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Der auch in Schaumburg aktive Künstler Gunter Demnig spricht über sein Lebenswerk

„Nur“ drei Morddrohungen

Landkreis. Die „Stolpersteine“, mit denen der Künstler Gunter Demnig unter anderem in Bückeburg, Rinteln und Stadthagen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, finden sich darüber hinaus zehntausendfach in ganz Deutschland und 17 Ländern Europas. Bei der jüngsten Stolpersteinverlegung im Schaumburger Land im November sprach Demnig mit unserer Zeitung über seine Arbeit.

veröffentlicht am 14.12.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

jan-Christoph Prüfer

Es handele sich um nichts Geringeres als sein Lebenswerk, sagt Demnig. Bereits 1993 habe er die Idee dazu gehabt. Drei Jahre später verlegte er die ersten Steine in Berlin und Köln – illegal. Diese künstlerischen Guerillatage sind vorüber. Demnig hat zahlreiche Preise erhalten, darunter im Jahr 2005 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Der studierte Kunstpädagoge finanziert seinen Lebensunterhalt aus den „Stolpersteinen“. Daran wird auch ein Teil der Kritik festgemacht, die ihm zum Beispiel im Internet entgegenschlägt. Irgendwer schreibe dann, er sei doch mit seinem „Kram Millionär geworden“. Der Vorwurf ringt Demnig ein Lächeln ab. 120 Euro nimmt er pro Stein. Das Einkommen teilt er sich mit seinem fünfköpfigen Team, das die europaweite Arbeit inzwischen notwendig macht.

Kritik gab es auch von Charlotte Knobloch, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden. Sie empfand es als „unerträglich“, dass auf den Namen der von den Nazis ermordeten Juden mit den Füßen herumgetrampelt werde. „Hirnrissig“ und „absurd“ findet Demnig die Metapher und die Diskussion, die sich daran entzündete.

Eher erwartungsgemäße Anfeindungen kommen von rechtsaußen. Neonazis haben den Künstler im Visier. Angesichts der Tatsache, dass er schon seit fast 20 Jahren durch die Lande zieht, zeigt er sich überrascht von „nur“ drei Morddrohungen, die er bisher erhalten hat. Demnig: „Ansonsten sind die halt manchmal abseits der Verlegung und rufen irgendwas rüber.“ So wie in einer Kleinstadt der Nähe von Leipzig, als die Nazis plötzlich vor ihm standen. „Die anderen“, erinnert sich der Künstler. „Die feinen, mit Schlips und Kragen.“ Von der NPD, vermutet er. Sie hätten gefragt, warum er mit seiner Kunst nicht an gefallene deutsche Soldaten erinnert. „Machen Sie das doch“, habe er erwidert. „Und ich mache so lange hier weiter.“

Mancherorts würden die Steine auch aus dem Boden gerissen und durch Fensterscheiben geschmissen. Vor allem um den Jahrestag der Pogromnacht herum sei es „schlimm“, weiß Demnig.

Andere Begleiter seien herzlich willkommen. Schulklassen sind regelmäßig bei den Stolpersteinverlegungen zugegen. „Lehrer haben mich damals gewarnt“, sagt Demnig. „Nicht das Thema, das steht denen bis hier“, hätten die Pädagogen gesagt. Die Biografien der Opfer aber – jeder Stein steht für ein Schicksal – würden abstrakte Zahlen „ausmalen“. Demnig: „Da fangen sie an zu rechnen.“



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