fischers Status als genialer Schachspieler ist unbestritten, aggressiv, fokussiert, entschlossen, an einem Unentschieden war er nicht interessiert, und im Endspiel war er überagend. Er wäre noch heute eine Legende, hätte er den Mund gehalten. Doch Fischer äußerst sich wiederholt antiamerikanisch und antisemitisch. Im Internet und in Radiointerviews verbreitet er antijüdische Tiraden und leugnet den Holocaust. Bei seinem Tod hinterlässt Fischer zwei Millionen Dollar.

An seiner Beerdigungszeremonie nehmen fünf Personen teil.



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