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1982: Juri Wladimirowitsch Andropow wird Breschnew-Nachfolger

Herkulesaufgabe nach der Stagnation

Es geht ihm nicht gut, er ist gesundheitlich angeschlagen: Dennoch wird der ehemalige KGB-Vorsitzende Juri Wladimirowitsch Andropow am 12. November 1982 Nachfolger des verstorbenen Leonid Breschnew und damit sechster Generalsekretär der KPdSU. Mit seinen 68 Jahren ist er der jüngste Generalsekretär.

veröffentlicht am 12.11.2012 um 00:00 Uhr

Andropow leidet an Diabetes mellitus, Bluthochdruck und einem fortschreitenden Nierenversagen, das auch der Anschluss an eine künstliche Niere nicht mehr bessern kann. In den letzten sechs Monaten seines Lebens nimmt er keine öffentlichen Termine mehr wahr. Nach nur 15 Monaten Regierungszeit, von denen er die letzten fünf Monate aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme kaum regierungsfähig ist, stirbt er in Moskau.

Andropow will eine umfassende Reformpolitik in Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Außenpolitik, ohne jedoch den Boden des sowjetischen Sozialismus zu verlassen. Die Grundpostulate des Marxismus-Leninismus will er nicht aufgeben, sondern organisch weiterentwickeln und den neuen Gegebenheiten anpassen. Aber er gibt auch den harten Hund: Im ganzen Land beginnt die Jagd auf Bummler und Müßiggänger, die – statt zu arbeiten – ihre Zeit beim Einkaufen, im Kino oder im Dampfbad verbringen. Die Miliz kämmt systematisch diese „Veranstaltungsorte“ durch und nimmt jeden fest, der sich ohne Grund abseits seines Arbeitsplatzes aufhält. Für Andropow ist der Kampf gegen den Schlendrian ein Mittel zur Modernisierung, denn als gut informierter KGB-Chef sieht er die Krise am Horizont heraufziehen: Er will das Sowjetsystem modernisieren; es ist eine wahre Herkulesaufgabe nach den Jahren der Stagnation unter Breschnew. Sein Problem: Er hat keine Zeit für Reformen. Am 9. Februar 1984 stirbt Andropow, ohne dass er Zeit gehabt hat, Korrekturen am System vorzunehmen, Zentralkomitee und Politbüro zu verjüngen, die Wirtschaft zu reformieren oder die festgefahrenen Abrüstungsverhandlungen mit den USA wieder flottzumachen.

Immerhin hat Andropow vorher aber noch Michail Gorbatschow aus der Provinz in die KPdSU-Führung geholt, wo dieser zwei Jahre später die Perestroika einleitet, die allerdings ganz anders verläuft, als Andropow sich das vorgestellt hätte.

Zwischen beiden liegen 13 Monate, in denen Konstantin Ustinowitsch Tschernenko Generalsekretär ist: Der ehemalige Sekretär Leonid Breschnews repräsentiert wie Breschnew den gesellschaftlichen Status quo: vermeiden jeden Risikos, festhalten am bewährten Alten – die guten Jahre der Breschnew-Ära kehren wieder. Dann kommt Gorbatschow, alles wird sich ändern. Und eine Mauer wird dann fallen. rnk



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