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Der Hamelner Bahnhof Teil II – nach 1945 / Desolater Zustand nach dem Bombenangriff

Ohne Dach über dem Kopf an den Bahnsteigen

Der Zweite Weltkrieg hatte dem Hamelner Bahnhof schwerste Zerstörungen gebracht. Seit dem fürchterlichen Bombenangriff vom 14. März 1945 mit etwa 200 Todesopfern befand sich der Bau über Jahre in einem desolaten Zustand. Ohne ein Dach über dem Kopf zu haben, standen die Menschen auf den zugigen Bahnsteigen.

veröffentlicht am 11.02.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

Bernhard Gelderblom

Die Bundesbahn konzentrierte zunächst alle Anstrengungen darauf, Strecken wieder befahrbar zu machen. Nach 1948 wurden die Güterschuppen, die Lokomotiv- und Wagenhallen und die Betriebswerkstätten wieder hergerichtet, Kohlenkräne und Wasserstellen neu geschaffen und eine Wagenschnellausbesserung eingerichtet.

Für Hameln war es ein großer Tag, als am 19. Dezember 1949 ein Eisenbahnzug über die wieder aufgebaute Klütbrücke fuhr, die deutsche Pioniere am 5. April 1945 gesprengt hatten. Der Fußgängersteig, durch den die Bewohner von Wangelist eine bequeme Verbindung zum anderen Ufer erhalten sollten, war im Bau.

Für die Beseitigung der Schäden am Bahnhofsgebäude fehlte das Geld. Erst in den Jahren 1953 und 1954 erhielten die Bahnsteige Dächer. Der Tunnel zum Bahnsteig 1 war seit der Bombardierung verschüttet. Die Reisenden mussten, womöglich mit schwerem Gepäck, einen weiten Umweg über Bahnsteig 2 zurücklegen und drei Treppen statt einer bewältigen. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, in dem verschütteten Tunnel würden noch „Hunderte Tote“ liegen. Kurz vor Weihnachten 1954 wurde endlich dieser Stein des Anstoßes beseitigt und der Zugang zu den Zügen wesentlich erleichtert. Damit hatte sich dann auch das Gerücht von den Toten erledigt, die im Tunnel eingeschlossen seien.

Wie nah der Krieg noch war, hatte sich im Mai desselben Jahres gezeigt, als eine schwere Zehn-Zentner-Bombe in sechs Meter Tiefe unter Bahnsteig 2 entdeckt wurde. Eisenbahner hatten sich erinnert, dass nach dem Angriff vom 14. März 1945 ein tiefer Einschlagschacht sichtbar gewesen war, ohne dass ein Explosionstrichter entstanden war – Hinweis auf einen Blindgänger. Das Ungetüm konnte entschärft werden.

Im Empfangsgebäude, das lange für seine Ungastlichkeit und Hässlichkeit berüchtigt war, öffnete 1950 eine Gaststätte mit 120 Sitzplätzen. Sie war allerdings erst nach dem Passieren der „Bahnsteigsperre“ erreichbar. Wer nicht im Besitz einer Fahrkarte war, musste eine „Bahnsteigkarte“ lösen.

1958 erhielt das Empfangsgebäude ein neues Gesicht. Zum ersten Mal bemühte sich die Bundesbahn um so etwas wie Kundenfreundlichkeit. Anstelle des Auskunftsschalters wurde ein Raum ausgebaut, der außer einem Tresen einige Sitzmöglichkeiten und sogar eine Schreibgelegenheit bot. Im Vorraum zur Bahnhofsgaststätte waren acht Fahrplanrollen untergebracht, welche den Reisenden ebenfalls Zugverbindungen anzeigten. Die Bahnhofsgaststätte erhielt einen direkten Zugang. Über zwei Glasveranden, die als „Kaffeestuben“ dienten, gelangte man auf einen geräumigen Balkon über dem Haupteingang. Hier konnten die Gäste im Freien sitzen und auf das Getriebe des Bahnhofsvorplatzes schauen.

Die „Schaffnerwannen“ an den Sperren, bisher schlecht passierbar und auch für die „Bahnbeamten“ unbequem, wichen hellen, räumlich vergrößerten und abgerundeten Glaskästen. Die Schaffner hatten jetzt mehr Übersicht und in den Hauptverkehrszeiten, in denen sich manchmal lange Schlangen bildeten, konnten vier Schalter besetzt werden.

Der Bahnhof hatte vor 60 Jahren eine ungleich größere Bedeutung als heute. Hameln lag wie eine Spinne im Netz verschiedener Linien und war überregionale D-Zug-Station. Bereits 1949 verkehrten 200 planmäßige Züge über Hameln oder hatten die Stadt als Ziel. Seit 1958 konnten durch den Bau einer Umgehungsbahn bei Altenbeken bis zu dreißig Züge mehr über Hameln gelenkt werden.

Hameln war auch als Umsteigebahnhof wichtig. Die fast gleichzeitige Abfahrt der Züge in verschiedene Richtungen verschaffte den Reisenden gute Anschlüsse. Bei Verkehrsspitzen wurden auf einem Bahnsteig zwei Züge bereitgestellt, die in verschiedene Richtungen fuhren.

Im Jahre 2001 erwarben die Stadtwerke Hameln das vernachlässigte Empfangsgebäude. In den Jahren 2002 bis 2006 ließen sie das Gebäude in vorbildlicher Weise renovieren und modernisieren – eine geglückte Synthese aus historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur.

Die Eingangsfassade wurde von späteren Überformungen wie dem wuchtigen Balkon befreit. Die rückseitige Fassade erhielt ihre feine Gliederung durch Gesimsbänder aus Sandstein und eine kleine Fensteraufteilung zurück. Vor allem die Bahnhofshalle zeigt sich seitdem wieder in ursprünglicher Größe und Höhe.

Weitere historische Fotos: zeitreise.dewezet.de

Der Hamelner Bahnhof, links 1958 mit Bahnhofsgaststätte im ersten Obergeschoss und breitem Balkon, rechts nach gelungenem Umbau heute.Fotos: links Hameln im Jahr 1958; oben Gelderblom



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