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Die Geschichte der Mühlen in Coppenbrügge

Heute nutzen Turmfalken die Ruine

Von der Bundesstraße 1 durch Coppenbrügge zweigt ein Stück weit vor dem Feuerhakebrunnen ein Spazierweg ab, der nördlich hinter den Häusern entlangführt. Gleich zu Beginn stößt man auf einen Wassergraben, der vor dem ehemaligen Schafstall der Coppenbrügger Domäne vorbeifließt. Das Wasser des in alten Schriften als Kassebeeke bezeichneten Bachs trieb früher das Mühlrad der Obermühle im Ort an. Ein Stück weiter bergab musste der Bach dann die Mittelmühle mit Wasser versorgen. Schließlich an der Einmündung des Gelbbachs aus Dörpe unterstützte das Wasser auch noch die Woltmühle, die aber hauptsächlich das Wasser des Gelbbachs nutzte. Auf dem Spazierweg, der sich zu einem idyllischen Pfad verengt, lässt man den Bach links liegen und folgt einer Wiese, an die die Häuser einer Altensiedlung der Kreissiedlungsgesellschaft stoßen. Am Ende der sich allmählich verbreiternden Wiese sieht man schon von weitem auf leicht erhöhtem Terrain einen breiten, von dickem Efeugeranke bewachsenen Turm, der sich nach oben hin verjüngt. Sein runder Grundriss verrät ihn als ehemalige Windmühle, die man noch erahnen kann, wenn man die Reste von Balken erkennt, die seitlich aus dem Mauerwerk herausragen. Die Ruine wird heute nur noch von Turmfalken als Horst genutzt. Wie die Mühle früher einmal ausgesehen hat, dokumentiert eine Fotografie des Coppenbrügger Fotografen Hermann Reinbrecht kurz vor dem 1. Weltkrieg. Darauf erkennt man den Bautyp der Windmühle. Es handelte sich um eine Galeriekappenmühle, bei der die drehbare Kappe mit den Flügeln von einer Galerie aus gegen den Wind gedreht werden musste.

veröffentlicht am 03.11.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Gernot Hüsam

Wo sich heute die breite Wiese befindet, war früher ein Teich angelegt, dessen Wasser das Mühlrad der Wassermühle antrieb, deren Gebäude hinter der Windmühle zu erkennen sind. Der Teich diente als Puffer, um die unregelmäßige Wasserzufuhr der Kassebeeke auszugleichen. So konnte der Müller die Wasserkraft für seine Mühle konstant nutzen. Doch in trockenen Jahren reichte der Wasserspeicher oft nicht aus und so musste die Mühle ihre Arbeit einstellen. Um diesem Zustand abzuhelfen, plante ein Müller um das Jahr 1830 den Bau einer zusätzlichen Windmühle. Über den Betrieb dieser Mühle gibt es leider wenig erfreuliche Nachrichten. So soll es häufig zu Stillstand gekommen sein, weil Stürme, die durch das Tal zwischen Ith und Osterwald fegten, immer wieder die Flügel und andere Bauteile beschädigten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb eingestellt, die empfindliche Kappe mit den Flügeln abgebaut und der Stumpf durch eine Dachhaube abgedeckt. Davon existiert ebenfalls eine Fotografie.

Die drei zu Coppenbrügge gehörigen Mühlen waren Kornmühlen. Die Pulvermühle oberhalb von Dörpe wurde ebenfalls zu Coppenbrügge gerechnet, ebenso wie der Ortsteil Halbe in Dörpe. Über diese Mühle berichtet die Statistische Beschreibung der Grafschaft Spiegelberg von 1783, dass sie als Mühle bei der Herstellung von Schießpulver im Jahre 1727 abbrannte und nach dem Wiederaufbau als Öl- und Grützmühle arbeitete. Außerdem erfahren wir, dass alle Mühlen wegen des wenigen Wassers nur einen Gang hatten. Bis zum Jahre 1654 waren die Mühlen Zubehör des herrschaftlichen Haushalts im Schloss Coppenbrügge. Danach wurden sie als Erbenzinsmühlen geführt, das heißt, sie mussten lediglich „den hergebrachten Erbenzins“ an die Herrschaft zahlen. In Naturalien zahlten sämtliche Erbenzinsmüller gemahlenes Korn: an Roggenmehl 41 Malter, an Mühlenzinsgerste die drei Coppenbrügger Müller jeder 3 Malter. Von allen anderen Lasten waren sie frei, zum Beispiel vom Herrendienst. Der jährliche Mühlenzins bezog sich auf die Wassernutzung und betrug im Jahr 1783 in der Grafschaft für Mühlenbesitzer nur 12 Reichsthaler und 6 Mariengroschen. Die herrschaftlichen Mühlen mussten dagegen keinen Zins für die Wassernutzung zahlen. Das lag daran, dass die Herrschaft das „Regal“ hatte, also das Recht über die Nutzung von Bächen und Strömen. Das Ende der Obermühle kam nach einem tödlichen Unfall des letzten Müllers Oelker in seiner Mühle. Von der Mittelmühle existieren noch Mühlsteine, von denen einer am Schaukasten vor der Burg aufgestellt wurde. Die Woltmühle arbeitete noch bis in die 1950er Jahre und war zuletzt mit einem Dieselmotor ausgestattet.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.historisch.de

Bild heute: Von der Windmühle ist heute nur noch ein Ruinenstumpf stehen geblieben.


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