weather-image
28°
Vor 40 Jahren gelingt Frankreichs „Staatsfeind Nr.1“ erneut die Flucht

Jacques Mesrine: Kriminell und beliebt

Einbrechen – einsitzen – ausbrechen: Das Leben des Schwerverbrechers Jacques René Mesrine folgt einem ganz eigenen Rhythmus. Morgen vor genau 40 Jahren gelang ihm wieder einmal die Flucht. Mit vier weiteren Inhaftierten entkommt er aus der Haftanstalt Saint-Vincent-de-Paul in Frankreich.

veröffentlicht am 20.08.2012 um 00:00 Uhr

270_008_4140853_Logo_Vergi.jpg

Mesrine genießt zu dieser Zeit in Frankreich beinahe den Status eines „Superstars“, obwohl er ein gesuchter Krimineller ist. Die Liste der Anklagepunkte gegen ihn ist lang. Zu Beginn seiner Gangsterkarriere nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu Geldbußen verurteilt, kommen im Lauf der Zeit bewaffnete Raubüberfälle, Geiselnahmen, Erpressung und Mord hinzu. Mehrfach nehmen die Behörden den Gesuchten fest, doch es gelingt ihm immer wieder, zu entkommen.

Nachdem er in den frühen 60er Jahren bereits wegen kleinerer Vergehen einige Monate hinter Gittern verbracht hat, setzt er sich nach Kanada ab. Während einer illegalen Einreise in die USA wird er aber geschnappt und 1969 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Drei Jahre später jedoch, morgen vor 40 Jahren, gelingt ihm gemeinsam mit einem anderen Häftling die Flucht. Noch im selben Jahr wird er wieder gefasst, doch nachdem ein Komplize vor einer Anhörung wegen Scheckbetrugs eine Handfeuerwaffe in der Toilette deponiert hat, nimmt Mesrine den Richter als Geisel und kann entkommen.

Aufgrund der Tragweite seiner Vergehen ernennt der damalige Innenminister Frankreichs, Christian Bonnet, Mesrine 1979 zum Staatsfeind Nr.1. Bonnet weist die Polizei an, alles Menschenmögliche zu unternehmen, um den Mehrfachmörder festzunehmen. Von diesem fehlt jedoch wie so oft jede Spur.

270_008_5760699_rue_Jacques_Mesrine_2008.jpg
  • Mesrine bei einer Festnahme am 9. März 1973. Frauen haben ihn den „Schönen“ genannt. Foto: pr.

Mesrine ist für seine Verkleidungskünste bekannt, mithilfe derer er immer wieder untertauchen kann. Während der Fahndung nach ihm hat er sich jedoch nicht zurückgehalten, er gibt für die Pariser Zeitschriften „Paris Match“ und „Libération“ Interviews und lässt sich auf Fotos bis an die Zähne bewaffnet ablichten. Mit derartigen Aktionen macht er sich beliebt in der Öffentlichkeit, die Gefallen findet an einem Mann, der die Polizei immer wieder bloßstellt.

Erst als er von einem ehemaligen Komplizen verraten wird, gelingt der Polizei am 2. November 1979 der Zugriff. Mesrine ist mit seiner Verlobten im Auto unterwegs, als ihn plötzlich ein Kleinlastwagen überholt und ausbremst. Von der Ladefläche eröffnet ein Sondereinsatzkommando das Feuer. Jacques René Mesrine wird 19 Mal getroffen und stirbt an Ort und Stelle, während seine Begleiterin schwer verletzt wird. Die Polizei, so wird später berichtet, feiert den Tod des Gangsters mit Champagner.

Seine Geschichte umrundet den Globus. Mit seinem Kampf gegen die Justiz ist er in den siebziger Jahren zur Legende geworden. Auch die Schaumburger Zeitung berichtet einen Tag nach seinem Tod auf der Titelseite und nennt ihn „eine der schillerndsten Figuren der internationalen Unterwelt“.

In seiner Autobiografie „L’Instinct de Mort“ (zu deutsch: „Der Todestrieb“), die er 1977 während seiner Inhaftierung schrieb, ernannte Mesrine sich selber zum „modernen Robin Hood“ und rechtfertigte so seine Raubüberfälle. Seinetwegen wurde das sogenannte „Loi Mesrine“ vom Parlament erlassen – ein Gesetz, welches verhindert, dass Verbrecher Geld an ihren Veröffentlichungen verdienen. le

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare