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Otterschutz auf Probe

Nach Gerichtsurteil: Fischer rüsten Reusen um / Reißnähte werden getestet

veröffentlicht am 22.05.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Redaktionsleiter zur Autorenseite

Steinhuder Meer. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Hannover hat die Fischerei hart getroffen: Ende Januar hatten die Richter aus Hannover verfügt, dass die Reusenfischerei am Steinhuder Meer künftig nur noch mit entsprechenden Otterschutz-Vorrichtungen arbeiten darf.

Vorausgegangen war dem eine Klage des Verbands „Aktion Fischotterschutz“ mit Sitz im niedersächsischen Hankensbüttel. Der Fischotter, der lange Zeit vom Aussterben bedroht war, habe am Steinhuder Meer wieder Fuß gefasst, lautete die Argumentation. Seit im Jahr 2010 einige Exemplare in die Fotofalle der Ökologischen Schutzstation am Steinhuder Meer tappten, war der Nachweis über eine Otterpopulation an Niedersachsens größtem Binnensee eindeutig. Doch natürlich ist der Fischotter auch ein Fischfresser – und damit bei den Fischern nicht gerade gern gesehen. Dass die Fischer nun auch noch für den Schutz der bedrohten Tiere aufkommen sollen, war vielen ein Dorn im Auge. Der Gerichtsentscheid sorgte für Unverständnis.

Doch Urteil ist Urteil: Die Fischer am Steinhuder Meer sind zunächst an die Auflagen des Gerichts gebunden. Auch wenn Carsten Brauer, Vorsitzender des Landesfischereiverbands Niedersachsen, die Diskussion um den Otterschutz noch längst nicht am Ende sieht. Besonders hat Brauer der Umstand geärgert, dass das Gericht die Fischerei als „Projekt“ im Naturschutzgebiet Steinhuder Meer klassifiziert hat und den Fischern nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben werde, die beispielsweise für Segler auf dem Gewässer nicht eingefordert werde.

Immerhin kommt in die praktische Umsetzung des Gerichtsurteils Bewegung: Nach Angaben von Mark Ehlers, Vorsitzender der „Aktion Fischotterschutz“, habe einer der Fischer vom Steinhuder Meer bereits 40 sogenannte Otterkreuze von dem Naturschutzverband erhalten. Diese werden am Eingang der Reuse befestigt. Das Metallkreuz soll verhindern, dass die Otter in die Reusen schwimmen und dort ertrinken, weil sie nicht wieder den Weg hinausfinden. Doch die Otterkreuze scheinen nur eine Übergangslösung zu sein: Aus Sicht der Fischer schränken sie den Fang ein, weil nicht mehr alle Fischarten in die Reusen gelangen. Deshalb werden derzeit, so Ehlers, im Otterzentrum Hankensbüttel verschiedene Reißnähte getestet. Sie bilden eine Sollbruchstelle im Reusennetz und öffnen sich bei entsprechendem Druck. Wie Ehlers auf Nachfrage erläutert, seien verschiedene Modelle in Erprobung. Das letzte Wort ist im Hinblick auf die Umrüstung der Reusen also noch nicht gesprochen – im grundsätzlichen Streit zwischen Fischern und Naturschutzverbänden wohl auch nicht.



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