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„Goethe-Haus“ in Bad Pyrmont hat eine lange Tradition

Pension mit berühmtem Namen

Das bekannte „Fürstenbad“ Pyrmont wird seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in erster Linie aufgrund der Heilkraft der zahlreichen und unterschiedlichen Quellen, der einzigartigen Parkanlagen, aber auch aufgrund seiner vielen Kommunikationsmöglichkeiten von einer illustren Badegesellschaft aus Adel und Bürgertum besonders geschätzt. Neben dem gesellschaftlichen Flair ist die eigenständige Architektur von großer Bedeutung, die sich in Pyrmont durch die weitsichtige Initiative und Förderung der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont entwickelt hat und den berühmten Kur- und Badeort heute noch prägt.

veröffentlicht am 03.03.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Wolfgang Warnecke

Das „Goethe-Haus“, hier auf einer Postkarte aus den fünfziger Jahren, ist ein sehr gutes Beispiel für eine traditionelle (Kur-)Architektur in Bad Pyrmont, zeigt aber auch die gelungene Nutzung historischer Bausubstanz in heutiger Zeit. Das Pensionshaus wurde etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts in der früheren Bassinstraße, in unmittelbarer Nähe zum Kurzentrum mit Brunnenplatz und Hylligem Born, Brunnenstraße, Hauptallee und Kurpark, erbaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das zweigeschossige Gebäude im Besitz des „Brunnen-Cassierers“

Voigt, bei dem auch der namensgebende Dichter, Wissenschaftler und Staatsmann Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) vom 13. Juni bis zum 17. Juli 1801 logierte. „In Pyrmont bezog ich eine schöne, ruhig gegen Ende des Orts liegende Wohnung bei dem Brunnencassiere“, berichtete der von seinem Sohn August (1789-1830) und seinem Schreiber Johann Ludwig Geist (1795-1804) begleitete „Herr Geheimrath von Goethe“ später in seinen Aufzeichnungen.

Das Gebäude wird an der Hauptfassade zur Straße „Am Hylligen Born“ geprägt durch klassizistische Säulen, die dem Haus ein elegantes Flair verleihen und zugleich den Balkon mit seinem schmiedeeisernen verschnörkelten Balkongitter tragen. Im Juli 1801 wohnte hier auch Goethes Landesherr, der Erbprinz Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783-1853).

Einen Vorteil gegenüber anderen Kur- und Badeorten sah der bekannte Pyrmonter Brunnenarzt Henrich Matthias Marcard (1747-1817), mit dem Johann Wolfgang von Goethe auch eine „ergötzliche Unterhaltung“ führte, gegen Ende des

18. Jahrhunderts darin, dass in Pyrmont „eine so große Anzahl von Privathäuschen“ zur Verfügung stand, „die zur Aufnahme der Fremden während der Curzeit eingerichtet sind, dass es auch bei dem stärksten Zulaufe niemals an Gelass fehlen wird“. „Die ganze Gesellschaft ist nicht in Pyrmont, wie in manchen anderen Bädern, in ein oder ein Paar Häuser zusammen gepresst, wo einer dem anderen zur Last wird durch Geräusch und durch die zu große Nähe“, beschreibt er euphorisch in seiner 1784/85 in Leipzig herausgegebenen grundlegenden „Beschreibung von Pyrmont“. Bei der Durchsicht von zeitgenössischen „Bad Pyrmonter Wohnungsanzeigern“, die sich heute in den umfangreichen Sammlungen des Museums im Schloss befinden, wird die Vielfalt der zahlreichen großen und kleineren komfortabel ausgestatteten Hotels, Pensionen, Gästehäusern, Fremdenheimen und Sanatorien des geschichtsträchtigen Kurortes deutlich. Dieses verleiht Bad Pyrmont ein unverwechselbares Erscheinungsbild und ein eigenes spezielles Image, das gleichwohl als Identifikation für die Gäste als auch für die Einwohner dient.

Der heutige Hausprospekt des „Hotels Goethe-Haus“ wirbt – wie in den vergangenen Jahrhunderten zuvor – mit der bevorzugten Lage zum Kurzentrum mit dem berühmten Kurpark, direkt am Hylligen Born gelegen, dem Wahrzeichen Bad Pyrmonts auf dem Brunnenplatz.

Hugo H. Bickhardt würdigt in seinem Buch „Altes und Neues vom Hylligen Born“ (Braunschweig, 1920) die Bedeutung dieses Hauses, in der er die Abreise Goethes am 17. Juli 1801 so beschreibt: „Goethe ernst und nachdenklich, der in Pyrmont verlebten Tage gedenkend, August lebhaft und sich kindlich des Neuen im Voraus freuend, was die Fahrt bieten würde, Geist, der Schreiber, gleichmütig wie immer. In der Haustür stand der Wirt, der Brunnenkassierer Voigt, bis die Pferde anzogen und der Wagen davon rollte… der brave Mann ahnte gewiss nicht, dass ihm dieser Kurbesuch die Unsterblichkeit geschenkt!“

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Das Goethe-Haus in Pyrmont, Postkarte, um 1950 und heute.Sammlung Museum im Schloss/jl



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