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Zuerst kommt der Gedanke, dann kommt das Gefühl

Lieben Sie ihre Mitmenschen?

Lieben Sie sich? Lieben Sie ihre Mitmenschen? Alle Jahre wieder feiern wir eines der bedeutendsten Feste der Christenheit, die Geburt Jesu und mit ihm das Fest der Liebe.

veröffentlicht am 31.01.2018 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 16:44 Uhr

fuß
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Dezember, die einen sehnen ihn herbei und freuen sich auf die Adventszeit mit Weihnachtsmarkt, Kerzenschein, Kekse backen und ganz besonders auf den Heiligen Abend im Kreise der Familie. Die anderen denken mit Grauen an diese Zeit, oft weil sie alleinstehend sind oder ihre Familie mehr eine Brutstätte von Konflikten ist, als eine Tankstelle der Lebensfreude und Entspannung.

Darüber hinaus kann nicht jeder etwas mit Religion und Kirche anfangen. Ich selbst schaue kritisch auf die Kirchen, doch ich bin ein großer Fan von Jesus. Wenn ich einen Guru hätte, stände er auf meiner Hitliste der großen Weisen ganz oben. Besonders beim Thema Liebe lohnt es sich, einmal den Scheinwerfer auf das Kind zu richten, das da vor zirka 2000 Jahren in Betlehem geboren wurde. Jener Christus, der die Hoffnung seiner Generation war und der es so vielen bis heute geblieben ist.

Zu seinem Gedenken ist die Adventszeit als Zeit der Achtsamkeit, Besinnung, der Meditation und der Stille postuliert. Frieden wollte er in die Welt bringen. Frieden und Liebe unter den Menschen, nichts Geringeres als das, war sein Lebenscredo. Was ist aus seinen Idealen geworden? Wo sind sie, die Tugenden der Liebe, die Bescheidenheit, das Mitgefühl, die Toleranz, die er nicht nur gepredigt, sondern auch vorgelebt hat?

Wer sich in der politischen und religiösen Welt von heute umschaut, sieht auf der einen Seite Krieg, Zerstörung, bittere Armut und auf der anderen Wirtschaftswachstum, Wohlstand, unermesslichen Reichtum. Manchmal frage ich mich, was Jesus täte, wenn er noch auf Erden weilte? Wäre er Mitglied in seiner Kirche, dem Felsen, oder würde er sie und seine Vertreter in der bestehenden Form zerschlagen und neu gestalten? Menschlicher? Gleichberechtigter? Schlichter?

In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer.
  • In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer.

Sein Leben, seine Weisheit und seine Menschenliebe durchstrahlen noch immer die Jahrtausende und geben Mut zur der Hoffnung, dass Frieden möglich ist. Doch wie genau geht das mit dem Frieden? Wo fängt er an? Und wie und wo entsteht der Krieg? Die Wurzel des Terrors liegt in unseren Köpfen begraben und bekommt Nahrung durch unsere Gedanken! Kein Denken – kein Problem. Diese Aussage scheint so einfach, wie logisch.

Schließen Sie für einen kurzen Moment die Augen, atmen Sie drei Mal tief ein und wieder aus. Nehmen Sie wahr, was in Ihrem Körper passiert.

 

Pea Krämer, Familientherapeutin

Doch wie sollen wir den unaufhörlichen Strom unserer Gedanken abstellen? Mit niemandem kommunizieren wir so viel wie mit uns selbst. Ein ständiger innerer Dialog, der oft nur nachts im Schlaf zur Ruhe kommt. Am Morgen, wenn der Verstand erwacht, geht auch der Vorhang des „Kopfkinos“ wieder auf: Liebesfilme, Dramen, Krimis, Horrorfilme überfluten die innere Leinwand und bestimmen unsere Gemütslage. Typischerweise spielen sie alle in der Vergangenheit oder der Zukunft und je nachdem, welches Genre Beachtung findet, sind wir fröhlich, aggressiv, traurig oder ängstlich.

Leben wir in unterschiedlichen Welten: der inneren vielbelebten und der äußeren stillen? Können wir uns dem Gedankenstrom entziehen? Nein! Denken geschieht und ist nichts persönliches. Gedanken fallen in unseren Kopf und bis heute hat die Wissenschaft keine Antwort auf die Frage, wo sie herkommen. Das bedeutet, wir haben keine Kontrolle über das, was uns ins Hirn fällt. Doch welchen Gedanken wir aufgreifen und größer machen, das haben wir in der Hand.

Wenn ich also einen Gedanken habe, der mich belastet, kann ich ihn überprüfen. Zu den beliebtesten Überzeugungen gehören: „XY liebt mich nicht.“ Statt diesen Gedanken weiter mit Geschichten zu befeuern, halten Sie einmal inne und fragen sich: „Ist das wirklich wahr?“ „Kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit wissen, dass XY mich nicht liebt?“ Gehen Sie in die Stille und warten Sie, welche Antwort in Ihrem Herzen aufsteigt. Lassen Sie als Antwort nur ein Ja oder Nein gelten. Schauen Sie, was richtet dieser Gedanke in mir und meinem Leben an? Macht er mich wütend, oder traurig? Wie verhalte ich mich gegenüber XY, wenn ich diesen Gedanken glaube?

Gefühle entstehen im Kopf! Wir sagen oft so etwas wie: „Ich fühle mich nicht geliebt!“, „Ich fühle mich nicht anerkannt!“ Doch wenn wir genauer hinschauen, dann denken wir uns ungeliebt, nicht anerkannt. Am Anfang ist der Gedanke: „Meine Mutter, mein Vater, meine Frau, mein Mann liebt mich nicht. Erst infolge erwacht das Gefühl der Traurigkeit. Erst der Gedanke, dann das Gefühl!

Schauen wir uns Babys an. Sie sind die besten Gegenwartslehrer. Sie lachen, weinen, schreien, wechseln ihre Stimmung augenblicklich. Immer authentisch drücken sie aus, was gerade Jetzt ist. War es das, was Jesus meinte, als er sagte: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht eintreten in das Königreich des Himmels?“ Erst mit dem Ich-Bewusstsein kommt das Kind in die Lage, sich selbst und andere zu reflektieren. Zeitgleich erwacht das Ego und der Gedanke „meins“. Vorbei ist die innere Ruhe. Später wird analysiert, interpretiert, kommentiert.

Mit niemandem „quatschen“ wir so viel, wie mit uns selbst. Wir werten, beurteilen, verurteilen, richten: Menschen, Situationen, Begegnungen. Alles Erlebte wird in Nanosekunden auf den inneren Prüfstand gestellt. Dabei haben wir alle wie Jesus begonnen, als unschuldiges Kind, frei von Konzepten, ohne Ego. Stattdessen ganz im Hier und Jetzt des Augenblickes. Kein Denken – kein Problem. Sorgenfrei. Sorgen und Probleme brauchen Zeit! Sie spielen in der Vergangenheit oder der Zukunft.

Schauen wir uns Babys an. Sie lachen, weinen, schreien, wechseln ihre Stimmung augenblicklich. Immer authentisch drücken sie aus, was gerade jetzt ist.

 

Pea Krämer, Familientherapeutin

Menschen leiden unter ihren quälenden Gedanken. Oft erzählen sie Geschichten aus der Vergangenheit, die längst vergangen ist. Schlimme Erlebnisse werden in der inneren Welt unzählige Male wiederholt. Das Tragische ist, dass es in unserem Gehirn keinen Unterschied macht, ob wir eine Situation real erleben oder sie nur fantasieren. So wird einmal Erlebtes zu einer unendlichen Leidensgeschichte.

Andere schauen sorgenvoll in die Zukunft: Angst vor Beziehungsstress, Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Tod. Noch schlimmer wirken kollektive Gedanken wie zum Beispiel die Angst vor Fremden, Krieg, Terror, Verarmung. Gott sei Dank ist das augenblicklich gelebte Leben der Gegenwart gnädiger als unsere Fantasie. Leben findet nur im gegenwärtigen Augenblick statt. Hier und Jetzt! Und der Augenblick, er ist immer perfekt!

Liebe Leserinnen und Leser, falls Sie gerade jetzt an einem Problem leiden, empfehle ich Ihnen eine kleine Übung. Schließen Sie für einen kurzen Moment die Augen, atmen Sie drei Mal tief ein und wieder aus. Nehmen Sie wahr, was in Ihrem Körper passiert. Öffnen Sie Ihre Augen und schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um: Was sehen Sie? Was hören Sie? Was riechen Sie? Was schmecken Sie? Nur schauen und wahrnehmen! Geben Sie mir recht, wenn ich sage: „Ihr Augenblick ist gerade perfekt und absolut liebenswert?“

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sagte der Weise aus Nazareth. Diese Aussage ist für mich eine Einladung zur Selbstliebe. Erst einmal muss ich mich selbst lieben und anerkennen. In dem Maße wie ich mich selbst liebe und anerkenne, kann ich auch andere lieben und anerkennen. Beides bedingt sich, ist voneinander abhängig. Sie kennen das vielleicht: Da kommt jemand und macht Ihnen ein Kompliment und sie mögen es nicht glauben. Besonders beliebt bei Frauen! Jemand teilt Ihnen mit, wie schön er sie findet. Sie selbst sind jedoch ganz unzufrieden mit Ihrem Äußeren. Sie werden das Kompliment nur glauben, wenn Sie selbst ihre Schönheit erkannt haben.

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen Selbstliebe und das Wiederentdecken Ihres inneren Kindes. Wenn Sie darüber hinaus auch das Kind in Ihren Mitmenschen sehen, können Frieden und Liebe in die Welt ziehen und alles erlösen und erleuchten! Gesegnete Weihnachtszeit!

www.peakraemer.de

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