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Ansammlung der Insekten im Klütwald: Eine Spurensuche

Invasion der schwarzen Käfer?

Hameln. Er ist klein, schwarz, hat sechs Beine, zwei Fühler – und steht auf Mist. Dieser Käfer wird wohl dem einen oder anderen Spaziergänger im Klütwalde in den vergangenen Monaten aufgefallen sein. Im Wald zunächst einmal nichts Außergewöhnliches. Denn dort leben jede Menge kleine Insekten. Es ist jedoch nicht nur einer dieser Käfer zu sehen gewesen. Nein, die kleinen Tiere versammelten sich in großen Gruppen, immer wieder, an verschiedenen Stellen im Wald. Nach einem Beweisfoto kamen die ersten Fragen auf. Was ist das überhaupt für ein Käfer? Und wieso gleich so viele Krabbeltiere?

veröffentlicht am 05.12.2014 um 06:00 Uhr

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Stefan Habenicht, Experte für Insekten beim NABU Hameln-Pyrmont, identifizierte die Käfer als Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus). „Diese Käfer sind absolut häufig in Deutschland“, erklärte er. So viele auf einem Haufen habe er aber auch noch nicht gesehen. Waldmistkäfer ernähren sich hauptsächlich von Pferdekot, aber auch von Wildkot, Hundekot, Tierleichen und verrottenden Pilzen. Die Aufnahme von Futter kann bei der Ansammlung allerdings keine Rolle gespielt haben, denn die Tiere befanden sich auf trockenem Stein und Waldboden, von Tierexkrementen war keine Spur. Auch eine Sammlung aus Paarungsgründen könne Habenicht ausschließen.

Dr. Peter Sprick vom Nabu-Bundesfachausschuss findet die Ansammlung von Käfern ganz gewöhnlich: „Normalerweise fallen die gar nicht auf“, erklärt er. Im Wald verstecken sich die Käfer meist unter dem Waldlaub und sind so unauffällig, dass man sie gar nicht zu Gesicht bekommt. „Möglich wäre vielleicht, dass sie irgendwo eine Kante herabgefallen sind und nicht so leicht zurückkommen konnten“, versucht Sprick, eine Begründung für die Ansammlung zu finden. Er verwirft diese aber wieder, da mehrere „Käferhäufungen“ gesichtet wurden. Einen genauen Grund konnten die Experten allerdings nicht feststellen.

Sabine Klingelhöfer von der Firma Neudorff aus Emmerthal berichtet, dass durch den vergleichsweise milden Winter in diesem Jahr eine übermäßige Anzahl von Insekten beobachtet wurde. Ihr selbst sind die Käfer auch aufgefallen, eine Begründung hat sie jedoch auch nicht. Die Käferhäufungen bleiben also ungeklärt. Es stellt sich die Frage, da dieses Jahr schon so viele Käfer gesichtet wurden, ob nächstes Jahr wohl noch mehr Waldmistkäfer im Klütwald unterwegs sein werden. Kann es zur „Plage“ kommen?

Die Waldmistkäfer graben im Sommer einen etwa 70 bis 80 Zentimeter tiefen Stollen mit mehreren Abzweigungen, die zu kleinen Kammern führen. Jede dieser Kammern wird mit gesammeltem Tierkot gefüllt. Das Weibchen legt nach der Paarung in jede Kammer jeweils ein Ei. Die aus dem Ei schlüpfenden Larven ernähren sich den Winter über von dem gelagerten Kot, bis sie sich im Frühjahr verpuppen und die Käfer im Sommer schließlich schlüpfen. Den Winter überstehen allerdings nicht alle Larven. Selbst, wenn für die Käfer günstige klimatische Bedingungen herrschen, zum Beispiel ein milder Winter, würde es im Sommer trotzdem nicht auffallen, wenn sich die Population der Käfer verdoppelt, meint Dr. Sprick.

Es ist also nicht davon auszugehen, dass die kleinen Waldbewohner zu einer Plage werden könnten. Auch wenn für die Häufung in diesem Sommer und Herbst keine Ursache gefunden werden konnte, ist immerhin zu sagen, dass eine Häufung der Tiere keine Gefahr für die Natur darstellt.



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