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Vor 110 Jahren startet die „Tour de France“ zum ersten Mal

Radelnde Apotheke

Die „Tour der Leiden“ – sie ist aus der Not heraus geboren. Die französische Sport-Zeitung „L’Auto“ stand Anfang des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich so enorm unter Druck, dass etwas passieren musste. Die zeitung war in finanzielle Schieflage geraten, es mangelte an guten Ideen. Dazu hatte ein Jahrzehnt zuvor gerade der Franzose Pierre Coubertin die Olympischen Spiele etabliert, Deutschland trug seine erste Fußballmeisterschaft aus. Was also tun für den Sport in Frankreich?

veröffentlicht am 01.07.2013 um 00:00 Uhr

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Als Zeitungsverleger Henri Desgrange und sein Radsportchef Géo Lefèvre im Jahr 1902 zusammensaßen und über neue Ideen grübelten, begann die „Tour-Geschichte“. 1903 sollte ein Radrennen durch ganz Frankreich für weltweite Aufmerksamkeit sorgen. Als die „größte Tortur des Radsports auf der ganzen Welt“ kündigte die Zeitung „L’Auto“ am 19. Januar 1903 die erste Auflage der Tour de France an. Vom Amateurgedanken schon damals keine Spur: Sogleich wurden 20 000 Francs Preisgeld ausgelobt.

Die Rechnung sollte aufgehen: Am 1. Juli 1903, heute vor 110 Jahren, startete die erste Tour. In diesem Jahr findet sie zum 100. Mal statt. Nur die beiden Weltkriege sorgten für eine Zwangspause.

Doch so wie heute, ging es auch damals schon nicht ganz ohne Skandale: Von den 60 gestarteten Radfahrern kamen nur 21 ins Ziel. Maurice Garin, der wegen seiner 1,63 Meter Körpergröße und seines Berufs auch „Le petit ramoneur“, der kleine Schornsteinfeger, genannt wurde, gewann das erste Etappenrennen. Zur Stärkung, so sagt man, hatte er im Rennen immer Rotwein dabei.

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Doch schon zwei Jahre darauf stand die Tour vor dem Aus. „Das Ende“ lautete die Zeile über Desgranges Zeitungsartikel. Ein halbes Jahr nach dem zweiten Rennen hatte der französische Radsportverband 29 der 88 Sportler disqualifiziert, darunter die vier ersten der Gesamtwertung. Allerlei Regelverstöße fanden sich in der Begründung: Begleitung durch Trainer, Ausnutzen von Windschatten, verbotene Verpflegung und „unerlaubtes Autofahren“.

Im Jahr 1905 wurden die berüchtigten Bergetappen eingeführt. Allgegenwärtig sind jedes jahr die Bilder sich quälender radfahrer, wenn es die berge hinauf geht. Doch das ist eben auch genau das, was die Tour ausmacht. Es ist die Tour der Leiden.

Ein Grund möglicherweise, warum bereits in den 1920er jahren schon mit leistungssteigernden Mitteln gearbeitet wurde. Laut Medienberichten wird damals schon reichlich mit Cocktails aus Kokain, Koffein, Alkohol und Chloroform experimentiert.

Das erste Doping-Opfer gibt es in den 60er Jahren: 1967 starb der Brite Tom Simpson, der sich für einen steilen Anstieg in glühender Hitze mit Alkohol und Amphetaminen gestärkt hatte. Ein Zuschauer hatte verzweifelt versucht, den am Boden liegenden Briten wieder in den Sattel zu hieven. Seit Simpsons Tod gibt es Doping-Kontrollen während der Tour.

Erstmals in Frage gestellt wurde das Spektakel aber erst 1998. Richard Virenque und das Team Festina wurden wegen Doping-Verdachts von der Tour der France ausgeschlossen.

Der gedopte mehrmalige Tour-Champion Lance Armstrong sagte erst kürzlich: „Kein Tour-Gewinn ohne Doping.“ In der Ära nach den nachweislich gedopten Radfahrern Lance Armstrong, Jan Ullrich und Marco Pantani scheinen die Betrugsmethoden mittlerweile so verbreitet zu sein, dass sie 110 Jahre nach erstmaligem Start zur großen Gefahr für den Tour-Mythos werden.red



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