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Selber machen – besser begreifen

„Haus der kleinen Forscher“ vermittelt Freude am Forschen

RINTELN/BÜCKEBURG. Das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ vermittelt Freude am Forschen – Kindern sowie den Pädagogen. Welche Ideen und Konzepte dahinterstecken, hat unsere Zeitung in Erfahrung gebracht.

veröffentlicht am 25.08.2017 um 16:15 Uhr

Selber machen, selber anfassen, selber herausfinden – dadurch bleiben Erkenntnisse viel besser im Gedächtnis haften. Bei Kindern sowie bei den Pädagogen. Das ist der Ansatz des Projekts „Haus der kleinen Forscher“, wie er an der BBS Rinteln vermittel
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN/BÜCKEBURG. Für viele Menschen ist das wahrscheinlich kaum vorstellbar: Ein Kind soll eine Kerze mit Streichhölzern anmachen, weiß aber nicht, wie. Entweder gibt es nur noch Feuerzeuge bei ihm zu Hause, oder aus Sicherheitsgründen nur noch elektrische Kerzen.

„Es gibt teilweise enorme Defizite, das will man gar nicht glauben“, sagt Uwe Biniek, Studienrat bei der Berufsbildenden Schule (BBS) Rinteln. Er ist Lehrer und Trainer. Trainer im Projekt „Haus der kleinen Forscher“.

Das Projekt hat es sich, kurz gesagt, zum Schwerpunkt gemacht, Kinder schon im jüngsten Alter an Naturwissenschaften heranzuführen, an die sogenannten MINT-Fächer. War es eigentlich für Drei- bis Sechsjährige konzipiert, wurde die Zielgruppe inzwischen auf Ein- bis Zehnjährige erweitert.

Was nun Biniek und seine Kollegen von der Rintelner BBS damit zu tun haben? Hier werden sozialpädagogische Assistenten ausgebildet – und Inhalte des Projekts „Haus der kleinen Forscher“ sind hier Teil der Ausbildung.

Derzeit lernen rund 120 Schülerinnen und Schüler am Standort der ehemaligen Landfrauenschule in der Jetenburger Straße in Bückeburg. Biniek und seine Kollegen führen durch Räume, in denen die Workshops für „Haus der kleinen Forscher“ durchgeführt werden, und zeigen auch den Raum mit den Utensilien, die dafür gebraucht werden: Bis zur Decke sind die Regale hier gefüllt mit Gläsern, Zucker oder Lebensmittelfarbe – je nachdem, was gerade gebraucht wird.

Das „Haus der kleinen Forscher“ bietet zu insgesamt 15 verschiedenen Themenfeldern Experimente, von Astronomie über Wasser bis zu Nachhaltigkeit.

Das Besondere beim Projekt: Es geht nicht nur darum, dass kleine Kinder hierdurch lernen. Sondern auch diejenigen, die die Experimente später durchführen, die Sozialpädagogen und Erzieher.

„Die Experimente, die die Schüler machen, verankern sich stark im Gedächtnis“, erzählt Sabine Nolte, an der BBS Abteilungsleiterin der Sozialpädagogik und Standort-Koordinatorin in der Jetenburger Straße. Was ganz praktisch durch Ausprobieren und Anfassen gelernt wird, bleibt viel besser im Kopf haften. Das kann auch Lehrkraft Sinja Doberstein bestätigen: In der abschließenden Reflexion der Ausbildungsklassen zählen die Experimente, die im Rahmen von „Haus der kleinen Forscher“ gemacht wurden, zu den Höhepunkten.

So bleiben Lerninhalte nicht nur besser im Gedächtnis, sondern machen auch Lust auf den Beruf, fügt Bildungsleiterin Elke Hölscher hinzu. Die jungen Erwachsenen bekämen so viel mehr Freude, den Kindern selber die Experimente nahezubringen.

Das hat teils Folgen für die historischen Räume der ehemaligen Landfrauenschule – etwa, wenn nach Experimenten mit Speisestärke und Wasser der Raum einem Schlachtfeld gleicht, wie die Lehrer lachend erzählen. „Hier gibt es keine Formeln, die Angst machen“, bringt Biniek die Idee dahinter auf den Punkt.

Die praktische Ausrichtung von „Haus der kleinen Forscher“ passt gut in den Lehrplan der BBS Rinteln, denn der Kontakt zur Natur ist wichtiger Bestandteil der Pädagogen-Ausbildung hier, wie Hölscher erläutert.

Schon lange vorher war Natur- und Sachkundeunterricht Teil der Ausbildung, und das Schuljahr beginnt für einen neuen Jahrgang stets mit drei Waldtagen.

Durch die praktische Wissensvermittlung werden die theoretischen Unterrichtsinhalte außerdem klarer, „es gibt einen Aha-Effekt bei den Schülern“, erzählt Nolte.

Seit rund sieben Jahren gibt es „Das Haus der kleinen Forscher“ an der BBS Rinteln, seitdem im Jahr 2010 der Landkreis Schaumburg sogenannter Netzwerkpartner der Stiftung geworden ist. Diese „Fortbildungsinitiative“, wie sie sich selber nennt, wurde 2006 ins Leben gerufen, als Reaktion auf die unterdurchschnittlichen Ergebnisse der ersten „Pisa“-Studie. Unter anderem wird die Initiative von großen Wirtschaftsunternehmen gefördert – die natürlich davon profitieren, wenn der Nachwuchs an Naturwissenschaften interessiert ist.

Dass das Projekt bereits in die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten eingebunden ist, nennt Biniek „unüblich“ – normalerweise erfolgt dies durch Fortbildungen für bereits fertig ausgebildete Erzieher. Auch dies bietet die BBS Rinteln an.

Schaumburg ist einer von aktuell 255 Netzwerkpartnern. Sechs Einrichtungen sind derzeit im Landkreis zertifiziert. In diesem Jahr wurde auf Kreisebene eigens eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, um die Erzieher und Erzieherinnen besser zu vernetzen.



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