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Warum gutes Benehmen auch in der Sauna gefragt ist

Flegel im Bademantel

Benimmregeln gibt es ja für alles mögliche. Auch für die Sauna. Neben FKK-Stränden wohl der einzige Ort, an dem es nicht gerne gesehen wird, wenn Sie bekleidet sind. Nacktsein ist hier Pflicht und Benimmregel Nummer eins. Genau so wichtig wie das Duschen vor Betreten des Spa-Bereichs beziehungsweise nach dem Saunagang und vor dem Sprung ins Tauchbecken.

veröffentlicht am 19.05.2018 um 10:28 Uhr

Grafik: cn
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Aber wie, bitteschön, würden Sie reagieren, wenn Sie jemanden entdecken, der nach dem Saunieren Ihren Bademantel angezogen hat?

Ich gehöre ja grundsätzlich zu den Frauen, die nicht gleich das Scheitern jedweder emanzipatorischer Bemühungen sehen, wenn ihnen der Mann mal die Tür aufhält. Im Laufe der Jahre weiß frau doch manche Gepflogenheit durchaus zu schätzen, wenn sie denn einer gewissen Form der Höflichkeit entspringen. Es muss ja nicht immer gleich ein Geschlechterkampf ausgetragen werden, wenn der eine dem anderen hilft, die Tüten zu tragen. Wenn der junge Mann an der Kasse mit einem einzigen Babygläschen in der Hand hinter mir in der Schlange an der Kasse steht, lass ich ihn ja auch vorbei und ziehe weder den Frauen- noch den Altersjoker.

Witzig, denke ich noch, der Mann, der da im Saunabereich am Fußwaschbecken sitzt und sich gerade Wasser einlaufen lässt, der hat ja den gleichen Bademantel wie du – nur dass die Ärmel viel zu kurz sind, es eigentlich kein Unisex-Modell, sondern ein deutlich erkennbarer Damen-Bademantel ist und insgesamt erinnert der Anblick auch etwas an Wurst in Pelle… Ja, kein Wunder, denn es war tatsächlich mein Bademantel, in den der wohlbeleibte Herr sich da gequetscht hatte. In mein Handtuch gewickelt – um nicht völlig entkleidet vor einem angezogenen Menschen stehen zu müssen – bin ich also hin. „Entschuldigen Sie, kann es sein, dass Sie da meinen Bademantel anhaben?“

Ein Satz, den ich vorher noch nie in meinem Leben ausgesprochen habe und gottlob auch danach nicht mehr musste. Interessant – der Mann bejaht, ist aber überhaupt nicht irritiert. Immerhin hat er ihn mir wiedergegeben. Trotz Wäsche – es war nicht mehr mein Lieblingsbademantel.

Begegnungen mit Unbekleideten – oder auch in Alltags- statt beruflichen Situationen – bergen aber auch noch andere Gefahren. Nämlich die der Missachtung des Höflichkeitsgebots. So gehört es sich einfach, Bekannte zu grüßen. Wenn der Tierarzt aber ohne weißen Kittel durch die Stadt geht, der Handwerker ohne Blaumann oder der Polizist nicht in Uniform unterwegs ist, kann das schon mal schiefgehen. Sind Sie auch manchmal in der Situation, jemanden zu erkennen, ohne zu wissen, wo Sie ihn hinstecken sollen? Meist beschäftigt einen das den ganzen Tag. Das Tröstliche: Oft geht es den anderen auch so. Das freundliche Nicken mit gefrierendem Lächeln bestätigt mir das nur allzu oft. Aber meine Oma hat die Namen ihrer Enkel auch immer durcheinandergebracht – und wir wussten trotzdem, um wen es geht.

Benehmen ist eben keine Glückssache, wie es der Volksmund behauptet. Schön, wenn auch die jungen Leute sogar Kurse belegen, um ein paar kniggeartige Grundregeln kennenzulernen, wenn dies im Elternhaus versäumt wurde. Erstaunlich finde ich nur, dass die weiße Socke in der Sandale nicht auszurotten ist – obwohl sich mittlerweile herumgesprochen haben sollte, dass auch die Kleiderfrage eine Frage des (guten) Benehmens ist. Männer sollten schon aus reiner Höflichkeit nicht in Hawaii-Shorts ins Büro gehen. Und nicht nach fremden Bademänteln greifen.

Allgemein wird die zunehmende Verrohung der Gesellschaft beklagt. So schlagzeilenträchtige wie schier unvorstellbare Fälle wie der des Mannes, der in einer Bank am Boden lag und über den zahllose Kunden achtlos hinweggestiegen sind, scheinen dies zu bestätigen. Ich beobachte aber durchaus, dass der Frau mit dem Kinderwagen beim Einstieg in den Bus geholfen wird. Oder in der Stadt ganz offenbar suchende Menschen angesprochen werden, ob ihnen geholfen werden kann. Nachbarn, die die alte Dame fragen, ob man ihr etwas vom Einkaufen mitbringen kann.

Übrigens: Wenn man nicht zurückgrüßt, muss das nicht unbedingt eine Form der Missachtung sein. Der Grund kann auch die fehlende Brille sein. Auf der Straße und in der Sauna. Vielleicht ist das ja auch die Erklärung für den falschen Bademantel. Geschenkt.



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