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Sportlich bleiben

Ob Babyschwimmen oder Golf: Hauptsache runter vom Sofa

Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf? Diese Interesse heuchelnde Provokation ist seit Bekanntwerden der Sex-Skandale um Tiger „Schniedelwutz“ – Copyright: Bildzeitung – Schnee von gestern.

veröffentlicht am 16.02.2018 um 16:01 Uhr

Illustration: cn
Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Allerdings: Das Bild des Golfers, der jenseits der 50 ist und zu den Besserverdienern gehört, hält sich hartnäckig. Dabei schafft Tiger Woods es nur auf Platz 2 der Liste der reichsten Sportler der Welt. Nach Angaben des US-Wirtschaftsmagazins Forbes ist Michael Jordan der bisher reichste Sportler aller Zeiten. Das Ganze wird nur noch von den Nachrichten über den Lohnzettel von Lionel Messi getoppt. Von solchen Summen können unsere Stars nur träumen, auch wenn der Fußball selbst hierzulande durch Geschäftemacher, Betrug und andere Skandale seine Jungfräulichkeit ebenfalls endgültig eingebüßt hat.

Also lieber rauf aufs Rad? Auch hier haben Berichte über Dopingskandale einem die ungeteilte Freude an Erfolgen von nett anzuschauenden Männern in eng anliegenden Höschen und mit strammen Waden genommen. Vorbei auch die Zeiten, als „Bumbum Boris“ von Generationen von Tennisspielern als Vorbild gesehen wurde und dem Weißen Sport zum Boom verhalf.

Vielleicht gehen die Leute heute deshalb lieber ins Fitnessstudio – da gibt es keine negativen Vorbilder und jeder kämpft für sich allein. Allerdings unterscheidet sich Golf da nicht von anderen Sportarten wie Gewichte stemmen oder Skifahren – auch auf dem Golfplatz tritt jeder nur für sich und gegen sich selbst an.

Nur ganz oben an der Spitze des Sportler-Eisbergs bewegen sich die Superstars, getragen von der Mehrheit der Hobbyathleten, die die Leistungen und damit verbunden die Erfolge ihrer Idole jemals in ihrem Leben erreichen werden. Dafür treten die Profis – egal, ob jüngst bei der Handball-EM, aktuell bei den Olympischen Spielen oder der Fußball-WM im Sommer eben nicht nur für sich alleine an, sondern gleich für ein ganzes Volk.

So hat es der kleine Mann ungleich schwerer, für seine Sportart bewundert zu werden. Auf meinen Hinweis zum Feierabend, „ich gehe jetzt zum Sport“, fragte ein Kollege kürzlich tatsächlich – ebenso wie bei der Sex-oder-Golf-Frage eine Interesse heuchelnde Beleidigung: „Und? Was machst du für Sport? Reha-Sport?“ (Wirklich wahr).

Weshalb ich mich von derartig abfälligen Bemerkungen nicht unterkriegen lasse, liegt lediglich an folgendem Umstand: „Ich war ja mal norddeutsche Meisterin im 100-Meter-Sprint“ – diese Behauptung (gelogen) meinerseits hat bislang noch niemand bezweifelt. Möge dies noch lange so bleiben.

Alles ist möglich. Ob Baumstamm-Weitwurf oder Kitesurfen: Lasst doch die Leute ihrem Sport nachgehen, wie sie lustig sind. Zugegeben, ich verstehe auch nicht den Sinn eines Facebook-Posts, dass xy xy Kilometer gelaufen ist (wahlweise mit erschöpft- oder motiviert-Emoji). Ob Senioren-Gymnastik im Altenheim-Stuhlkreis oder Babyschwimmen mit anschließender Massage, ob wir mit Stöcken durch den Wald rennen oder einem Ball auf dem Rasen hinterherlaufen – Hauptsache, wir bleiben beweglich.

Allein: Der Gang vom Sofa zum Kühlschrank ist nicht gemeint. Und bei manchem, der Mitglied im Fitnessstudio ist, beschränkt sich die Bewegung allein auf das Abbuchen des Beitrags. Die Konto-Bewegung. Aber wen geht es etwas an?

Warum die Nase rümpfen über die „schwierigste Sportart der Welt“, wie Bernhard Langer den Golfsport bezeichnet? Ja, die Golfer sind ja auch irgendwie selbst schuld, dass sie ihr schlechtes Image nur schwer loswerden, weil sie sich eben auch lange Zeit wie Snobs gerierten. Übrigens ist der Golfsport in den USA und Südafrika durchaus angesehen und sogar Schulsport. Das liegt auch an den dort niedrigeren Zugangshürden.

Doch die Zeiten ändern sich hierzulande: der Deutsche Golf Verband verzeichnet steigende Mitgliederzahlen. Dass die Runde über den Platz immer beliebter wird, dürfte Martin Kaymer mit zu verdanken sein – mit dem Starspieler haben wir sogar ein Vorbild, das frei von Skandalen ist. Olympia-Meriten ganz ohne glänzendes Edelmetall hat sich Felix Loch verdient, als er bei Eiseskälte auf seinen Team-Kollegen wartete.

Arroganz hat in Sportler-Köpfen einfach nichts zu suchen. Also: Immer schön sportlich bleiben. Copyright: Hans-Jürgen Kroggel, und der muss es wissen als früherer Dewezet-Sportchef.



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