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Klimakiller an der Leine

Feiner Hund? Nicht in jeder Hinsicht …

Hunde sind ein echtes Umweltrisiko – ich weiß das spätestens seit einem Sommertag im Jahr 2016.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 23.02.2018 um 19:20 Uhr

Illustration: cn
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Als wir damals an einem hübschen Südtiroler Bergsee wanderten, ließen wir den Hund von der Leine. Verantwortungslos, ich weiß. Nun reagieren Cockerspaniel auf Wasser in etwa so gefasst wie auf Fleischwurst. Der Hund war also schnell nicht mehr am, sondern im Wasser. Um ihn wieder an Land zu bekommen, mussten wir um Zugang zu einem privaten Badesteg bitten. Wir zerrten also dort das vergnügt-uneinsichtige Tier aus dem Weiher. Eine rechtmäßige Stegnutzerin wies uns währenddessen entschieden auf das Hunde-Badeverbot hin, versehen mit dem erklärenden Satz: „Dies ist der sauberste Badesee Italiens.“ Nun gut. Das „sauberste Sofa Niedersachsens“ haben wir daheim vielleicht nicht. Aber dass so ein waldschmuddeliger Hund nicht nur helle Polstermöbel, sondern sogar die Wasserqualität eines ganzen Sees in Gefahr bringt – das hat uns beeindruckt. Offenbar hatten wir den Hund als ökologische Zumutung gründlich unterschätzt.

Wie gründlich, lehrt die weitere Recherche: Vom „Klimakiller auf vier Pfoten“ kann man hier und dort lesen. Ein „stattlicher Hund“ sei im Grunde so schlimm wie ein SUV. Von einem SUV mit stattlichem Hund im Kofferraum gar nicht erst zu reden.

US-Forscher haben berechnet, dass Hunde und Katzen jährlich so viele Kalorien verbrauchen wie 62 Millionen zweibeinige Amerikaner. Und da die Haustiere nun mal am liebsten das Fleisch anderer Tiere futtern, fällt ihre Klimabilanz verheerend aus: 64 Millionen Tonnen Treibhausgas erzeugt die Fleischproduktion für die US-Schmusetiere im Jahr. Die Wissenschaftler rechnen vor: Gründeten die Katzen und Hunde der USA eine eigene Nation (eine zu niedliche Vorstellung), so würden sie in der Liste der Länder mit dem größten Fleischkonsum den fünften Platz belegen, schreibt „Geo“. Nur in Russland, Brasilien, den USA und China essen sie mehr. Im Süden Chinas übrigens – hier schließt sich der Kreis – auch Hunde und Katzen.

Was also tun mit diesen unbequemen Informationen? Die Möglichkeiten sind immer die gleichen: leugnen, verdrängen oder dagegenhalten. Leugnen und verdrängen sind bei allem, was den Klimawandel betrifft, sehr beliebt – aber mir dann doch zu blöd. Also: Gegenargumente her!

Versuchen wir’s mal mit diesem: Diese Ökobilanzen von Haushunden ignorieren eine ihrer wesentlichen Eigenschaften: Sie sind lästig. Die Liste von Dingen, die unser Hund in seinen nun schon fast 15 Lebensjahren durch seine pure Existenz verhindert hat, ist lang, die eingesparte Menge an CO2 sicherlich imposant. Flugreisen zum Beispiel – Sargnägel des Weltklimas – verkneifen wir uns regelmäßig. Wer will dem geliebten Köter schon eine Reise im Frachtraum zumuten? Und was ist mit all den hypersensiblen Tölen, die Herrchens und Frauchens Ausgehverhalten einschränken, wie es sonst nur Säuglinge schaffen? Jede zusammengebellte Nachbarschaft, jeder vollgekotzte Flurläufer bedeutet mindestens eine Fahrt ins Kino weniger – Emissionseinsparungen noch und nöcher.

Zugleich erzieht so ein Hund zu naturnahen wie -schonenden Hobbys: Spazieren gehen, sogar Joggen, Skaten oder Radfahren geht mit agilen Tieren prima. Sehr gut für die Ökobilanz. Wir könnten in derselben Zeit schließlich auch in unseren Geländewagen steigen, zum Flugplatz fahren und eine Runde mit der Cessna drehen. Wenn wir denn einen Geländewagen hätten. Und einen Pilotenschein. Und eine Cessna.

Unser Hund kümmert sich zudem hingebungsvoll um Küchenabfälle wie Karottenschalen oder unappetitliche Reste von Pausenbroten – könnte ich noch ergänzen. Das klingt schließlich auch sehr umweltfreundlich, verstößt aber bestimmt gegen alle Dogmen der Hunde-Ökotrophologie – also verkneif ich’s mir lieber.

Greenpeace empfiehlt nun als Ausweg aus dem Dilemma ein nützliches Huhn als Alternative zum so herzerfrischend nutzlosen Hund. Nun, frische Eier sind eine tolle Sache – aber ein Huhn? Neben uns auf dem Fernsehsofa? Im Wald? Am Nordseestrand? Da habe ich Vorbehalte.

Letztlich wählt wohl ohnehin niemand sein Haustier nach Ökosiegel. Auch das: verantwortungslos, ich weiß. Doch bei Boomer und Kitty geht’s halt um Liebe – da kann auch die umweltbewussteste Ratio nicht viel ausrichten. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn die Liebe nur auf ein Haustier fällt. Manche Leute lieben ja auch – nur so als Beispiel – ihr Auto. Das sorgt dann natürlich für Umweltprobleme. Der mächtigste Mann der Welt indes liebt offenbar sein Geld und das seiner reichen Freunde – das sorgt für noch größerer Umweltprobleme. Da bleibe ich doch lieber beim Hund und fahre häufiger mal Fahrrad.

Und was wurde aus dem See in Südtirol? Ich denke, dass dort nun irgendwo ein Schild steht: „Sauberster Badesee Italiens – aber seit 2016 ist eine Belastung mit roten Cockerspaniel-Haaren nicht auszuschließen. Sie wissen ja, wie diese Hundehalter sind.“

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