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Ich denke gern an „Muckelchen“ zurück

Irgendwie abgefahren

Wissen Sie noch, wie Ihr erster hieß? Also ich meine jetzt Ihr erster Wagen, das erste Auto? Bei uns war das ja noch nicht so, dass es zum Führerschein automatisch gleich den passenden fahrbaren Untersatz dazu gab. Wir teilten uns in der Familie mit vier Personen einen Kleinwagen. Hauen und Stechen. Aber es stimmt schon: Auch damals gab es einige, die mit ihrem eigenen Auto (oder dem dicken Daimler von Papa) zur Schule kamen, ein echter Vorteil gegenüber den auch damals schon überfüllten Schulbussen.

veröffentlicht am 19.12.2020 um 07:00 Uhr

Kerstin Hasewinkel

Autor

Ressortleiterin zur Autorenseite

Als ich selbst noch zu jung war für einen Führerschein, da fuhr uns manchmal die Mutter meiner besten Freundin mit ihrem Auto (meist, weil wir getrödelt und den Bus verpasst hatten) ins nächste Dorf zum Gymnasium. Das war ein roter Fiat 500 (also der echte alte von damals, nicht dieser moderne) – und der hieß „Muckelchen“. Manchmal fällt mir das ganz plötzlich wieder ein, wie wir da mit unseren bunten Schulranzen auf dem Rücken eng aneinander gequetscht auf der Rückbank sitzen.

Nun ist das gefühlte Ewigkeiten her, und angeblich ist den Deutschen ihr Auto längst nicht mehr so wichtig. In Großstädten sogar eher lästig. Es soll sogar junge Männer geben, die sich weder für den Führerschein noch für ein Auto interessieren. Deshalb staune ich umso mehr über meine 22 Jahre alte Nichte, die mit ihrem Toyota Avensis zu ihrem Studienort in den Niederlanden fährt, obwohl der vom Typus her sicherlich nicht gerade weibliche Züge aufweist und ihr vor allem aus praktischen Erwägungen von den Eltern überlassen wurde – und sie tauft ihn „Merry“. Zuviel Herr der Ringe gelesen.

Und sie ist nicht die einzige, die ihrem fahrbaren Untersatz einen Namen gegeben hat: „Dicker“, „Baby“ und „Schorsch“ – das sind laut einer Studie, in Auftrag gegeben von einer Tankstellenkette, die beliebtesten Autonamen der Deutschen. Jedes dritte Fahrzeug in Deutschland heißt nicht nur Golf, BMW oder Nissan, sondern hat noch einen Spitznamen.

Und ein Klischee scheint sich hier wieder einmal zu erfüllen: Bei Männern scheint die Beziehung zum Auto ausgeprägter zu sein als bei Frauen. Laut der genannten Umfrage haben 60 Prozent der Männer Kosenamen für ihren Pkw; nur bei jeder vierten Frau ist das der Fall.

Immerhin: Wenn schon kein Kosename, so doch detaillierte Erinnerungen an den ersten Wagen haben offenbar viele. „Es war ein VW Käfer, Baujahr 1959, 1200 ccm / 30 PS, Farbe ,popelgrün‘“, erinnert sich ein von mir in meiner kleinen – nicht repräsentativen – Umfrage im direkten Umfeld befragter Kollege. Bei dem Namen ist er sich nicht mehr so sicher. Ich kann mir nicht mal die PS-Leistung meines aktuellen Autos merken…

Und eine Kollegin bekennt, zu ihrem ansonsten namenlosen Wagen immerhin gelegentlich ein zärtliches Gefühl zu entwickeln. Und zwar immer dann, wenn die 16 Jahre alte Karre mit ihren annähernd 280 000 Kilometern Laufleistung nach einigen Zicken wieder schnurrt. Dann sind das Tätscheln der Cockpit-Verkleidung und ein ausdrückliches Lob fürs „tapfere kleine Autochen“ durchaus üblich.

Eine emotionale Bindung zum Auto, wer hätte gedacht, dass es das noch gibt. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten sind dagegen Aufkleber. Früher prangte „Ich bremse auch für Tiere“ direkt neben „Atomkraft – Nein danke“. Auch Urlaubssouvenirs wie „I love Sylt“. Eine Zeit lang war es in Mode, dem Hintermann mitzuteilen, dass ein Baby an Bord ist oder Kevin mitfährt – der dürfte mittlerweile wohl selbst hinterm Steuer sitzen.

Auf Wohnwagen älteren Baujahrs kann man sie noch entdecken, die „Grüße von Spiekeroog“ oder „I love Croatia“. Die heutigen schicken Wohnmobile sind eher auf Hochglanz poliert und gehören zu Leuten, die ihren Traum leben, statt ihr Leben zu träumen oder das Erbe ihrer Kinder verjubeln.

Während „Muckelchen“ vollkommen Kleber-frei war, fand sich auf unseren Küchenfliesen zuhause die ein oder andere Prilblume. Die erfahren ja auch gerade wieder ein Comeback. Und geblieben sind uns die Sprüche ebenfalls – auf T-Shirts, oder sogar auf Tassen finden sich Statements wie „Schön, dass es dich gibt“ oder „Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer“.

Das zumindest findet meine volle Zustimmung.

Ok, ich muss jetzt los, ich steig dann mal in meinen „Gustav“.



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