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Neeson ist sauer – schon wieder

In „Run all Night“ legt sich der unperfekte Action-Held mit einem Mafiaboss an

veröffentlicht am 16.04.2015 um 06:00 Uhr

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Autor:

Michael Ranze

Nach „Unknown Identity“ (2011) und „Non-Stop“ (2014) kommt mit „Run all Night“ nun bereits die dritte Zusammenarbeit von Schauspieler Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra ins Kino. Drei Filme, die von Neesons mächtiger, manchmal ungelenker Körperlichkeit profitieren, aber auch von seiner Verletzlichkeit, die mitunter in Wehleidigkeit umschlagen kann. Schon in „Non-Stop“ hatte er seinen Job als Flug-Marshall nur ausgehalten, weil er immer einen Flachmann dabei hatte. Hier ist er einmal als betrunkener Weihnachtsmann zu sehen, der bei der Bescherung die Kinder mit seiner Fahne irritiert und ihre Mütter mit eindeutigen Angeboten nervt. Liam Neeson: Das ist bei Jaume Collet-Serra ein unwürdiger, unperfekter Action-Held, der erst geläutert werden muss, bevor er Erlösung findet.

Neeson spielt Jimmy Conlon, der früher einmal einer der gefürchtetsten Killer von New Yorks Hell’s Kitchen war. Für seinen Partner Shawn Maguire (Ed Harris) erledigte er die Drecksarbeit, doch der hat inzwischen seine Geschäfte legalisiert. Unvermeidliche Folge: Conlon hängt nur noch in Kneipen herum und säuft Whisky. Die Handlung kommt in Gang, als Maguires Sohn Danny (Boyd Holbrook) wegen eines missglückten Drogendeals drei albanische Gangster erschießt, bevor sie ihn erschießen. Zeuge der Gewalttat ist ausgerechnet Conlons Sohn Mike (Joel Kinnaman), der seinen kriminellen Vater verachtet und sich mit Familie und festem Job eine bürgerliche Existenz aufgebaut hat. Danny kann keine Zeugen brauchen, und bei dem nun folgenden Duell sieht sich Conlon gezwungen, den Heißsporn in Notwehr zu erschießen, um Mike zu retten. Damit beschwört er eine Blutfehde herauf, die ihm innerhalb einer Nacht noch einmal alle bislang brachliegenden Fertigkeiten abverlangt.

Das Zentrum der Erzählung ist die konfliktreiche Beziehung zwischen Vater und Sohn, die sich seit Jahren nicht gesehen haben und nun – innerhalb von 18 Stunden – kennenlernen und zusammenraufen müssen, um wenigstens das Überleben des Jüngeren (und Gesetzestreuen) zu garantieren. Ein wenig zu pathetisch reitet Collet-Serra auf der Betonung der Familienbande herum, zumal er sie mit Maguire, der zu seinem Sohn zwar engeren Kontakt pflegt, ihn aber im entscheidenden Moment im Stich lässt, konterkariert. Blut ist dicker als Wasser: Verdichtet wird dieses Thema mit einer packend-intensiven Unterhaltung zwischen Conlon und Maguire in einem Restaurant, bei der sie sich – so wie 1996 Robert De Niro und Al Pacino in Michael Manns „Heat“ – zwar Respekt zollen, aber auch die Unausweichlichkeit der Konfrontation bestätigen. Eine Konfrontation, die durch einen supercoolen Auftragskiller (dargestellt vom Rapper Common), der auch zahlreiche Cops abmurkst, unnötig in die Groteske getrieben wird und somit den Bezug zur Realität verliert.

Stilistisch gibt sich der Regisseur selbstbewusst. Da gibt es eine flotte, aber schon oft gesehene Autoverfolgungsjagd, Helikopter-Rundflüge, die das Territorium erschließen, einen ruckelnden Zeitraffer, der Handlungsorte rasch, unter Brücken und durch geschlossene Gitter hindurch, miteinander verbindet. Eine sehr flüssige, durch Computer-Tricks ermöglichte Inszenierung, die stets Abkürzungen findet und die Action-Sequenzen seltsam zerlegt, sodass sie sich mit bloßem Auge kaum verfolgen lassen. Fast scheint es so, als wolle sich Collet-Serra mit seiner modisch-flotten Inszenierung bewusst von Regisseuren wie William Friedkin, John Frankenheimer und Walter Hill distanzieren, obwohl ihn 70-Jahre-Thriller wie „French Connection“ und „Driver“ sichtlich beeinflusst haben.

Immerhin: Von der „Ein Mann sieht rot“-Attitüde der „96 Hours“-Trilogie mit ihrem Fremdenhass und dem ungebrochenen Rachemotiv ist „Run all Night“ weit entfernt, Collet-Serra hat einen spannenden und – trotz einiger Überzeichnungen – anspruchsvollen Krimi gedreht. Und Liam Neeson wird mit dem Alter immer besser.

„Run all Night“ läuft im Hamelner Maxx-Kino täglich um 17.30 und 20.15 Uhr, Fr. und Sa. auch um 22.50 Uhr.



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