weather-image
28°
7486 Broadway-Aufführungen vom „Phantom der Oper“ – Weltrekord

Leiden, lieben, morden, singen

Das berühmteste Musical der Welt würde es ohne dieses Gebäude nicht geben. „Unheimliche Geräusche“ in der Unterwelt und ein mysteriöser Unfall im Jahre 1896, bei dem die Concierge Madame Chomette gestorben ist, waren die Blaupause für das Phantom der Oper; und der unterirdische See, auf dem das Phantom mit seiner Barke fährt, existiert wirklich – wenn auch nur als Löschwasserbecken, das regelmäßig durch die Pariser Feuerwehr abgepumpt werden muss.

veröffentlicht am 04.01.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

270_008_7808851_Logo_Vergi.jpg
4301_1_orggross_f-westermann

Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das „Phantom der Oper“ gilt mit Inszenierungen in 27 Ländern und mehr als 130 Millionen Besuchern als das erfolgreichste Musical aller Zeiten, am 9. Januar 2006 löst das mit bis dahin 7486 Aufführungen am längsten am Broadway gespielte Stück „Cats“ ab.

Es lebt von seiner Geschichte über das entstellte, deshalb leidende und sich maskierende Genie, das erpresst und mordet, entführt und droht, um die Liebe der bezaubernden Christine zu gewinnen. Vor allem aber lebt es von seiner Musik. Die ist – weil es eine Oper in der Handlung gibt – manchmal extrem klassisch, überwiegend aber von der Ohrwurmqualität, für die man Andrew Lloyd Webber gleichermaßen liebt wie hasst. Passend dazu hat Musik-Genie Michael Kunze deutsche Texte geschrieben, die bis heute nichts von ihrer Qualität eingebüßt haben; der Kunze, der kann‘s halt.

Das Phantom, das unterirdisch in der Oper haust, schreibt nur ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines Gebäudes, das fast auf den Tag genau vor 141 Jahren eröffnet wird. 15 Jahre wurde gebaut, und bei der Eröffnung trägt die neue Pariser Oper, die Opera Garnier, den Namen ihres Erbauer Charles Garnier. Die Geschichte des prächtigen Baus beginnt mit einer Explosion: Napoleon III. besucht im Januar 1858 das alte Opernhaus. Die von einem Revolutionär geworfene Bombe verfehlt den Kaiser nur knapp, Napoleon III. gibt den Bau einer neuen Oper in Auftrag, das passt bestens zu den architektonischen Umgestaltungen der Stadt Paris, die Baron Haussmann ausgeschrieben hatte. Am 26. Dezember 1860 wird ein Wettbewerb ausgeschrieben und schließlich das Projekt von Charles Garnier, einer von 171 Kandidaten, die ihre Vorschläge anonym einreichen, einstimmig angenommen. Garnier ist ein völlig unbekannter Architekt, aber er hält an einer äußeren Gestaltung fest, an der die inneren Funktionen klar ablesbar sind, und greift die traditionelle Guckkastenbühne wieder auf, die er mit einem grandiosen Rahmen umgibt, er schafft einen Schauplatz von Lust und Luxus für die Festlichkeiten des kaiserlichen Hofes und des triumphierenden Volkes. Das Opernhaus ist kugelartig konzipiert, schirmt den Besucher von der Außenwelt ab und gestattet ihm, in die Traumsphäre der Oper einzutauchen. Der Zuschauerraum selbst ist nur sparsam ausgeschmückt, damit das Publikum nicht vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt wird. Charles Garnier wollte einen Bau errichten, der selbst ein Schauobjekt sein würde, gewissermaßen als Kontrapunkt zu der im Inneren stattfindenden Opernaufführung.

270_008_7815282_rue_phantom.jpg
  • Szene aus „Das Phantom der Oper“. dpa

Und eben dort ließ der französische Journalist und Schriftsteller Gaston Leroux in Fortsetzungen in der Zeitung Le Gaulois vom 23. September 1909 bis zum 8. Januar 1910 sein Phantom der Oper lieben, leiden und hassen. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, und es existieren auch vier Bühnenfassungen des Stücks. Die bekannteste Bearbeitung des Materials stellt natürlich das gleichnamige Musical von Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe dar.

Die englischsprachige Erstaufführung des Musicals fand am 9. Oktober 1986 am Her Majesty’s Theatre in London statt, die Partie der Christine wurde gesungen von Sarah Brightman; die Rolle wurde ihr von ihrem späteren Ehemann Lloyd Webber auf den Leib geschrieben. Schon 1981 hatte Brightman bei der Uraufführung von „Cats“ in London in einer Nebenrolle ihre helle Sopranistenstimme erklingen lassen

Und vielleicht wäre Brightman heute vergessen, hätte sie nicht 1996 mit Andrea Bocelli ein Lied geschmettert, das den Verfasser dieser Zeilen stets an den Sinn des Ausschalters eines Radios erinnerte, aber vom Rest der Menschheit allerdings völlig anders eingeschätzt wurde: „Time to Say Goodbye“ verkaufte sich allein in Deutschland über 2,75 Millionen Mal, erhielt elf Goldene Schallplatten (5-fach-Platin), übertroffen wurde es nur noch vom Lady-Di-Abschiedsjauler Candle in the Wind.

In Belgien entwickelte sie sich zur meistverkauften Single aller Zeiten. Time-to-say-Goodbye-Textdichter Lucio Quarantotto nahm sich später das Leben: Er stürzte sich aus dem Fenster seiner Wohnung im sechsten Stock seines Wohnhauses in Mestre.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare