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Rintelner Bürgermeister Wippermann 1848 Mitglied der Nationalversammlung

Kämpfer für Demokratie und Recht

Der einstige Rintelner Bürgermeister Carl Wilhelm Wippermann (1800 bis 1857) ist in der Weserstadt in Vergessenheit geraten. Dabei kann man den Demokraten und Kämpfer für die hessische Verfassung sowie Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung von 1848 getrost zu den herausragenden Söhnen dieser Stadt zählen. Nun soll die Erinnerung an ihn aufgefrischt werden.

veröffentlicht am 27.08.2011 um 00:00 Uhr

Nur noch dieser Grabstein auf dem Seetorfriedhof erinnert an Carl Wilhelm Wippermann (kleines Bild).  Fotos: Museum Eulenburg

Autor:

Dietrich Lange

Auf dem Seetorfriedhof gibt es noch einen Grabstein, der auf der Vorderseite und den Namen Wippermanns den von dessen Ehefrau trägt. Er steht falsch herum an einem unscheinbaren Platz. Nun soll er einen würdigeren Platz und dazu eine Ehrentafel bekommen, hat der Verwaltungsausschuss jetzt beschlossen. Auf Anregung von Museumsleiter Dr. Stefan Meyer wäre ein Platz an der alten Grabstelle oder wenigstens in deren Nähe am sinnvollsten.

Meyer hat bereits 1997 einen Beitrag über Wippermann veröffentlicht. Darin heißt es: „In besonderem Maß hat Rinteln Anlass, sich an die Zeit der hessischen Verfassungskämpfe zwischen 1830 und 1862 zu erinnern, denn von Kassel abgesehen war keine hessische Stadt Wirkungsstätte so vieler bedeutender Politiker und Publizisten jener Tage. Friedrich Oetker, Albrecht von Bardeleben, Albrecht Osterwald und Carl Wilhelm Wippermann sind bis heute feste Größen in der Landesgeschichte. Besonders Wippermann hat sich wie kaum ein anderer für eine demokratische und rechtsstaatliche Zukunft eingesetzt.“

Geboren wurde Wippermann am 1. Dezember 1800 als Sohn eines Juraprofessors an der Rintelner Universität Ernestina. Ab 1817 besuchte er das neu gegründete Gymnasium in Rinteln und kam über die junge, damals hoch politische Turnbewegung mit den sein späteres Leben prägenden liberalen Gedanken in Kontakt. Auf dem großen Turnfest in Todenmann 1818, dem ersten und zugleich letzten vor dem Verbot durch die kurfürstliche Regierung, hielt er seine erste, bereits viel beachtete öffentliche Rede. Nach dem Jura-Studium in Marburg folgte die Tätigkeit als Referendar, später als Anwalt beim Rintelner Obergericht. 1830 wurde er Stadtsekretär der Weserstadt und löste schon im folgenden Jahr Moritz Briede als Bürgermeister ab.

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Mit der Verabschiedung einer hessischen Verfassung als Folge der Turbulenzen in den Monaten nach den Kasseler Unruhen vom September 1830 begann die politische Karriere Wippermanns. 1832 als Deputierter der Landgemeinden des Weserbezirks in die Ständeversammlung gewählt, trat er hier von Anfang an als entschiedener Befürworter und Verteidiger der neuen Verfassungsgesetze ein und wurde bald zum Wortführer des liberalen Flügels und Hauptgegenspieler des berüchtigt reaktionären Innenministers Ludwig Friedrich Hassenpflug. Er übersiedelte nach Kassel, wo man ihn 1835 zum zweiten Bürgermeister der Residenzstadt wählte.Im März 1848 nahm Wippermann als Gesandter der neuen kurhessischen Regierung in Frankfurt an den Beratungen des Vorparlaments teil. Bei den ersten freien Wahlen zur neuen Nationalversammlung zog er in das Paulskirchenparlament ein. 1848 wurde er in das hessische Finanzministerium berufen. Mit dem Scheitern der Revolution kam 1850 auch der Rückzug Wippermanns. Nach einem Zwischenspiel als Abgeordneter im Erfurter Unionsparlament wurde er zur Regierungskommission nach Rinteln versetzt, widmete sich dort bald auch historischen Studien. 1857 stark Wippermann in seiner Geburtsstadt. Zu seinem 100. Todestag legten Bürgermeister, Stadtdirektor, Heimatbund und lutherische Kirchengemeinde noch Kränze an seinem Grab auf dem Seetorfriedhof nieder. Heute erinnert nur noch der Grabstein an einer Sammelstelle an diesen bedeutenden Sohn Rintelns – bald aber eine Gedenkplatte.

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