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„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume“, sagt ein Sprichwort – leichter gesagt als getan

Leben Sie Ihre Träume?

Vor einiger Zeit bat mich eine therapeutische Gruppe eine Art „Gebrauchsanleitung für das Leben“ zu schreiben. Oje, was für eine Anfrage, dachte ich mir, die hätte ich ja selbst gern: So einen Beipackzettel, wie er jedem Medikament beiliegt, für alle Lebenslagen. Großartig und überaus hilfreich in vertrackten Lebenssituationen.

veröffentlicht am 31.01.2018 um 16:28 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 16:44 Uhr

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Na dann, los geht’s, ich wachse an meinen Herausforderungen und außerdem bewegt auch mich die Frage: „Was ist wirklich wesentlich im Leben, und wie genau geht ein gut gelebtes Leben?“ So bin ich der Einladung gefolgt und in die Stille gegangen. Dort habe ich Antworten gefunden, die ich jeden zweiten Samstag im Monat mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in der neuen Rubrik „Lebensweise“ teilen möchte – wohl wissend, dass es Subjektives ist. Doch vielleicht ist ja der eine oder andere Gedanke, die eine oder andere Geschichte nützlich für Sie und Ihr Leben. Nehmen Sie also, was Sie davon gebrauchen können und werfen Sie den Rest in ihre geistige Mülltonne! Das Erste, was in mir auftauchte, war: Lebe deine Träume und Visionen!

Wir alle haben Träume und Visionen, oder? Doch wie viele von uns leben sie? Wenn ich mich umschaue bei meinen Mitmenschen, sehe ich viel ungenutztes Potenzial, viele brachliegende Talente. Woran liegt das? Ich habe mich auf Spurensuche gemacht und bin in die Landschaft der jugendlichen Psyche gegangen. Dort, bei den Teenies, habe ich Antworten gefunden: Oft kommen sie kurz vor ihrem Schulabschluss zu mir in die Beratung, um gemeinsam herauszufinden, wie ihr Lebensweg weitergehen soll. Von ihren Lehrern hören sie Berufsvorschläge, die nicht ihren Talenten entsprechen, jedoch auf dem Arbeitsmarkt aktuell gebraucht werden. Eltern haben häufig ähnliche Sichtweisen wie die Pädagogen, oder raten zu Lebenswegen, die sie selbst gern gegangen wären.

Ich stelle gerne die Paradiesfrage.
Pea Krämer, Familientherapeutin

In ihren Kindern, so scheint es, können ihre eigenen Sehnsüchte und Wünsche nun doch noch lebendig werden. Als systemische Familientherapeutin weiß ich, wie Erwartungen der Eltern an ihre Kinder wirken: Kinder bedienen diese. Sie tun das aus Liebe! Sehr schnell begreifen sie, was Mutter und Vater sich von ihnen wünschen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Wünsche verbalisiert werden oder als stille Botschaft unausgesprochen im Raum stehen. „Dir soll es einmal besser gehen als uns!“ „Wir tun doch alles für dich!“ „Wir konnten/durften damals nicht, aber du!“ „Ich habe mein Leben für diese Firma gegeben, nun übernimm du, was ich für dich aufgebaut habe!“ Doch was, wenn die Sprösslinge ganz andere Neigungen, Talente und Sehnsüchte haben? Hier geraten Kinder meist in einen psychischen Konflikt: Bediene ich die Vorstellungen meiner Eltern, oder lebe ich meine heimlichen Wünsche? Auf die Frage, was sie gerne beruflich machen würden, reagieren viele Teenager mit Achselzucken. Doch wenn ich frage, was sie glauben, was ihre Eltern gern sehen würden, können sie mir sehr detailliert Auskunft geben. Das Ergebnis ist, dass Botschaften der Eltern sich allzu oft innerlich manifestieren. In der Folge werden sie zu scheinbar eigenen Überzeugungen. Sind sie identifiziert und aufgelöst, können wir gemeinsam nach eigenen Visionen und Talenten schauen.

Unser Planet – eine hellbunte Vielfalt voller Möglichkeiten

Dazu stelle ich gern die Paradiesfrage: „Stell dir vor, alles ist möglich und du weißt, du kannst nicht scheitern? Was genau würdest du dann tun? Erzähl mir deine größte Lebensvision?“ Während ich erstaunliche Visionen höre, kann ich in leuchtende Gesichter schauen, die mich jedes Mal aufs Neue berühren. Auf meine Frage: „Was hindert dich, deinen Traum ins gelebte Leben zu bringen?“, ist es vordergründig die Sorge, zu versagen oder nicht gut genug zu sein, doch hintergründig lauert auch die Angst vor der eigenen Größe und Schöpferkraft.

Ich ermutige junge Menschen, sich auszuprobieren, den sicheren, gewohnten Lebensraum zu verlassen, wild und gefährlich zu leben, ihre innere Kraft zu spüren, ihr zu vertrauen und sich von ihr führen zu lassen. Der Weg der Lebensfreude geht oft an der Angst entlang. Eltern können dabei gut unterstützen! Ich selbst habe zwei Söhne. Ihr Vater und ich haben ihre Anlagen, Stärken und Vorlieben beobachtet, sie gefördert und gefordert, doch vor allem haben wir sie gelobt und ermutigt, ihre Talente ins Leben zu bringen! Wir haben ihnen versichert, dass wir sie lieben, egal, für welchen Weg sie sich entscheiden. Lange Zeit stand Müllmann bei unserem Ältesten ganz oben in der Hitliste der Topberufungen. Wie großartig, da wird er viel an der frischen Luft sein! Sie sind mutige, starke Männer geworden, die ihren ganz eigenen Weg gehen, voller Vertrauen in ihre Fähigkeiten und das Leben.

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  • Fotos: Dr. Annika Krämer-Kühl, Jürgen Ulpts
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  • Fotos: Dr. Annika Krämer-Kühl, Jürgen Ulpts
In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer.
  • In unserer Rubrik „Lebensweise“ schreibt Familientherapeutin Pea Krämer.

Unser jüngster Sohn hat seine Komfortzone weit verlassen und sich mit Freundin und Motorrad auf den Weg in die Welt gemacht. Er hat dabei kaum einen „Schurkenstaat“ ausgelassen. Die häufigste Frage, die mir als Mutter gestellt wurde, ist, ob ich mich nicht sorge, dass ihm etwas passiert? Nein, ich habe mich nie gesorgt, ganz im Gegenteil, ich habe mich gefreut, dass er seine Sehnsüchte und Träume lebt, dass er erfahren hat, dass das Leben „da draußen“ längst nicht so gefährlich ist, wie es uns in den Medien gern vorgegaukelt wird. Ja, es ist wahr, dass die Trumps, Erdogans und wie sie alle heißen, genug Potenzial liefern, um darüber zu berichten und die Welt in Angst und Panik zu versetzen. Doch daneben gibt es Menschen wie du und ich, und sie sind die Mehrheit. Über sie wird selten berichtet. Und es gibt zahlreiche, wundervolle Projekte weltweit, wo Menschen sich für Menschen engagieren. In der Presse sind sie leider nur eine Randnotiz.

Bei genauerem Hinsehen offenbart sich unser Planet in einer hellbunten Vielfalt. So viele Völker, so viele unterschiedliche Lebenskonzepte, so viele Möglichkeiten. Viele junge Menschen machen sich auf, sie zu entdecken; jenseits des Massentourismus‘, dafür von Mensch zu Mensch! Bei genauerer Betrachtung leben wir in einer Welt voller Chancen: Nie waren wir vernetzter, nie zuvor konnten wir Entfernungen schneller überwinden, und nie zuvor hatten wir so viele Angebote und Unterstützung bei der Berufswahl.

Menschen, die ihre Talente leben, sind in ihrer Kraft

Erwachsen werden heißt für mich, aus dem behüteten elterlichen Nest hinaus in die Welt zu gehen und andere Lebenskonzepte kennenzulernen. So kann ich herausfinden, was mir entspricht. Ich kann schauen, was haben meine Eltern aus meiner Sicht gut gemacht, das mache ich genau wie sie, und was gefällt mir nicht, das mache ich anders und fühle mich dennoch zugehörig und geliebt.

Menschen, die ihre Talente leben, sind in ihrer Kraft und Lebensfreude. Sie leben ihre Berufung, im Gegensatz zu einem Job. Wer einen Beruf hat, freut sich auf seine Arbeit und empfindet sie als Bereicherung. Es ist wie ein Hobby. Es macht einfach Spaß und könnte ewig dauern. Ein Job ist dazu da, Geld zu verdienen, um den monatlichen Lebensunterhalt sicherzustellen. Wer einen Job hat, freut sich auf das Wochenende, Urlaubszeiten und auf seine Rente.

Deswegen, liebe Leserinnen und Leser, lade ich Sie ein: Gestatten Sie sich einen Augenblick der Stille und stellen auch Sie sich einmal die Paradiesfrage: „Wie würde ich leben, wenn alles möglich wäre und ich wüsste, ich kann nicht scheitern?“

Ich wünsche Ihnen Mut, erste Schritte zu gehen, und Vertrauen in das weise Leben.

www.peakraemer.de



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