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Kleine Rätsel Schaumburgs: Skurriles rund um Steinbergens neue Kirche

Heute reicht ein Weihnachtsbaum

Steinbergen (rnk). Die Geschichte, die die alten Chroniken erzählen, berichtet von einem Pastor, der zeitlebens als geizig angesehen wurde. Und seine Schwester, die ihm den Haushalt führte, rühmte sich, in 40 Jahren kein neues Kleid erhalten zu haben. Umso größer muss die Überraschung gewesen sein, als der Pastor 1887 seiner Gemeinde das Grundstück, auf dem die heutige Kirche steht, einfach schenkte, womöglich haben die Zeitgenossen den Geiz mit einer sehr sparsamen Lebensführung verwechselt. Auch die Schwester scheinen sie falsch eingeschätzt zu haben, denn als ihr Bruder starb und sie ihn – nur zum Teil – beerbte, stiftete sie für die damalige Zeit erhebliches Kapital, dessen Zinsen alljährlich an ihrem, Geburtstag auszuzahlen sein: Damit sollten jeweils zwölf Witwen in Steinbergen unterstützt werden. Im Mai 1889 fand dann die Grundsteinlegung für die heutige Kirche statt.

veröffentlicht am 17.09.2011 um 00:00 Uhr

Vieles liegt im Dunkeln der Geschichte, aber schon 896 soll Steinbergen die erste Kirche erhalten haben. Urkunden darüber gibt es nicht, Werner Bentrup, der 1987 seinen Kirchenführer über die Schaumburger Gotteshäuser veröffentlichte, gab sich bei der Datierung großzügig: Der richtige Zeitpunkt sei wohl zwischen 896 und dem Jahre 1160 zu suchen. Aber, so Bentrup, wenn der Zeitpunkt tatsächlich sehr früh liegen würde, dann handele es sich bei der heutigen Kirche um die vierte, sonst erst um die dritte.

Bis 1882 muss sich der Zustand der damaligen Kirche dramatisch verschlechtert haben, das Kircheninnere ist dunkel und schmucklos, an dem Mauerwerk kriecht die Feuchtigkeit hoch. Eine neue Kirche muss her, eine größere auch: Bislang gibt es 250 Plätze, im neuen Gotteshaus sollen es 600 bis 800 sein. 120 Markt pro Sitzplatz werden bei den Kostenberechnungen zugrunde gelegt.

Man habe damals, so erklärt es Steinbergens heutiger Seelsorger Stephan Strottmann, einen Neubau im neugotischen Stil angestrebt, der jederzeit jedem Besucher einen Platz habe bieten können. Und natürlich habe man an dieser wahrhaft exponierten Stellung aufzeigen wollen, wozu Steinbergen in der Lage sei. Das ist gelungen: Der 60 Meter hohe Turm ist weithin sichtbar.

Aber schon die Fenster zeugen davon, dass das Geld knapp war: Es werden einfache Fenster verwendet, für Buntverglasungen scheinen die Mittel nicht mehr gereicht zu haben, vermutet Kirchenkenner Bentrup. Auch an der Heizung hapert es, 1913 führt ihr Fehlen zu Problemen bei der Neubesetzung der Pfarrstelle. Kein Pastor wollte hier den Dienst antreten, weil das Gotteshaus im Winter schlicht nicht genutzt werden kann. Statt des Gottesdienstes gibt es Bibelstunden auf den Dörfern. 1950 wird eine neue Heizung eingebaut, die aber schon 1973 wieder ersetzt wird: Sie ist nicht effektiv genug.

Und als sich Kirchenexperte Bentrup durch alte Chroniken wühlt, um neben der Geschichte der anderen Kirchen Schaumburgs auch die des Steinberger Gotteshauses zu erzählen, so fiel ihm auch manche Skurrilität auf, die sich bis in seine Gegenwart gehalten hatte: etwa, dass es in der Steinberger Kirche zwar keine Männer- und Frauenseite gab, aber eine Engersche und eine Steinberger Seite. Und so mag man sich das Geraune vorstellen, als sich 1986, also vor erst 25 Jahren, die Frau des Geistlichen, der in Engern wohnte, auf die Steinberger Seite setzte. Unerhört.

Zur Tradition gehörte damals auch noch der Streit darüber, welcher Weihnachtsbaum auf welcher Seite der schönere sei. „Neuerdings“, so schließt Bentrup seine Steinberger Bemerkungen und man kann fast sehen, wie er dabei sein Haupt schüttelt, neuerdings also „gibt es nur einen Baum zum Weihnachtsfest, allerdings auf einem Ständer mit Rädern, damit eine Verschiebung von Gottesdienst zu Gottesdienst leicht erfolgen kann“.

Das allerdings, so Strottmann, hat sich doch geändert: Der heutige Weihnachtsbaum hat seinen festen Platz in der Kirche – und damit sind Räder überflüssig.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns an sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.



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