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Monica Seles wird am 11. März 1991 die neue Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste der Damen

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Sie ist so verdammt schwer auszurechnen und so beeindruckend vielfältig. Monica Seles, 1,78 Meter große Linkshänderin, benutzt ihre Vorhand als auch ihre Rückhand beidhändig. So kann sie extreme Winkel spielen, immer wieder öffnet sie damit weit das gegnerische Spielfeld. Die beidhändige Spielweise sorgt auch für eine stark verdeckte Schlagausführung, und dazu kommt ihr Markenzeichen: kräftige Lautäußerungen bei harten Schlägen, während sie den Ball spielt. Das nervt die Konkurrenz.

veröffentlicht am 07.03.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:50 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Die ehemalige jugoslawische und US-amerikanische Tennisspielerin gewinnt in ihrer Karriere 53 Turniere im Einzel, darunter neun Grand-Slam-Turniere, und sechs Turniere im Doppel.

Mit 15 Jahren wird sie Profispielerin, bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier erreicht sie das Halbfinale der French Open, wo die Weltranglistenerste Steffi Graf sie stoppt. Das Jahr 1990 ist ihr Durchbruch. Bei den German Open in Berlin bezwingt sie Steffi Graf, die zuvor in 66 aufeinanderfolgenden Partien unbesiegt war. Zwei Wochen später gelingt Seles die Wiederholung des Triumphs bei den French Open. Graf kann im Tiebreak des ersten Satzes vier Satzbälle nicht verwerten, Seles gewinnt in zwei Sätzen und ist mit 16 Jahren und sechs Monaten bis heute die jüngste French-Open-Siegerin aller Zeiten.

1991 wird das erste von zwei Jahren, in denen Seles das Welttennis dominiert, im März entthront sie Steffi Graf als Weltranglistenerste; die Deutsche hatte diese Position seit dem 17. August 1987 186 Wochen und insgesamt bislang unerreichte 377 Wochen lang innegehabt. Auch das Jahr 1992 verläuft ähnlich erfolgreich: Seles kann ihre drei Grand-Slam-Titel verteidigen.

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Es ist ganz großer Sport, den Seles und Graf in diesen Jahren betreiben, sie schreiben gemeinsam ein Stück Tennisgeschichte, die meist hart umkämpften Duelle führen das Damentennis auf ein neues Niveau. Der absolute Anspruch beider, die Beste sein zu wollen, macht jedes Aufeinandertreffen der Dominatorinnen zu emotional aufgeladenen Sternstunden des Tennissports. Und es ist ein Versprechen auf die Zukunft: Dieses Duell wird auf Jahre hinaus den Tennissport prägen, so wie es einst durch die Duelle von Legenden wie Chris Evert und Martina Navrátilová geprägt war. Doch die hoch gespannten Erwartungen fanden im April des Jahres 1993 ein unvorhergesehenes, jähes Ende, über das die frühere Weltklassespielerin Pam Shriver sagte: „Man hat uns um das Duell einer Generation betrogen.“ Am 30. April 1993 wird Monica Seles während ihrer Viertelfinalbegegnung von dem psychisch gestörten Günter Parche, einem damals 38-jährigen deutschen Fan ihrer stärksten Kontrahentin Steffi Graf, beim Seitenwechsel in Hamburg in den Rücken gestochen.

Seles bestreitet nach dem Attentat zwei Jahre lang keine Profispiele mehr. Wenige Wochen später übernimmt Graf wieder die Führung in der Weltrangliste, die Königin ist wieder auf ihrem Thron. Körperlich ist Seles durch das Attentat wenig passiert, schnell sind die äußerlichen Wunden verheilt, doch ganz anders sieht es in ihre Psyche aus. Seles leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und in der Folge unter depressiven Verstimmungen.

Den ersten Schritt auf dem Weg zum Comeback als Profispielerin macht Seles 1995 in Atlantic City mit einem Schaukampf gegen Navrátilová. Sie feiert ihr Comeback bei den Canadian Open in Toronto, wo sie im Turnierverlauf keinen Satz und nur 14 Spiele abgibt. Doch dann stoppen Verletzungsprobleme die Fortsetzung von Seles’ bemerkenswerter Rückkehr. Sie kann nicht wieder an die überragende Form und die alten Erfolge anknüpfen. Chronische Verletzungsprobleme und der Tod des Vaters im Frühjahr 1998 werfen sie immer wieder zurück.

Mitte 1997 besiegt sie im Finale von Manhattan Beach die Weltranglistenerste Lindsay Davenport und triumphiert eine Woche später in Toronto. Die nächsten Jahre sehen einige Höhen und viele Tiefen, der letzte Turniersieg gelingt ihr 2002, als sie die Madrid Open gewinnt. Am 15. Februar 2008, fünf Jahre nachdem Seles ihr letztes offizielles Match bestritten hat, lässt sie in Miami von ihrem Manager offiziell ihren Rücktritt vom Profitennissport erklären. Was in Erinnerung bleiben wird, ist das Finale der US Open 1995, eines der emotionalsten, spannendsten und härtesten in die Geschichte des modernen Tennis. Zum ersten Mal seit dem Attentat des Graf-Fans Parche im Jahr 1993 stehen sich Graf und Seles auf dem Platz gegenüber. Hier Seles, deren glanzvolle Karriere durch den fanatischen Graf-Bewunderer abrupt unterbrochen worden war, dort Graf, die immer in dem Bewusstsein und mit dem Makel hatte leben müssen, dass es Parches Absicht war, ihre schärfste Konkurrentin aus dem Weg zu räumen. Graf wird nach einem Spiel, das zur Legende werden wird, 7:6, 0:6, 6:3 siegen.



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