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Projekt „Spurensuche“ hat längst eigene Spuren hinterlassen

Nicht nur den Grenzstein im Blick

Keine dicken Bücher schreiben, was Nettes machen, mit schönen, großen Bildern.“ Nur so, davon ist Karl-Heinz Oelkers überzeugt, könne man Verständnis wecken. Und das tut der 77-jährige Hiddenser seit mehr als einem Jahrzehnt. Rund 120 Menschen haben sich am Projekt „Spurensuche“ zum Erhalt der Zeugnisse menschlichen Wirkens des Schaumburger Landes beteiligt. Dazu gehören für ihn nicht nur „kleinere Kulturgüter“, wie Grenzsteine, Brunnen, Brücken, Dachformen, sondern auch das typische „Platt“.

veröffentlicht am 12.02.2014 um 00:00 Uhr

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Oelkers Initiative, die er als Idee vom Niedersächsischen Heimatbund (NHB) mitgebracht hat, fiel von Anfang an zwischen Wesergebirge und Steinhuder Meer auf fruchtbaren Boden. Inzwischen hinterlässt die „Spurensuche“ längst eigene Spuren, wird überregional als besonders lobenswertes Beispiel von Kulturarbeit erwähnt.

Doch vor rund 14 Jahren stand nur die Idee, „kleine Kulturgüter“ zu dokumentieren, vertreten von einem pensionierten Wissenschaftler aus Hannover, der von den Eigenheiten des Schaumburger Landes „überhaupt nichts wusste“.

Der gelernte Landwirt und promovierte Geowissenschaftler rief anhand einer Liste, die er von der „Schaumburger Landschaft“ bekam, viele Menschen im Schaumburger Land zur Mitarbeit auf und verschickte eine große Zahl frankierter Briefumschläge.

Das Projekt „Spurensuche“ dokumentiert auch die Steine, die die einstige Grenze zwischen der Grafschaft Schaumburg und dem Fürstentum Schaumburg-Lippe markieren. jpw

„Innerhalb von kurzer Zeit hatte ich rund 700 Meldungen“, erinnert sich Oelkers. Allerdings passten nur 130 davon in die erste Broschüre. „Da fing das Gejammer an, oh wie schade, die gehen alle verloren“. Ein Schmunzeln geht über sein Gesicht. Die Idee einer Datenbank entstand. „Das hatte ich als Geowissenschaftler in der Hochschule bereits gelernt.“

Und noch eines wusste Oelkers: „Um das Bewusstsein für den Erhalt der Kulturgüter zu wecken, muss man eine zeitgemäße Sprache sprechen.“ Das bedeutete eben Dokumentation in einer elektronischen Datenbank und ansprechende Veröffentlichungen mit kurzen Texten und vielen Bildern.

Der Wissenschaftler im Unruhestand konzipierte aber nicht nur mit wachsendem Erfolg Posterreihen, sondern trieb auch die formale Entwicklung der Arbeitsgruppe voran: Ein Kreis von Ehrenamtlichen ist unter der Leitung von Oelkers als Arbeitsgruppe in die „Schaumburger Landschaft“ eingebunden.

Die Gruppe bemühe sich, so sagt Oelkers, „bodenständige Zeitzeugen“ aus allen Bereichen des menschlichen Wirkens zu dokumentieren. „Über das ganze Land verteilt begegnen sie einem auf Schritt und Tritt.“

Nicht unbedingt im Schritt, aber mit dem Fahrrad ist Oelkers in den Orten unterwegs, die für einen „historischen Ortsspaziergang“ vorgesehen sind. „Wir sehen Dinge, die den Menschen, die dort wohnen, nicht mehr auffallen“, meint er. Wegen ihrer großen Verbreitung und Nähe seien sie besonders gefährdet. „Unachtsamkeit und Unkenntnis haben ihren Verlust zur Folge.“ Davon ist der immer noch voll motivierte 77-Jährige überzeugt, will historische Grenzsteine, alte Brunnen und weitere Eigenheiten der Orte in Schaumburg plakativ ins Bewusstsein rücken.

Oelkers hält aber auch noch eine weitere Motivationshilfe bereit: Anerkennung. „Jeder Autor der historischen Ortsspaziergänge bekommt viel Anerkennung“. Das sei ebenfalls eine Art, Menschen zu motivieren.

Diese „Historischen Ortsspaziergänge“ haben sich mittlerweile mit der jeweiligen Datenmenge zu einer Fundgrube der „Spurensuche“ entwickelt. „Wir fliegen nicht mehr nur grob über das Land“, sagt Oelkers, der bei den Projekten auf systematische Erfassung achtet, um auch Vergleichbarkeit sicherzustellen. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir alles sauber dokumentieren und präsentieren.“

Oelkers weiß, dass er sich in Teilbereichen auch in Gegensatz zu manch Anschauungen in der Wissenschaft und Denkmalpflege setzt, die den besten Schutz für alte Kulturgüter darin sehen, sie zwar zu dokumentieren, aber sie eben nicht öffentlichkeitswirksam vorzustellen, um nicht – wie zum Beispiel im Fall von Sandstein-Zeugnissen - unlautere Begehrlichkeiten zu wecken.

Die „kleinen Kulturgüter“ fallen nach Ansicht von Oelkers durch die „Netze des staatlichen Denkmalschutzes“. Sie zeigten aber den Umgang des Menschen mit Natur und Landschaft, den jeweiligen Stand von Technik und Wissenschaft. Zudem seien sie „Ausdruck von Lebensstil und Zeitgeist“. Der „Ober-Spurensucher“ im Landkreis ist in den vergangenen 14 Jahren seinem inzwischen gewachsenen Traum näher gekommen. Aus der Datenbank soll ein digitaler Reiseführer werden.jpw



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