weather-image
23°

Kleine Rätsel Schaumburgs: Stift erhielt durch kaiserliche Gunst das Marktrecht

Mit Barbarossa früh zum Marktrecht

Obernkirchen (sig). Die Obernkirchener leben in einer geschichtsträchtigen Stadt. Das haben sie zu einem guten Teil der Gründung des Stifts im Herzen des einstigen Bukkigaues zu verdanken. Das urkundlich erstmalig 1167 erwähnte Frauenkloster bekam schon am 30. November 1181 das Marktrecht – früher als alle anderen Orte im Schaumburger Land. Das benachbarte Bückeburg folgte sogar erst 1609.

veröffentlicht am 20.08.2011 um 00:00 Uhr

In der Regel wurden die Jahrmärkte früher immer auf den Marktplätzen der Flecken oder Städte abgehalten. Ob das für Obernkirchen

Kaiser Friedrich I., der Mann mit dem roten Bart, daher Barbarossa genannt, erteilte 1181 das Marktprivileg. Deshalb halten die Obernkirchener heute jeweils im Herbst ihren Barbarossa-Markt ab. Alle Auslegungen der kaiserlichen Verfügung besagen aber nicht, ob damit das Recht auf das Abhalten eines Wochenmarktes oder eines Jahrmarktes erteilt wurde.

Das Wort „forum“ in der Verleihungsurkunde gibt da keine schlüssige Antwort. Es ist allerdings überliefert, dass der Obernkirchener Markt einst die Bezeichnung „Achtentag“ („octo dies“) trug. Er wurde im Spätsommer zusammen mit der Kirchweihe abgehalten, vermutlich am 8. September, dem Geburtstag Marias.

Die Historiker gehen davon aus, dass mit der kaiserlichen Genehmigung wohl ein Jahrmarkt oder Kirmes gemeint sein müsse, denn spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts hätten die Märkte in Rinteln und Stadthagen mit ihrer Anziehungskraft viele Anbieter des täglichen Bedarfs aus dem Umland an sich gezogen.

Man sollte jedoch auch die Bedeutung des Barbarossa-Marktes nicht gering schätzen, denn die daran teilnehmenden Kaufleute kamen aus einem großen Einzugsbereich. Wenn diese Veranstaltung ausfallen musste, zum Beispiel durch eine epidemische Krankheit wie die Ruhr, dann wurden darüber sogar die Städte Hildesheim, Braunschweig, Hannover, Hameln, Wunstorf sowie Herford und Lemgo informiert.

In jedem Fall musste Obernkirchen, das zu diesem Zeitpunkt noch einen sehr dörflichen Charakter hatte, immerhin schon über jene Verwaltungsstrukturen verfügen, die das Abhalten eines Marktes ermöglichten. Die damit verbundenen Pflichten und Rechte waren beim Stift offensichtlich in bester Hand.

Im Mittelalter bedeutete das Marktrecht nämlich zugleich die Sicherung des friedlichen Ablaufs dieser Veranstaltung und das Recht, Streitigkeiten durch ein Marktgericht zu entscheiden. Für den zu leistenden Aufwand konnte der Probst von den Krämern und Kaufleuten ein Standgeld („stedegelt“) erheben.

Zu den Marktbesuchern gehörten damals nicht nur die Obernkirchener und die Einwohner aus den umliegenden Dörfern, sondern auch zahlreiche Pilger, die oft lange Strecken zurückgelegt hatten, um das Stift zu besuchen.

Auffallend ist, dass Obernkirchen trotz aller kaiserlichen Gunst immerhin mit der Verleihung der Stadtrechte bis 1615 warten musste.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns an sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (05751) 4000-526.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?