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Lindenbäume gaben dem Krankenhaus Lindenbrunn seinen Namen

Jugendstil prägte Anfänge des Sanatoriums

Das sogenannte Herrenhaus erhielt seinen schlossähnlichen Charakter, als ihm 1889 ein Weserrenaissance-Giebel von einem in Hameln abgerissenen Patrizierhaus aufgesetzt wurde. So fand es der Arzt Dr. Karl Netter 1906 vor, als er sich entschloss, dieses Haus mit dem umgebenden Park zu einem Sanatorium auszubauen. Die Aufbruchbewegung damals unter dem Motto „Zurück zur Natur“ fand ihren Niederschlag in der aufkommenden Naturheilkunde, zu deren Vertretern wie Kneipp, Lahmann und Prießnitz auch Karl Netter gehörte. Man wollte den Menschen damit einen Weg aus den zivilisatorischen Schäden weisen. Auch die Bewegung „Eden“ und der Jugendstil prägten die Anfänge des Sanatoriums, sowohl was die Ernährungsgrundsätze als auch die Ausstattung der Räume anging. Um diesen neuen Ideen Ausdruck zu verleihen, wurde ein neuer Name für den Ort gesucht. Die Lindenbäume des Parks gaben dann den Ausschlag für den Namen „Sanatorium Lindenbrunn.“

veröffentlicht am 24.03.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Gernot Hüsam

In zwei Bauabschnitten wurde an das Herrenhaus angebaut. Im Park entstand ein Luft- und Sonnenbad mit großen Wasserbecken, das durch eine Bretterwand zwischen Damen- und Herrenbad getrennt war. Dort wurden Frühsport und Tautreten auf den Wiesen geübt und für das Schlafen in frischer Luft sogenannte schwedische Lufthütten errichtet. Für die Trinkkur entstand der Schwefeltempel im Park mit großer Liegewiese unter den Bäumen. Im Haus befand sich eine großräumige Wasser- und Badeanlage. Es wurden Güsse, Schwitzkuren, Packungen, Wickel, Aufschläge und Wasserkuren „in jeder Form“ verabreicht.

Durch seine große Bekanntheit im norddeutschen Raum als Arzt und durch neue Werbeprospekte war schnell ein großer Zulauf von Gästen erreicht, die vor allem aus den Städten von nah und fern kamen, so dass in Coppenbrügge bald viele Zimmer gemietet werden mussten. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der Inflationszeit führten zu großen Belastungen für das Arztehepaar Netter. Eine Krankheit führte 1938 zum Tode des beliebten Arztes. Glücklicherweise konnte die Nachfolge dadurch gesichert werden, dass das Ehepaar Wilhelm und Else Kleineberg zusammen mit der Tochter des Hauses, Dr. phil. Irmgard Netter, mit der Verwaltung beauftragt wurde und für die ärztliche Leitung bedeutende Ärzte verpflichtet werden konnten.

Das kulturelle Leben im Sanatorium kam nie zu kurz. Da die Gästeliste sich liest wie eine Auslese bekannter Politiker, Wissenschaftler, Künstler und Pädagogen, war für musikalische Konzerte, Lesungen und wissenschaftliche Vorträge immer gesorgt. Bekannte Namen waren Minister Severing aus der Weimarer Zeit, Wilhelm Hinrich Kopf, niedersächsischer Ministerpräsident, Künstler der Hannoverschen Bühnen wie die Sängerin Luise Schmidt- Gronau, Theodor Becker oder der Kammersänger Franz Kronen. Der Reformpädagoge Heinrich Scharrelmann und Heinrich Spanuth aus Hameln, der über seine Forschungen zur Rattenfängersage berichtete, waren zu Gast. Es gibt viele Gedichte über das Sanatorium Lindenbrunn, die von namhaften Gästen verfasst wurden. Im Zweiten Weltkrieg hat die Wehrmacht das Haus übernommen und als Lazarett eingerichtet. In der Zeit ist die alte Heilquelle versiegt. In der Nachkriegszeit blühte das Sanatorium wieder auf, doch mit zunehmendem Alter der Besitzer wurde eine neue Bestimmung gesucht.

Der Verein zur Betreuung von Schwerbehinderten, früher Schwerbeschädigten, hatte durch Anregung des niedersächsischen Sozialministers Kurt Partzsch 1968 die Möglichkeit erhalten, das Sanatorium Lindenbrunn zu erwerben. Unter der Leitung seines Vorsitzenden Karl Heinz Nax wurde dieser Kauf nach schwierigen Verhandlungen möglich und nach kurzer Umbauphase im Mai 1969 das Spezialkrankenhaus Lindenbrunn mit 72 Betten eröffnet. Ein Neubau für 240 Betten wurde 1972 fertiggestellt. Es wurden Patienten mit chronischen Leiden und Schwerstverletzte aufgenommen. Lindenbrunn entwickelte sich zum größten Arbeitgeber für Coppenbrügge und die Umgebung. Der für die Bediensteten vorbildlich eingerichtete Kindergarten konnte leider nicht aufrechterhalten werden. Mit dem Erweiterungsbau 1996 und der Spezialisierung auf die medizinischen Schwerpunkte Neurologie und Geriatrie wurde das Haus noch einmal umbenannt in Krankenhaus Lindenbrunn. Es hat damit die Patientenversorgung für den Landkreis Hameln-Pyrmont in diesen medizinischen Bereichen übernommen.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Das sogenannte Herrenhaus des Sanatoriums Lindenbrunn in den 1930er Jahren (linkes Foto). Eine Erdrampe führt heute zum Eingang ins Krankenhaus Lindenbrunn (unten).



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