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1. Januar 1962: Die Beatles spielen bei Decca vor – und werden abgelehnt

Gitarren sind aus der Mode

Das neue Jahr beginnt mit einem Schneesturm, der England fest im Griff hat. Und fast wären die vier jungen Männer zu spät gekommen, dabei ist es für sie ein Termin, vom viel abhängt. Wenn alles gut läuft, erhalten sie noch an diesem Tag einen Plattenvertrag. Am 1. Januar 1962, vormittags ab etwa 11 Uhr, spielt das Quartett in den Decca-Studios in London Probeaufnahmen ein. Die Rede ist von den Beatles.

veröffentlicht am 02.01.2017 um 11:52 Uhr

Die Beatles in der Besetzung (v. li.) George Harrison, Pete Best, John Lennon und Paul McCartney. Foto: archiv
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Die Band, das waren John Lennon (Rhythmusgitarre), Paul McCartney (Bass, George Harrison (Leadgitarre) und Pete Best am Schlagzeug, der später von Ringo Starr ersetzt wurde. Sie spielen 15 Songs, ihre Zuhörer sind die Decca-Manager Dick Rowe und Mike Smith. Nach dem Vorspiel fahren die jungen Männer mit ihren Instrumenten wieder nach Liverpool und warten auf eine Antwort. Aber es kommt keine.

Decca-Manager Rowe ist der Meinung, dass bald „Gitarrengruppen aus der Mode kommen“ werden. Außerdem sei es besser, eine Band aus der eigenen Stadt, also aus London zu verpflichten – die hatte man besser unter Kontrolle.

Sie gaben also nicht den Beatles, sondern der Band „Brian Poole & The Tremeloes“ einen Plattenvertrag. Die Beatles unterschrieben ein paar Monate später bei „Parlophone“. Und Dick Rowe von Decca wäre bis heute nur der Mann, der die Beatles ablehnte – wenn er nicht ein Jahr später die Rolling Stones für seine Plattenfirma an Land gezogen hätte. Der entsprechende Tipp kam übrigens von George Harrison.

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Dick Rowe
  • Dick Rowe

George Martin, der die
Beatles später für Parlophone und Apple produzierte, hatte später viel Nachsicht mit Dick Rowe: „Er wurde als der Mann, der die Beatles ablehnte, bekannt, und er wird dieses Kreuz bis zu seinem Tode tragen. Aber das ist unfair, denn in Wirklichkeit hatten alle die Beatles abgelehnt.“

John Lennon gab Brian Epstein die Schuld dafür, dass Decca den Beatles keinen Plattenvertrag gegeben hatte. Epstein wollte beim Vorspeilen die musikalische Vielseitigkeit der Beatles herausstellen, doch die Kombination so verschiedener Genres wie Pop, Rhythm & Blues und Rock n Roll erweckte den Eindruck von Beliebigkeit. Später wurden die Probeaufnahmen als „Decca Tapes“ veröffentlicht, sie sind von eher durchschnittlicher Qualität, die Band trifft Ton und Tempo nicht immer.

Auch die Beatles erhalten bald danach einen Vertrag, aber kurz vor den ersten Plattenaufnahmen entlassen sie Schlagzeuger Pete Best und ersetzen ihn durch Ringo Starr. Man darf sich den Mann mit der großen Nase als einen reinen Glückspilz vorstellen: Er kann nicht singen, und selbst in der Band, wird es später heißen, habe es bessere Schlagzeuger gegeben. Dennoch: Der aus armen Verhältnissen stammende Ringo wird vielfacher Millionär und heiratet später ein Bond-Girl – kann ein Mann mehr erreichen?

Übrigens: Brian Poole & The Tremeloes waren nie auch nur annähernd so erfolgreich wie die Beatles, aber sie bescherten Decca im Oktober 1963 mit der Coverversion von „Do You Love Me“, im Original von The Contours, eine Nummer 1 in den britischen Single-Charts. Dick Rowe dürfte sich gefreut haben: Alles richtig gemacht.



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