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Personal für Hotels und Pensionen in Bad Pyrmont kam einst vom Dorf – zum Beispiel aus Holzhausen

Hinter den Kulissen des Kurbetriebes

Bad Pyrmont ist als Treffpunkt einer mondänen Gesellschaft zumindest im 18. und 19. Jahrhundert ein Kurort von internationalem Flair. Aber niemand macht sich so recht ein Bild davon, wer eigentlich den Logishäusern die Lebensmittel geliefert, wer die Schlösser der Pensionstüren ausgewechselt oder wer in der Küche die Speisen für die Kurgäste vorbereitet hat. Die Antwort ist nicht schwer – aus den beiden Dörfern östlich und westlich vom Kurort, aus Oesdorf und Holzhausen rekrutiert sich das Personal für die Hotels und Pensionen, aber auch für den eigentlichen Kurbetrieb, und ganz grob kann man unterscheiden, dass die Handwerker aus Oesdorf, die landwirtschaftlichen Produkte eher von den Bauernhöfen aus Holzhausen stammten.

veröffentlicht am 10.02.2014 um 06:00 Uhr

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Heute ist von einem Übergang vom Kurort zu den beiden Dörfern kaum noch etwas zu spüren, aber es lohnt sich doch einmal, beide „Satelliten“ einmal näher zu betrachten. Heute zunächst einmal der Blick nach Holzhausen: Im Jahr 1909 annoncierte der aus Selters stammende Fotograf Ernst Hermann (1875-1936) erstmals in der Kur- und Fremdenliste des fürstlichen Bades Pyrmont, um sich als Fotograf ins Gespräch zu bringen. Damals war er in diesem Beruf nicht nur in Bad Pyrmont, sonder zu anderen Jahreszeiten auch in San Remo und in Davos tätig. Ernst Hermann macht in Bad Pyrmont eine einzigartige Karriere, zumal er sehr früh schon über Autochrome-Platten Farbfotografien anbieten konnte.

Das Museum im Schloss Bad Pyrmont hat den gesamten Nachlass dieses Künstlers, von den Fotoapparaten über die Autochrome-Platten und Postkarten, erhalten, nachdem es seinem Wirken in Bad Pyrmont eine Ausstellung gewidmet hatte. In diesen Unterlagen finden sich auch einige Autochrome-Platten aus dem Jahr 1911, die Hermanns künstlerisches Interesse auch an den dem Kurort benachbarten Dörfern zeigen. Die zunächst einmal ausgewählte Farbfotografie von Ernst Hermann stellt eine dörfliche Szene vor, die sich als Alltagsmotiv so in Holzhausen dargestellt haben mag. Die Straße führt in einem leichten Schwung in Richtung Steinbrink und Grießemer Berg, die nicht asphaltierte Straße, die letztendlich über den Grießemer Berg zur heutigen B 1 führt, wird von einem kleinen kanalähnlichen Bach begleitet, der für Kinder ein wunderbares Spielangebot bietet. Zwei Bäuerinnen hinter dem Kind scheinen den Bach für irgendeine Arbeit zu nutzen. Der eigentliche Dorfbach in Holzhausen, der aus Quellen bei dem Moorteich gespeist wird, verläuft auf den Grundstücken hinter den hier sichtbaren Häusern. Das mittlere Gebäude, das gepflegte Fachwerkhaus, kann heute noch identifiziert werden. Es ist an der Grießemer Straße die ehemalige „Bärenhöhle“. Das Steinhaus davor am Anfang dieser Straße, direkt an der Gabelung zur Hagener Straße, ist heute ersetzt durch das moderne Gebäude der Stadtsparkasse, durch die Zweigstelle Holzhausen. Im Hintergrund dann das heute verputzte Steingebäude, das früher einmal eine Berufsfachschule war und heute von der Missionsgemeinde als Zentrum der evangelischen Freikirche genutzt wird. So wandeln sich die Zeiten. Im Jahr 1911 war die Fahrstraße nach Grießem kaum bebaut, das Gelände jenseits des Baches noch als abgezäunte Weise genutzt. Heute wird man diese idyllische Straßensituation kaum wiedererkennen. Dennoch – wer mit offenen Augen Holzhausen betrachtet, wird an vielen Stellen noch etwas vom dörflichen Leben entdecken. Es lohnt allemal, den Verlauf der Dorfbache auf der Höhe der Kapellengasse näher zu betrachten, wo sich selbst der Eisvogel noch heimisch fühlt. Es ist auch beeindruckend, dass man am Rande der bebauten Flächen auf dem Weg zum Moorteich Rehe aus ihrem Versteck lockt. Und wenn man sich auf Höhe der Holzhäuser Kirche die großzügige Gartenanlage auf der Rückseite des Kindergartens mit historischer Fachwerkbausubstanz an der Grießemer Straße anschaut, dann ist auch dieser Blick ein wunderbarer auf das alte Holzhausen. Man muss aber auch zugeben, dass dieser in der Geschichte Pyrmonts so wichtige Ort im Begriff ist, die Wurzeln und die Erdung zu verlieren. Vielleicht ist das in der heutigen Zeit unvermeidlich, aber andererseits ist ein Rundgang durch den historischen Kern und den Naturraum auch für Kurgäste nicht uninteressant.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.

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Die Farbfotografie von Ernst Hermann aus dem Jahr 1911 stellt eine dörfliche Szene dar. Denselben Blick gibt es heute so nicht mehr (unten).

Museum/uk



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