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Kleine Rätsel Schaumburgs: Das Geheimnis um den „Wettdanz“ in Hohenrode

Hexen-Treff in der Walpurgisnacht

Hohenrode (lsb). Ein knisterndes Lagerfeuer, dessen Flammen hoch hinauf züngeln, singende und tanzende Menschen lachend drum herum. So oder so ähnlich stellt sich wohl ein jeder den üblichen Ablauf der Walpurgisnacht vor. Das alles wird von Hexen auf ihrem Tanzplatz praktiziert – einem Platz, den andere lieber meiden. Auch Hohenrode hat solch einen vermeintlichen Hexentanzplatz. „Doch nur wenige sind sich im Klaren darüber, dass der Hexentanzplatz im Grunde genommen gar kein Hexentanzplatz ist“, erklärt der passionierte Hohenroder Chronist Uwe Kurt Stade .

veröffentlicht am 16.04.2011 um 00:00 Uhr

Vielmehr handele es sich bei dieser Sage um liebevolles Wunschdenken. „Ein Irrtum, der seit den frühen dreißiger Jahren fälschlicherweise an diesem Platz haftet“, erklärt Stade. Und jedes Jahr zur Walpurgisnacht werde dieser Glaube neu belebt.

Der eigentliche Name des Hexentanzplatzes lautet jedoch „Wettdanz“, was vom altdeutschen Begriff „Wedde“, also Strafe oder Buße stammen könnte. Bekannt sind in diesem Zusammenhang die ebenfalls veralteten Begriffe „Weddebank“, sprich Gerichtsbank oder „Weddeheren“, was Polizeibehörde bedeutet. Der Begriff „Wettdanz“ oder auch „Weddanz“ geschrieben, sei hingegen nicht bekannt, berichtet Stade. Eine weitere Möglichkeit sei, dass eine Verbindung zu dem mittelniederdeutschen Begriff „Danzelhus“ besteht, was in etwa Tanz- und Spielhaus bedeute.

Der Hexentanzplatz liegt in der Nähe der Burg, die im 12. Jahrhundert dem Grafen von Roden-Wunstorf gehörte und von der heute nur noch Mauerreste erhalten sind. „Es ist nicht überliefert, ob der Graf zu der Burg bereits Vogteirechte und damit die Gerichtsbarkeit auf dieser Weserseite hatte“, sagt Stade. Hätte er sie nicht gehabt, wäre eine begriffliche Verbindung zum Gericht und eine Deutung als „Gerichtsplatz“ eher unwahrscheinlich. Hatte er sie doch, dann nur für eine kurze Zeit. „Schon im Jahr 1181 war die Burg zerstört und Roden-Wunstorf aus der Wesergegend vertrieben“ erzählt Stade. War der „Wettdanz“ also doch eher ein Tanzplatz? Heimatdichter Adolf Dalwig, der in Hohenrode als Sohn des dortigen Lehrers geboren wurde, beschreibt in seinen memoirenhaften Geschichten, Romanen und Gedichten das Leben in Hohenrode. „Unter anderem geht er auch auf Tanzvergnügen und Ballspiele auf dem Weddanz ein“, erinnert sich Stade. Das war allerdings viele Jahre später, Dalwig kam „erst“ im Jahr 1865 zur Welt.

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Gerichtsplatz oder Ort für Tanzvergnügen – das Geheimnis um den unscheinbar wirkenden Hexentanzplatz in Hohenrode, der heute wegen seiner Lage abseits der Straße eher zur Erholung genutzt wird, bleibt weiter bestehen. Sicher ist jedoch, dass die Walpurgisnacht am 30. April auch in diesem Jahr auf dem Weddanz stattfinden wird. Und sei es nur, weil es, wie Stade beschreibt, ein „liebevolles Wunschdenken“ der Menschen ist, die an Hexen, die lachend um das Feuer tanzen und dabei die bösen Wintergeister endgültig vertreiben, glauben möchten.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie uns an unter (0 57 51) 4000-526.



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