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Wie sich die Präsidentenfrage auch entscheiden ließe

Mau-Mau um die Macht

Der Wahlkampf dieses US-Präsidenten ist wie der Spinatrest zwischen den Schneidezähnen eines Gesprächspartners. Ich möchte nicht hinsehen. Wirklich nicht. Aber ich muss. Hat er das gerade tatsächlich gesagt? Das kaufen die ihm ab? Und: Kann es sein, dass er einen noch kleineren Englisch-Wortschatz hat als ich?

veröffentlicht am 31.10.2020 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2020 um 10:21 Uhr

Frank Henke

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Reporter zur Autorenseite

Alles nichts Neues. Im Grunde steht hinter diesen auch nach vier Jahren noch verblüfften Fragen natürlich die eine ganz große: Wie kam der Mann nur ins Amt? Klar, er wurde gewählt. Nicht von der Mehrheit, aber immerhin von der Mehrheit in den richtigen Staaten. Aber eigentlich meine ich: Was sind Trumps Qualitäten? Was gab den Ausschlag? Seine Kompetenz? Sein staatsmännisches Auftreten? Just kidding, wie Trumps Landsleute sagen. Nur Spaß. Nein, da muss etwas anderes gewesen sein. Er ist lauter als andere, klar. Er twittert schneller. Er ist nun auch viel gesünder als andere, sagt er. Und seine Krawatte: eindeutig die längste – weltweit. „Period!“, wie Trumps erster, schnell verbrauchter Pressesprecher geschlossen hätte.

Vielleicht weist uns Trump – ob er nun wiedergewählt wird oder nicht – aber doch epochal den Weg: Dieses alte demokratische Ideal – Integrität verströmende Persönlichkeiten versuchen von ihren Ideen zu überzeugen, die oder der mit den besten Ideen gewinnt – hat sich offenbar allmählich erledigt. Wohl nicht nur in den USA. Inhalte? Fakten? Vergiss es. Warum also nicht gleich ganz neue Spielregeln definieren?

Kürzlich traf ich zum Beispiel im Fernsehen – es lief gerade keine Trump-Show – auf Kamehameha I., bis vor fast genau 200 Jahren König von Hawaii und offenbar: begnadeter Surfer. Nun gut: Auch auf Hawaii wurde nicht einfach dem besten Wellenreiter am Strand die Krone wie ein Beachvolleyball zugeworfen: „Respekt: neuer König, Dude!“ Aber eine wichtige Rolle spielte sein Surftalent wohl doch für Status und Ansehen, sagte das Fernsehen. Und diese Vorstellung gefällt mir: Denn beim Surfen, da geht‘s um Balance, Timing, sogar um so etwas wie Selbst- oder zumindest Körperbeherrschung. Vielleicht gar nicht so schlechte Voraussetzungen, um ein Land zu regieren. Kamehameha war ein recht erfolgreicher König – und Trump bestimmt nie ein guter Surfer.

Klar, im meeresfernen Hameln oder Hannover müssten wir nach Alternativen suchen – aber nicht lange. Wie wäre es mit einem Voltigier-Wettbewerb um die Landesspitze? So ein bisschen Geturne auf dem Rücken unseres Wappentieres – warum nicht? Auch hier: Balance, Ausgewogenheit, Konzentration. Und die geringe Frauenquote in hohen Ämtern hätte sich auch erledigt: Fast 90 Prozent der Voltigierenden sind weiblich. Dass Ursula von der Leyen nach diesem Modus zur EU-Kommissionspräsidentin gekürt wurde, ist aber lediglich ein an dieser Stelle von mir versuchsweise verbreitetes Gerücht.

Ein bisschen früher – vor rund anderthalb Jahrtausenden – qualifizierte ein ganz anderes Kunststück zum Machthaber. Artus zog ein Schwert aus dem Stein, heißt es, und wurde König. Ein Spitzenkönig angeblich. Schwierige Verknüpfung, finde ich. Um aus dem festgeklemmten Schwert eine große Geschichte zu machen, musste schon Gott seine Finger im Spiel haben. Er hat also letztlich den Herrscher gewählt, heißt es. Nun gut. Doch bei genauerer Betrachtung zerbröselt die Story wie Trumps virologische Ausführungen: Zum einen tötete Artus – so viel zum guten König – mit seinem Schwert seinen Sohn oder Neffen. Die Schriften sind sich da uneins. Und zum anderen war alles vielleicht auch nur ein ärgerlicher Übersetzungsfehler, und die frühmittelalterlichen Schreiber hatten gar kein Schwert „aus einem Stein“ (ex Saxo), sondern von einem Sachsen (ex Saxone) gemeint. Blöderweise glauben die Historiker zudem tendenziell, dass es für diesen Sage-Artus nicht mal ein reales Vorbild gab. Nein, so kommen wir nicht weiter.

Blicken wir lieber nach vorn: In der kommenden Woche erfahren wir vielleicht, wer in den kommenden vier Jahren wichtigster Staatschef der Welt wird. Vielleicht aber auch nicht. Das Prozedere ist meines Wissens in etwa dieses: Zunächst wird ausgezählt, danach ausgezählt und dann noch einmal ausgezählt. Sollte das noch immer kein klares Ergebnis bringen, sieht das Protokoll einen Dreikampf aus Mau-Mau, Schnick, Schnack, Schnuck und Fingerhakeln vor. Danach geht es zur entscheidenden 18-Loch-Runde auf den Golfplatz. Ach, mir schwant Böses.



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