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Durch diese Maßnahmen können Schäden durch Starkregen minimiert werden

Häuser langfristig auf Unwetter vorbereiten

Aus heftigen Unwettern strömt immer wieder Starkregen aufs Land – die Folge sind dann schwere Überschwemmungen. Selbst Gebäude, die nicht an Flüssen oder an Hängen liegen, können dann überflutet werden. Das Problem: Diese Häuser sind oftmals gar nicht auf solche Fluten vorbereitet. Wie können sich Hausbesitzer und künftige Bauherren bei der Ankündigung von Starkregen wappnen und dauerhaft vorbereiten?

veröffentlicht am 05.06.2018 um 12:23 Uhr
aktualisiert am 05.06.2018 um 16:16 Uhr

Erst in der letzten Woche haben nach Starkregen mehrere Keller im Weserbergland unter Wasser gestanden, wie hier in Hameln. Foto: WAL

Autor:

Katja Fischer und Simone A. Mayer

Vorbereitungen für Hausbesitzer: Es gibt Maßnahmen, die sich bei Unwetter- und Starkregenprognosen schnell umsetzen lassen, aber auch einiges, was man im Haus ohne großen Aufwand dauerhaft verändern kann. Beides betrifft vor allem die Absicherung des Kellers. Da Starkregen oft Untergeschosse flutet, sollten Chemikalien und andere gefährliche Stoffe so umgeräumt werden, dass eindringendes Wasser sie nicht erreichen kann, erläutert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Dabei nicht vergessen: Hochwertige Gegenstände und wichtige Dokumente lagern am besten vorsorglich in oberen Stockwerken. Heizöltanks sollten verankert sein oder bei Starkregen spontan mit Ballast beschwert werden. Wer im Keller eine Rückstauklappe hat, sollte deren Funktion regelmäßig und bei jeder Unwetterankündigung überprüfen.

Eine solche Rückstauklappe lässt sich auch dort nachrüsten, wo noch keine Absicherung vorhanden ist. Denn wenn die Kanalisation überfordert ist, drückt das Wasser teils von unten durch die Abflussrohre nach oben ins Gebäude – Rückstauklappen verriegeln bei diesem Wasserdruck von unten das Rohr. Teils lassen sich diese direkt in die Hausinstallationen einbauen, etwa für Waschbecken im Siphon.

„Hausbesitzer haben die Pflicht, ihr Haus gegen rückstauendes Wasser aus dem Kanalnetz abzusichern“, sagt Udo Wirges, Bereichsleiter Technik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Es kann auch sein, dass Versicherungen das vorschreiben. Dafür ist es für Eigentümer nötig, die lokale Rückstauebene zu kennen – das ist die Grenze, bis zu der das Wasser bei Rückstau in einer Entwässerungsanlage ansteigen kann. Gewöhnlich ist das die Straßenoberfläche an der Anschlussstelle, genaue Informationen dazu gibt es bei der kommunalen Verwaltung.


Maßnahmen bei Hausbau und Sanierung: „Vor allem beim Neubau kann man von vornherein auf hochwassergerechtes Bauen achten“, sagt Prof. Norbert Gebbeken von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. „Das ist nicht wesentlich teurer.“ Auch das Nachrüsten ist zwar möglich, aber aufwendiger. Gerade die Absicherung der Öffnungen eines Hauses zählt zu den langfristigen Maßnahmen.

Mögliche Zutrittswege für Wasser sind Fenster und Türöffnungen, aber auch Lichtschächte, Kellerfenster und Kellertüren. Hier helfen oft Schwellen oder Abdeckungen, immerhin eine kleine Hürde sind Mauern vor Lichtschächten. Außerdem gibt es Fenster und Türen, die Wasserdruck besser standhalten als andere.

Wer neu baut, kann die untere Etage seines Hauses besser schützen, wenn die Türen einen halben bis einen Meter über der Geländeoberkante eingeplant werden. „Dann braucht man zwar etwas höhere Eingangstreppen, aber das Wasser läuft nicht so leicht ins Haus“, erklärt Prof. Gebbeken.

Auch das Material spielt bei Bau und Ausstattung eines Hauses eine Rolle: Auf Fliesen lassen sich Schlamm und Wasser besser beseitigen. Teppiche, Holzböden und -vertäfelungen sowie Tapeten müssen dagegen meist komplett erneuert werden.

Auch Rückstaus in Leitungen zu den unteren Geschossen lassen sich baulich vermeiden. Alle Entwässerungsanlagen, die unter der lokale Rückstauebene liegen – das sind zum Beispiel Toiletten, Duschen oder Waschbecken im Keller und Erdgeschoss –, können mit einer sogenannten Abwasserhebeanlage kombiniert werden. Sie leitet Abwasser ab oder pumpt es auf ein höher liegendes Niveau. Allerdings ist solch eine Anlage teuer und benötigt Energie. Die Alternative zu ihnen sind die bereits erwähnten Rückstauklappen.

Auch Öltanks lassen sich auf Starkregen-Ereignisse hin planen. „Am sichersten sind natürlich Tankanlagen, die oberhalb des maximal möglichen Hochwasserstandes aufgestellt sind“, sagt Wirges. Diesen Wert erfährt man bei der Kreisverwaltung. Tiefer liegende Tanks lassen sich zusätzlich verankern, damit sie bei Wassereinbruch nicht aufschwimmen. Wichtig ist dann auch, die Leitungen hoch zu verlegen.

Das BBK verweist auch auf die Notwendigkeit, die Zählerkästen für den Strom und die Hausanschlüsse überflutungssicher anzulegen.

Information

Hochwasserschutz für drinnen und draußen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt auf seiner Internetseite folgende Tipps zur Vorbereitung auf Hochwasser:

  • Besorgen Sie zum Schutz Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon.
  • Schauen Sie, dass gefährliche Stoffe oder Chemikalien nicht vom Wasser erreicht werden können.
  • Bringen Sie wertvolle Möbel oder Geräte wie Computer etc. in die oberen, hochwassergeschützten Räume.
  • Sichern Sie den Heizöltank gegen den Auftrieb durch das Wasser, indem Sie ihn z. B. an der Wand verankern oder mit Ballast beschweren.
  • Besorgen Sie ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser, ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio, eine Taschenlampe, einen Campingkocher und eine Campingtoilette.
  • Halten Sie eine Tasche mit den wichtigsten Dokumenten bereit.
  • Denken Sie auch an Insektenschutzmittel, falls nach Rückgang des Hochwassers Mücken und andere Schädlinge ins Haus kommen.

https://www.bbk.bund.de

(Vorsorge und Selbsthilfe)



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