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Bei der Bewältigung der Corona-(Ehe)-Krise verhält es sich wie beim Kühlschrank-Kauf: Cool bleiben!

Mein Spion, der aus der Kälte kommt

Ein wenig normaler werden sie ja, die Tage. Das Gefühl von etwas mehr Normalität in Corona-Zeiten geht auch an Gewohnheitsmenschen wie mir nicht spurlos vorbei. Und doch: So recht vor die Haustür treten mag ich immer noch nicht. Also stellt sich insbesondere an den dahinschleichenden Abenden die Frage: Was tun? Unternehmungslust? Fehlanzeige. Und so merke ich, dass ich in den vergangenen Wochen offensichtlich viel Zeit mit Dingen verbracht habe, die ich vor Corona noch für unsinnig und überflüssig hielt.

veröffentlicht am 16.05.2020 um 10:00 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Redaktionsleiter zur Autorenseite

Also haben Netflix und Co. unseren Haushalt erobert. Bezahlfernsehen über das Internet, früher der Teenager-Generation in unserem Haus vorbehalten, heute finden es auch die Eltern genial.

Nach überaus schönen Erfahrungen mit Bestell-Spielfilmen und Serien hat uns vor ein paar Tagen Ernüchterung eingeholt. Ach was, Ernüchterung: Frontal-Crash, Super-GAU, Belastungsprobe für das Zusammenleben. Und dabei fing alles so harmonisch und liebevoll mit den drei berühmten Worten an: „Heute Film gucken?“

Ja, ich will – eine Antwort, die im Nachhinein wohl eindringlicherer Überlegung bedurft hätte. Denn bei der Auswahl des Abendfilms schieden sich unverhofft die Geister. Klassiker à la „Der Spion, der aus der Kälte kam“ oder Action mit Bruce Willis – oder ganz anders: doch lieber eine Serie. Und wenn ja, welche? Etwas Lustiges oder Ernstes? Science-Fiction, Krimikomödie oder Melodram?

Um es kurz zu machen: Der gemeinsame Filmabend endete mit Stille. Schweigen. Denn nach unzähligen Trailern, die insgesamt auch eine Spielfilmlänge dauerten, waren wir unentschlossen. Uneins, bis sowohl sie als auch ich zum Smartphone griffen, jeder für sich. Nach zehn Minuten war das Schweigen kurzzeitig gebrochen: „Schon spät geworden. Ich geh’ ins Bett.“ Perfekte Filme enden anders.

Ein zweiter Akt aus meinem Leben: Ein weiteres Drama – der Kühlschrank muss neu. Die Küchen-Technik wird inzwischen als voll vernetzt angepriesen. Smart nennen sich diese modischen Geräte, Verbindung über WLAN und Handy – kein Problem.

Ja, sicher! Kennt doch jeder von uns: Spätestens wenn wir vorm Kühlregal im Supermarkt stehen, fragen wir uns alle gemeinsam: War eigentlich noch genug Milch und Butter da? Gut, dass uns dann ein kleiner, smarter Kühlschrank-Spion sogleich Live-Bilder aufs Handy schicken kann. Wahnsinn, toll, darauf habe ich schon lange gewartet – und auch gespart.

Ich halte wahrlich nichts von Verschwörungstheorien in diesen Zeiten, doch in diesem besonderen Fall sehe ich schon die Versorgungskatastrophe auf mich zukommen: Da stehst du eines Tages vor einem randvollen Kühlschrankwunder – und bekommst partout die Tür nicht auf. Weil der Akku deines Smartphones leer ist oder Windows mal wieder einen blauen Bildschirm auf den Kühlschrank-Monitor schickt: System Error.

Ein Horror-Szenario. Zurück auf den Boden der Tatsachen – und der ist eine Qual. Eine Qual der Wahl. Auf einem schier unerschöpflichen Markt von Haushaltsweißgeräten. Was muss das neue Modell also können? „No Frost“, „Bio Fresh“, „Duo Cooling“, „My Zone“, „Bio Cool“, „Express Freeze“, „Moist Balance Crisper-Funktion“ – das ruft doch schon wieder nach Entscheidungen! Die Filmauswahl bei Netflix wäre wohl die einfachere gewesen.

Mit standsicherer Argumentation und einem halbwissenschaftlichen Kurzvortrag über die Haltbarkeit von Gemüse pocht meine liebe Gattin auf die gesonderte Null-Grad-Zone. Ich hingegen liebäugele mit der extra Flaschenablage. Mal ehrlich: Null Grad ist doch eh viel zu kalt für die existenziellen Bedarfsartikel in einem Kühlschrank.

Sie denken auch gerade an den Gefrierpunkt von Flüssigkeit und an Zutaten nach Deutschem Reinheitsgebot? Hopfen, Malz… und Wasser? Kommt Ihnen da derselbe Gedanke wie mir? Wir verstehen uns! 1:0 fürs magenfreundliche Flaschenbier!

Doch wie immer helfen Kompromisse weiter – bei Netflix wie beim Kühlschrank-Kauf. Filme gucken wir vorerst getrennt, zu anderen Zeiten, an verschiedenen Orten. Und in der Kühlschrank-Frage sind wir inzwischen ein gutes Stück weitergekommen, wieder näher zusammengerückt, könnte ein Paartherapeut sagen. Es gibt Modelle, die Flaschenfach und Null-Grad-Zone vereinen! Frieden gesichert.

Da gibt es nur ein klitzekleines Problem: Die Kombination von wochenlang frischem Gemüse und nicht allzu kaltem Bier geht bei diesem Kühlschrank auf Kosten der Gefrierfach-Größe.

Seit gestern Abend haben wir uns auf die Suche nach einem neuen Gefrierschrank begeben. Ergebnisoffen, ohne Vorbehalte. Es könnte vielleicht ein smarter werden. Aber dazu später mehr.



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