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Mahnung überdauert die Jahrhunderte

Gedenkstein warnt vor Pferdedoktor

Pferdedoktorstein? Ein Gedenkstein für einen Tierarzt? Keineswegs! Vielmehr das Gegenteil ist der Fall.

veröffentlicht am 18.10.2013 um 06:00 Uhr

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Autor:

Maresa Lohmann

Am 17. März 1792 ließen der Hamelner Schneidermeister Lüdeking und seine Frau den Grabstein errichten, nachdem ihre Kinder, ein Mädchen im Alter von sechs Jahren und ein dreijähriger Junge, aufgrund der Behandlung durch diesen „Pferdedoktor“ gestorben waren. Auf den plötzlichen Tod der 1785 und 1788 geborenen Geschwister folgte ein Prozess gegen den Tierarzt. Er soll die Kinder durch Arsenik vergiftet haben. Der 23-jährige Pferdearzt verteidigte sich, er habe zur Behandlung der Geschwister, die an heftigem Schorf am Kopf litten, lediglich Zinksulfatsalbe angewandt. Das Arsen wurde in der Salbe vermutet. Jedoch wurde nicht endgültig geklärt, ob es den Tod der Kinder verursacht hatte.

Der Pferdedoktor hatte sich zunächst geweigert, die Kinder zu behandeln, gab jedoch den dringenden Bitten der Eltern nach. Aus Kostengründen hatte die Familie lange darauf verzichtet, den Regimentsarzt Medel zu rufen, und sich auf den entfernt verwandten Pferdearzt verlassen. Erst als die Kinder im Sterben lagen, wurde der Regimentsarzt hinzugezogen.

Dieser verklagte daraufhin den Pferdearzt wegen Kurpfuscherei, und obwohl man dem Pferdearzt letztlich nichts Falsches nachweisen konnte, wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Grabstein der Kinder wurde mit der mahnende Inschrift in deutscher Schreibschrift versehen.

Sie lautet: „Wir sind durch Pferdearztes Hand / zu früh hierher geschicket, / zur Warnung für das Vaterland / und den, der dies erblicket./ Sein Leben traue jedermann / nur sicherer Ärzte Hände an! / Geht er auch dann die Todesbahn, / hat er doch seine Pflicht getan.“

Bisher ungeklärt ist, ob diese Warnung von den Eltern in Auftrag gegeben wurde und sofort eingemeißelt worden ist oder erst – wie vom Stadtarchiv Hameln vermutet – im Zusammenhang mit einer Verlegung des Grabes vom alten Friedhof auf der anderen Seite der Deisterstraße auf den neu errichteten Deisterfriedhof.

Das Replikat steht heute im vorderen Teil des Deisterfriedhofes recht exponiert. Die Rückseite des Steins ist dem Gehweg zugewandt, die eigentliche Vorderseite mit den Namen und Todesdaten der Kinder richtet sich vom Gehweg weg. Somit lenkt sich die Aufmerksamkeit auf die Warnung auf der Rückseite, weniger auf die Todesdaten der Kinder. Da die alte Inschrift nur schwer leserlich ist, wurden die mahnenden Worte auf der Rückseite des Steins in eine kleine Marmorplatte graviert, die direkt vor dem Gedenkstein liegt. So ist der Pferdedoktorstein einer der ersten Gedenksteine, die Besucher heutzutage auf dem Hamelner Friedhof neben der Kapelle wahrnehmen. Das Original befindet sich seit der Umgestaltung des Museums Hameln im Depot.



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