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Vor 75 Jahren wurden die Bauarbeiten an der Golden Gate Bridge beendet

Ihr Erbauer wurde ausgelacht

Sie ist 2,7 Kilometer lang, sie leuchtet orange über der Meerenge, sie wirkt majestätisch, filigran, fast scheint sie trotz der knapp eine Million Tonnen an verbautem Stahl und Beton schwerelos zu sein. Schon ihre Eröffnung war ein riesiges Spektakel: Die Kinder in der Region um San Francisco erhielten schulfrei, Ämter und Büros blieben geschlossen, mehr als 200 000 Menschen rannten, tanzten oder radelten über die Golden Gate Bridge.

veröffentlicht am 23.04.2012 um 00:00 Uhr

Eine gigantische Brücke, inmitten eines Erdbebengebiets? Aussichtslos, urteilten Experten. Geht doch, sagte Joseph Strauss und baute sie. Nach über vier Jahren Bauzeit wurde sie am 19. April 1937 vollendet. Vier Monate später sprang der erste Mensch von ihr hinab in den Tod.

Als ihr Erbauer 1921 das Mammutprojekt vorstellte, wurde er ausgelacht. Ein Ding der Unmöglichkeit, waren sich die Experten einig. Noch nie musste eine Brücke eine solche Distanz überwinden – die „Golden Gate“ genannte Meerenge zwischen dem Pazifik und der Bucht von San Francisco ist an jener Stelle 1600 Meter breit und bis zu 90 Meter tief.

Aber Strauss war von Brücken besessen und hatte als Abschlussarbeit an der Universität den Entwurf für eine Eisenbahnbrücke über die Behringstraße zwischen Russland und den USA vorgelegt – und die war 85 Kilometer lang. Vergleich damit war in seinen Augen die Golden Gate Bridge geradezu ein Kinderspiel. Natürlich gab es Probleme: Der Südpfeiler musste in einer Wassertiefe von 33 Metern verankert werden, allein das Gerüst für den Bau wurde zwei Mal zerstört. Hinzu kam die starke Strömung in der Meerenge: Unterwasserarbeiten waren nur vier Mal am Tag für die Dauer von rund 20 Minuten möglich. Doch am Ende siegte der Mensch über die Natur.

Obwohl Brückenbauer damals mit einem Toten pro Million investierter Dollars kalkulierten, kam bis kurz vor Bauende nur ein Mensch ums Leben – dank der Sicherheitsmaßnahmen von Joseph Strauss: Der Ingenieur führte damals die Helmpflicht auf der Baustelle ein – ein absolutes Novum – und ließ ein gigantisches Netz unter der gesamten Brücke spannen. 19 Männer stürzten während der vierjährigen Bauzeit hinein. Gemeinsam gründeten die Gefallenen den „Half-Way-to-Hell-Club“. Ein Festumzug und ein großes Feuerwerk krönten die Eröffnungszeremonie, nur Chefkonstrukteur Joseph Strauss war nicht zum Feiern zumute, er war am Ende seiner Kräfte. Ein Jahr später erlag er einem Schlaganfall.

Die Brücke brach viele Rekorde: die höchsten Pfeiler (227 Meter), die längsten (2332 Meter) und dicksten (92 Zentimeter) Kabelstränge und die größten Unterwasserfundamente. Insgesamt wiegt das Bauwerk 887 000 Tonnen. Je 600 000 Nieten halten die beiden Türme zusammen.

Weil der Bau einer Barriere einerseits an der schwierigen finanziellen Lage der Betreibergesellschaft und andererseits an ästhetischen Bedenken scheiterte, sind für mögliche Selbstmörder wenigstens mehrere Telefone angebracht: Damit könnten sie Kontakt zu professioneller Hilfe aufzunehmen. Theoretisch.

Praktisch sind Telefonate wegen des Verkehrsaufkommens und des damit verbundenen Lärms sowie den oft heftigen Windgeräuschen nicht führbar.

Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, den Sprung zu überleben, ist denkbar gering: Nach vier Sekunden freien Falls folgt ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. rnk



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