weather-image
27°
Eine Gebrauchsanleitung für Frauen und Männer

Mehr Verständnis für die bessere Hälfte

Die Paarbeziehung – Quelle höchster Glückseligkeit und Abgrund tiefsten Leides. Keine Beziehung stellt uns vor größere Herausforderungen, als die zwischen Mann und Frau.

veröffentlicht am 14.04.2018 um 14:52 Uhr

Foto: Frank May dpa

Autor:

Pea Krämer
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Männer und Frauen passen nicht zusammen“, so die Schlagzeile einer großen deutschen Tageszeitung in den Achtzigern. „Stimmt noch immer!“, höre ich viele Männer und Frauen tönen. „Du kannst mich einfach nicht verstehen!“, ist das Klagelied zahlreicher Frauen und Männer, wenn es um die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau geht.

Kaum einen Satz habe ich in der Paarberatung häufiger gehört. Und sie haben recht, die zahlreichen Frustrierten, Geschiedenen, Gescheiterten. Niemand hat uns gelehrt, das Wesen der unterschiedlichen Geschlechter zu verstehen. Menschsein allein reicht aus, um irgendwie gleich zu ticken? Weit gefehlt! Die Herren der Schöpfung scheinen in einer ganz anderen Welt zu leben als die Damen. Und mehr noch, sie scheinen unterschiedliche Sprachen zu sprechen.

Hier ein Beispiel: Neulich sitze ich in einer Männerrunde. Lauthals wird ein ankommender Freund vom Gastgeber mit den Worten begrüßt: „Du siehst ja heute scheiße aus“, während er seinem Kumpel freundschaftlich auf die Schultern klopft. „Guck dich an!“, kommt prompt die Retourkutsche. Mit einem demonstrativen Klaps auf den fülligen Bauch des Freundes unterstreicht er seine Worte. Anschließend lachen beide ebenso fröhlich wie die versammelten Männer, zu denen sie sich gesellen.

In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer
  • In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer

Als Frau kann ich da nur staunen. Amüsiert lächele ich in mich hinein, während ich mir die gleiche Situation mit meinen Freundinnen vorstelle. In meiner inneren Szene höre ich mich, in einem Frauenreigen, zu meiner Freundin sagen: „Mein Gott Lilli, siehst du heute scheiße aus!“, weiter mag ich gar nicht denken, denn vermutlich würde sich mein Freundeskreis schlagartig ausdünnen. Was können wir tun, um einander besser zu verstehen? Meine Idee ist, es wie mit den Haustieren zu machen, die wir in unsere Wohnräume einladen. Ziehen Hund und Katze ein, informieren wir uns über die unterschiedlichen Verhaltensweisen, um für jeden die besten Lebensbedingungen zu schaffen. Dass Bello nach Jahren des Zusammenlebens miaut und Mietzi bellt, würde niemand von uns erwarten.

Durch meinen Beruf habe ich zahlreiche Erfahrungen mit Männern und Frauen gesammelt. Die Ergebnisse möchte ich mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in zwei fiktiven Briefen teilen, indem ich einmal als Mann an die Frau schreibe und einmal als Frau an den Mann. Es ist mir bewusst, dass ich dabei „alle über einen Kamm schere“. Nehmen Sie es also mit Humor und nicht persönlich. Auf geht’s!

Die Herren der Schöpfung scheinen in einer ganz anderen Welt zu leben als die Damen und unterschiedliche Sprachen zu sprechen

Liebe Frau, ich liebe deine äußere Schönheit, bin fasziniert von deinen Kurven und staune, wie eigenständig mein Körper auf deine äußeren Reize reagiert. Mit deinem Äußeren bin ich längst nicht so kritisch, wie du mit dir selbst, geschweige denn, wie ihr Frauen untereinander. Erotik und Anziehung hat für mich viele Facetten. Verzeih mir, wenn ich dein neues Kleid oder deine neuen Schuhe übersehe und verschone mich bitte mit ausgedehnten Shoppingtouren, es sei denn, dich lockt der Baumarkt.

Sollte ich eine Geliebte haben, heißt das noch lange nicht, dass ich dich, meine Ehefrau, nicht liebe und bei dir bleiben möchte. Ich kann Sexualität von Liebe trennen und durchaus mit mehreren Frauen Sex haben. In meiner Phantasie … ach, das verstehst du eh nicht, wechseln wir lieber das Thema. Probleme gehe ich an, indem ich in meiner inneren Welt an Lösungen arbeite, in der Hoffnung, selbstständig zu einem Ergebnis zu kommen. Fällt mir nichts ein, erlebe ich das als Versagen.

Erst jetzt kommt mein Plan B: Ich weihe dich ein in der Hoffnung, dass du eine Lösung hast. Grundsätzlich bin ich pflegeleicht und kann gut für mich selbst sorgen, auch wenn du das anders siehst. Deswegen mein Appell an dich: Lass deine nachträglichen Erziehungsversuche, die aus mir deinen Traumprinzen machen sollen, bitte bleiben. Das nervt mich! Auch Sätze wie: „Schatz, es ist kalt draußen, du solltest dich wärmer anziehen“, sind überflüssig. Das erinnert mich an meine Mutter und ist ziemlich unsexy. Wenn du etwas von mir willst, sag es klar und deutlich. Eine Liste mit Zeitplan wäre großartig! Hänge sie an einen Platz, wo ich sie täglich sehe! Ich bin gern einmal allein unterwegs.

Einen Beruf zu haben, der Berufung ist, macht mich glücklich. Wenn wir zwei uns morgens gestritten haben, denke ich nicht mehr darüber nach, sobald ich meine Kollegen bei der Arbeit treffe. Eine Aufgabe zu haben, Lösungen zu finden, Ziele zu erreichen, von all dem kann ich so beseelt sein, dass Beziehungsthemen in den Hintergrund rücken. Auch wenn du es nicht glaubst, ich rede gern. Über Berufs- und Sachthemen wie Motor, Sport, Reisen und Politik.

Beziehungsthemen hingegen sind nicht mein Fall. Wer mit wem, wer welche Kleidung trägt, wer welches Problem hat – all das interessiert mich nicht wirklich. Ich finde, dass wir gut zusammenpassen, schließlich leben wir schon lange zusammen. Wenn ich dir vor Jahren einmal gesagt habe, dass ich dich liebe, gilt das auch heute noch. Sollte sich an meiner Liebe zu dir etwas ändern, sage ich es dir. Dabei fällt mir ein, lass uns öfter Sex haben. Da fühle ich mich von dir begehrt und er löst Probleme, ohne dass wir darüber reden müssen. Dein Mann.

Lieber Mann, deine innere Stärke, deinen Erfolg bewundere ich. Dass du wie ein Baum bist, an den ich mich anlehnen kann, wenn ich nicht mehr weiterweiß und Schutz brauche, ist großartig! Ich liebe kleine Aufmerksamkeiten. Wenn du mir eine SMS schreibst, mir einen Zettel mit Liebesgrüßen hinterlässt, mir Blumen schenkst. Eine Miniaufmerksamkeit jeden Tag ist für mich mehr wert, als ein neuer Porsche zum Geburtstag. Wenn es draußen kalt ist und du mir sagst: „Schatz, du solltest dich wärmer anziehen“, wird mir ganz warm ums Herz. Es ist für mich ein sichtbarer Beweis deiner Liebe und Fürsorge.

Sollte ich einen Geliebten haben, ist unsere Beziehung gefährdet. Wenn ich mich einem anderen Mann zuwende, mache ich das mit ganzem Herzen. Sexualität ist für mich der größte Ausdruck von Liebe. Beziehungen sind in meinem Leben das Wichtigste. Darum bemühe ich mich, alle Menschen, die ich liebe, im Blick zu haben. Ich höre ihnen zu, versetze mich in sie hinein und schaue, was sie von mir gebrauchen können oder wie ich sie am besten unterstützen kann.

Unstimmigkeiten machen mir zu schaffen. Wenn wir zwei uns morgens gestritten haben, bin ich bei der Arbeit nicht gut zu gebrauchen. Der Streit begleitet mich, wie eine Hintergrundmusik, durch den Tag. Ich grüble dann, warum das so ist, wie es dazu gekommen ist, was ich falsch gemacht habe und was an dir nicht richtig ist.

Ich spreche mit meinen Freundinnen darüber, in der Hoffnung, dass sie mich besser verstehen als du. Wenn ich ein Problem habe, will ich nicht, dass du mit einer Lösung kommst. Ich möchte von dir verstanden werden. Lehn dich lieber innerlich zurück und höre mir gut zu. Ich möchte, dass du dich in meine Situation hineinversetzt und mir rückmeldest, wie es dir gehen würde, wenn du an meiner Stelle wärst.

Wenn mir alles zu viel wird, hilft es wenig, wenn du mir sagst, ich müsse den Tag eben besser strukturieren. Da werde ich wütend und traurig. Hilfreich wäre so etwas wie: „Schatz, wenn ich dir so zuhöre, ist das eine ganze Menge, was du da heute geleistet hast. Kein Wunder, dass du kaputt bist. Kann ich dir etwas Gutes tun?“ Dabei fällt mir ein, wir sollten mehr miteinander reden, mein Lieblingsthema ist Beziehung. Ich möchte alles von dir wissen. Wenn du über deine innere Welt sprichst, fühle ich mich dir ganz nah und zu dir hingezogen. Du möchtest mehr Sex? Lass uns darüber reden – ich liebe Reden. Und dann … lass es uns tun. Deine Frau.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen Verständnis für die Welt Ihrer besseren Hälfte.


Im Internet: www.peakraemer.de



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare