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Polizeigewerkschaft warnt vor Gaunerzinken

Geheimcode der Diebe

Hameln. Sie sind meist winzig klein – und ihre Bedeutung ist vielen nicht bekannt: Oftmals werden die sonderbaren Zeichen, die Ganoven an Hauswänden, Zäunen, Masten, Klingelbrettern und Briefkästen oder an Türzargen hinterlassen, für Kritzeleien von Kindern gehalten. Es handelt sich allerdings um eine alte geheime Zeichensprache, die seit Jahrhunderten von Dieben, Trickbetrügern, Bettlern und Hausierern benutzt wird. Kriminelle hinterlassen Gaunerzinken an Häusern, um sich gegenseitig mitzuteilen, wo etwas zu holen ist oder mit welcher Masche sie erfolgreich waren. Nach Angaben des Landesverbandes Berlin der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) erleben die Gaunerzinken seit einem Jahr in der Hauptstadt eine Renaissance. Aber auch in anderen Städten sind sie bereits aufgetaucht. Weil die Symbole lange Zeit nicht mehr im Stadtbild präsent waren, hat die DPolG für ihre Mitglieder in diesem Jahr extra eine sogenannte Praxiskarte herausgegeben. Sie klärt Ermittler über die geheimnisvollen Zeichen auf. „Insbesondere osteuropäische Banden nutzen diese fast vergessene Zeichensprache der Ganoven noch immer, um nachfolgenden Tätern wichtige Hinweise für ein erfolgreiches Vorgehen zu übermitteln“, heißt es in dem Informationsblatt für Polizisten. Die Gewerkschaft rät: „Im Rahmen der Tatortarbeit bei Einbrüchen, Trickbetrügereien und ähnlichen Delikten sollte ein besonderes Augenmerk auf Gaunerzinken gelegt werden.“ Diese Zeichen könnten „bei ordentlicher Fotodokumentation durchaus Hinweise auf die Tätergruppierung geben“. Der Ausdruck Zinken sei erst im 18. Jahrhundert aufgetaucht – und zwar in Zusammensetzungen wie Zinkenplatz (wo sich Diebe treffen), Zinken stechen (Zeichen geben), abzinken (kennzeichnen), Zinkfleppe (Steckbrief) oder abgezinkt sein (erwischt, erkannt worden sein). Laut Wikipedia wird das Wort vom lateinischen Wort „Signum“ (das Zeichen), aber auch vom althochdeutschen Ausdruck „Zinko“ (die Zacke, die Spitze), abgeleitet.

veröffentlicht am 28.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 15:00 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Während Gaunerzinken in einigen Bezirken von Berlin an sehr vielen Klingelschildern zu finden sind, gibt es in Deutschland Regionen, in denen sie offenbar noch nicht aufgetaucht sind. Eine aktuelle Abfrage der Polizeidirektion Göttingen – zu ihr gehören die Inspektionen Hameln-Pyrmont/Holzminden, Nienburg/Schaumburg, Hildesheim, Northeim/Osterode und Göttingen – ergab, dass in diesem Jahr lediglich ein Fall bekannt geworden ist, bei dem Gaunerzinken verwendet wurden. Eine Bürgerin aus Sarstedt habe auf ihrem Briefkasten ein solches Zeichen entdeckt, teilt Hilke Vollmer, Sprecherin der Direktion auf Anfrage mit.

Christian Wulf ist Vorsitzender des DPolG-Direktionsverbandes Göttingen und arbeitet in Hessisch Oldendorf als Polizeibeamter – er mahnt zur Wachsamkeit. „Auch wenn solche Symbole derzeit in unserer Region keine große Rolle spielen, lohnt es sich immer, auf Gaunerzeichen zu achten.“



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