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Wussten Sie, dass Frauen einst bei Prunksitzungen schlicht unvorstellbar waren?

Lange Zeit reine Männersache

Mit Helau und Alaaf wird in vielen Städten am Rosenmontag der Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. Der größte deutsche Rosenmontagszug findet in Köln statt – und das bereits seit 190 Jahren. Der erste Präsident des Festkomitees, der den Umzug organisiert hat, trat nach einer kurzen Amtszeit im Jahre 1823 zurück. Und warum? Weil er gefragt wurde, ob Frauen denn beim Karneval auch mal mitmachen könnten.

veröffentlicht am 09.02.2013 um 00:00 Uhr

Was heute selbstverständlich ist, war damals unvorstellbar. Bei den in vielen Städten stattfindenden Karnevalsumzügen sind Frauen heutzutage keine Seltenheit mehr. Aber vor nicht allzu langer Zeit war der Karneval reine Männersache. Allein der Gedanke, Frauen dürften an den berühmten Karnevalssitzungen teilnehmen, war schlichtweg unvorstellbar. Die einzige Ausnahme war Weiberfastnacht, die allerdings lange Zeit keinen besonders guten Ruf hatte, sodass nur Frauen aus niederen gesellschaftlichen Kreisen daran teilnahmen. Zwar gab es im 19. Jahrhundert auch schon von Karnevalsgesellschaften organisierte Damenkränzchen, doch auch die dienten eher den Männern: Jungen Offizieren wurde dort Gelegenheit geboten, heiratsfähige Damen kennenzulernen.

Tatsächlich war der Karneval noch bis vor einigen Jahrzehnten ganz deutlich von Männern dominiert. Vor dem Jahr 1979 durften Frauen nämlich zum Beispiel auch nicht offiziell beim Rosenmontagszug mitlaufen. Und wenn doch – natürlich inoffiziell – mal eine Frau dabei war, dann musste sie sich als Mann verkleiden. Das sieht heute natürlich anders auch. Doch andere Bereiche des Karnevals werden immer noch von Männern dominiert. Ein traditionelles Markenzeichen des Karnevals ist das Dreigestirn, in Köln beispielsweise bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Hierbei wird selbst die Jungfrau jedes Jahr von einem Mann dargestellt, denn als diese Tradition ins Leben gerufen wurde, hatten Frauen im Karneval nun mal noch nichts zu suchen.

Einzige Ausnahme war die Zeit des Zweiten Weltkriegs: In den Jahren 1938 und 1939 wurde die närrische „Jungfrau“ von einer weiblichen Person dargestellt. Das hatte allerdings keineswegs revolutionäre Gründe. In der Zeit des Nationalsozialismus war Homosexualität strafbar, und Männer in Frauenkleidern passten da eben nicht ins Bild. Nach Ende des Krieges wurde die alte Tradition wieder eingeführt, und sie besteht noch heute.

Ansonsten hat es im deutschen Karneval in der Nachkriegszeit aber viele Veränderungen zugunsten der Frauen gegeben. Zu jener Zeit wurde die Frau allgemein in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens als gleichberechtigt angesehen. Ende der 1950er Jahre gab es dann die ersten karnevalistischen Frauennachmittage. Daraus entwickelten sich langsam die heute sehr beliebten Mädchensitzungen, Elfenräte und so weiter.

Und nicht nur in den Hochburgen wie Köln, Mainz oder Düsseldorf sind heutzutage immer mehr Frauen bei der fröhlichen Narretei dabei. Auch in Rinteln zum Beispiel ist der Frauenkarneval ja bekanntlich sehr beliebt. Zum 14. Mal hat der sogenannte Elfenrat des Rintelner Frauenkarnevalsvereins dieses Jahr eine Prunksitzung auf die Beine gestellt, die regelmäßig schon frühzeitig ausverkauft ist.

Letztes Wochenende fanden der Senioren- und der Kinderkarneval statt. Organisiert wurden beide Veranstaltungen vom Rintelner Carnevalsverein, ebenso die große Prunksitzung, die heute Abend im Brückentor stattfindet. Das Dreigestirn des Vereins besteht auch hier ausschließlich aus Männern: Kanzler Volker vom Allersiek, Fürst Ulli von der Ahornklippe und Hofnarr Till vom Blumenwall. Und wer sich gerne einen Karnevalszug anschauen möchte, ist morgen in Hessisch Oldendorf genau richtig: Ab 14 Uhr ziehen die Jecken dort durch die Innenstadt. els



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