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Was uns Corona vergessen und was sich von Donald Trump lernen lässt

Mit dem Heli ins Homeoffice

Es bleibt ja so vieles auf der Strecke in dieser Corona-Zeit: Familienfeiern in richtig großer Runde zum Beispiel, bei denen man vier Menügänge lang vermeidet, Großtante Clara mit dem Vornamen anzureden, weil sie ja ganz vielleicht auch Großtante Ursula sein könnte. Oder aufgeregte Berichte über eine gefährliche neue Partydroge in Berliner Nachtclubs. Über die Terrorgefahr bei Großveranstaltungen – immerhin eine Frage von Leben und Tod – spricht auch niemand mehr. Was waren das noch gleich: Nachtclubs, Großveranstaltungen?

veröffentlicht am 10.10.2020 um 09:00 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Aber am meisten entgeht uns natürlich in der direkten thematischen Nachbarschaft des Virus: Denn wo sind sie hin, die Warnungen vor tückischem Gluten? Kein neues Superfood für ewiges Leben wird geräuschvoll auf dem Markt platziert. Kaum noch hörbare Debatten über die gesundheitlichen Vor- und Nachteile von Kuhmilch, Eiern, Rotwein, Essen, Trinken und Atmen ganz generell. Corona hat übernommen. Sogar der US-Präsidentschaftswahlkampf könnte diesmal fast vollständig in der Apothekenrundschau abgehandelt werden.

Dabei gibt es weiterhin so viele hübsche Themen, denen wir uns mit unseren Sorgen und Waschzwängen widmen könnten: Schnupfen, Husten und Fieber werden wohl auch weiterhin in jedem gut sortierten Kindergarten kostenfrei ausgegeben. Magen-Darm-Erkrankungen ebenso. Dass uns der Haushund indes Flöhe und Zecken deutlich näher bringt, als uns lieb ist, nehmen wir längst hin.

Aber haben Sie zum Beispiel schon hinreichend über den Fuchsbandwurm nachgedacht? Ein possierliches Tierchen, das sich beim Menschen daran macht, Leber, Lunge oder – ein mitunter wohl nur kleines Häppchen – das Gehirn zu vernaschen. Wer um Himmels willen denkt sich so ein Tier aus? Stephen King? Hunde, die infizierte Mäuse oder Ratten fressen, gelten als mögliches Einfallstor in den menschlichen Haushalt und Körper, aber Genaues weiß niemand. Immerhin: Die Krankheit ist seeehr selten und auch eher ein süddeutsches als ein niedersächsisches Thema. Durchatmen also.

Lenken wir uns ab – mit anderen Ekligkeiten: „Auf keinem Alltagsgegenstand krabbeln, nisten, leben und vermehren sich so viele Bakterien und andere fiese Keime wie auf dem Smartphone“, war schon vor einer ganzen Weile in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen. Das Mobilgerät sei für diese kleinen zwielichtigen Gesellen wohnlicher als die durchschnittliche Klobrille. Wir stellen uns nur kurz unsere sprechenden, flüsternden, schimpfenden, küssenden Lippen an einer Klobrille vor und Telefonieren fortan mit einem völlig neuen Gefühl.

Und offenbar schaffen es ja – vielleicht vom Smartphone quasi heruntergeladen – trotz Maske im Gesicht und bis zur Rissigkeit desinfizierten Händen tatsächlich noch immer ein paar Krankheitserreger in unsere gut behüteten Körper.

In dieser Woche bekam ich es selbst mit einem von ihnen zu tun. Ich beschloss, die Angelegenheit auf die Donald-Trump-Art zu regeln. Schon kurz nachdem ich mich in der Redaktion krankgemeldet hatte, raffte ich mich auf und schrieb meinen Namen schwungvoll auf leere Blätter. Danach ließ ich eine Gedenkmünze prägen: „Magen-Darm-Dings 2020 besiegt“ und flog mit einem Heli zurück an den Homeoffice-Esstisch. Oliver Stone filmte das Ganze. „Hast du Fieber?“, fragte eine Kollegin besorgt, als ich ihr davon berichtete. Fieber? Nicht mehr als sonst.



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