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14. Februar 1989: Chomeini ruft zur Tötung des Schriftstellers Rushdie auf

Joseph Anton

Durch eine Fatwa abgesichert, ruft der iranische Revolutionsführer Ruhollah Chomeini am 14. Februar 1989 zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf. Sein Buch „Die satanischen Verse“ richte sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran. Die Nachricht geht um die Welt, denn Rushdie gehört zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Literatur. Seine Erzählungen reichert er mit fantastischen Elementen aus der Märchenwelt an, dieses Vermischen von Mythos und Fantasie mit dem realen Leben hat den gebürtigen Inder zu Weltruhm verholfen.

veröffentlicht am 10.02.2014 um 00:00 Uhr

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Als der alte Mann im Iran seine Fatwa über Rushdie verhängt, setzt er in England Ereignisse in Bewegung, die das Todesurteil an Dramatik noch übertreffen: Die Einwanderer vom indischen Subkontinent, für die sich Rushdie mit seinem literarischen und gesellschaftlichen Engagement eingesetzt hat, verbrennen jetzt in den Straßen von London und Birmingham seine Bücher und fordern wutentbrannt seinen Kopf. Die Ironie der Geschichte ist, dass genau die Frau ihre mächtigen Hände schützend über den Schriftsteller hält, die Rushdie in seinen Artikeln und Essays über Jahre auf das Schärfste kritisiert hat. Aber Rushdie ist seit 1964 im Besitz eines britischen Passes, und Margaret Thatcher, die britische Premierministerin, erklärt unmissverständlich, dass der britische Staat gewaltsame Übergriffe auf seine Bürger nicht dulden wird. Heute kaum mehr vorstellbar: Thatcher, von den Linken und Intellektuellen gehasst wie sonst niemand auf der Insel, verteidigt die Prinzipien der Kunstfreiheit und der freien Rede.

„Die satanischen Verse“ spiegelt in den Albträumen eines Protagonisten die Lebensdarstellung des Propheten Mohammed wider; dieses Buch, so die Begründung für die Fatwa, sei „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“. Chomeini ruft die Muslime in aller Welt zur Vollstreckung auf, eine iranische Stiftung setzt ein Kopfgeld von zunächst einer Million US-Dollar aus. Gut möglich, dass Chomeini nicht nur aus religiösen oder machtpolitischen Überlegungen handelt, sondern auch aus persönlicher Rache: Schließlich ist das wenig schmeichelhafte Porträt des im Westen exilierten Imams im Roman unmissverständlich dem iranischen Revolutionsführer gewidmet.

Rushdies vierter Roman demonstriert auf dramatische Art und Weise die Macht der Literatur: Bei gewaltsamen Protesten sterben Hunderte, auf mehrere Buchhandlungen, die den Roman im Sortiment führen, werden Bombenanschläge verübt. Der japanische und der türkische Übersetzer des Buchs werden im Zuge der Fatwa ermordet. In Deutschland wagt kein Verlag, den Roman zu publizieren. Aus diesem Grund ereignete sich etwas in der deutschen Verlagsgeschichte Einmaliges: Ein Zusammenschluss verschiedener Herausgeber gründete den Verlag Artikel 19 – mit dem einzigen Zweck der Publikation der „Satanischen Verse“. Der Name bezieht sich auf den Artikel, der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte das Grundrecht auf Meinungsfreiheit garantiert. Am 17. Oktober 1989 erscheinen „Die satanischen Verse“ in deutscher Sprache.

Rushdie selbst versteckt sich jahrelang in immer anderen Städten und trägt den Decknamen Joseph Anton. So wird später auch seine Autobiografie heißen. Im September 2012 wird das Kopfgeld noch einmal erhöht und beträgt nunmehr 3,3 Millionen Dollar. Trotzdem kommt Rushdie seit einigen Jahren wieder ohne Leibwächter aus, und er wird auch nicht mehr rund um die Uhr bewacht.rnk



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