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Olympische Spiele, München 1972: USA-Basketballer verweigern Silbermedaille

Offene Fragen nach Skandal-Finale

Es gibt sportliche Siege, die sich für immer in das Gedächtnis einbrennen. Jesse Owens in Berlin 1936, Ulrike Meyfarth oder Klaus Wolfermann 1972 in München – ikonische Bilder von Menschen, die Sportgeschichte schrieben. Bei Niederlagen ist dies deutlich seltener der Fall. Und doch war es eine Niederlage, die zu einem Bild führte, das bei den Olympischen Spielen der Neuzeit nur ein einziges Mal zu sehen war: Es gab einen freien Platz bei der Medaillenvergabe.

veröffentlicht am 30.07.2012 um 00:00 Uhr

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Olympische Spiele haben stets sportliche Aufreger produziert: Tommie Smith und John Carlos, Sieger und Dritter des 200-Meter-Laufs in Mexiko-Stadt 1968, protestieren mit erhobenen Fäusten und gesenkten Köpfen. Oder David Waddle 1972 in München: Als 800-Meter-Sieger stand er ganz oben auf dem Podest – und behielt seine Mütze auf, wandte sich ab und verweigerte damit der amerikanischen Flagge den Respekt.

Aber leer blieb ein Podestplatz nur einmal – nach einem legendären Basketball-Endspiel, in dem die Sowjetunion 51:50 gegen die USA gewann und die amerikanische Mannschaft sich weigerte, die Silbermedaillen anzunehmen. Es war die erste Niederlage im Basketball bei Olympischen Spielen für eine USA-Auswahl – und es war ihr ein handfester Skandal vorausgegangen. Denn in der Hochzeit des Kalten Krieges entwickelte sich in der stickigen Rudi-Sedlmayer-Halle ein nervenzehrender und mit harten Bandagen geführter Kampf, in dem die Amerikaner bis kurz vor Schluss einer Führung nachlaufen mussten. Kurz vor Schluss traf Doug Collins zwei Freiwürfe zur 50:49-Führung.

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Nach einem schnellen Einwurf der UdSSR unterbrachen die Schiedsrichter die Begegnung und korrigierten die verbleibende Spielzeit auf drei Sekunden. Wieder schleuderte ein Spieler der Sbornaja die Kugel weit nach vorne, im Korb landete der Ball jedoch nicht – die USA wähnten sich als Olympiasieger. Und jubelten.

Weil die Spieluhr die verbleibenden Sekunden nicht richtig angezeigt hatte, ließen die Referees die letzte Szene erneut wiederholen. Die US-Spieler betraten das Feld fassungslos und mussten mit ansehen, wie ein langer und weiter Ball über das Feld segelte und den Russen Alexander Below fand: 51:50. Die UdSSR war Olympiasieger, und das war sicherlich eine der bittersten Niederlagen, die amerikanische Sportler je erlitten haben.

Aus Protest gegen die vermeintliche Ungerechtigkeit verweigerten die Amerikaner bei der Siegerehrung die Silbermedaille. Es gab mehrere Versuche in den letzten Jahren, die Spieler nachträglich mit der Medaille auszuzeichnen, die Spieler lehnten immer ab: No. Die Medaillen anzunehmen, würde das Eingeständnis bedeuten, damals verloren zu haben. Und Kenny Davis, der damalige Kapitän, ließ in sein Testament aufnehmen, dass weder seine Frau noch seine beiden Kinder jemals eine Silbermedaille von den Spielen 1972 annehmen dürfen. rnk

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