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Und wie man es doch immer wieder hinbekommt, dass sich das Leben schwer anfühlt

Es kann so einfach sein

Es ist mal wieder soweit. Manchmal hält man das alles, was man Leben nennt, irgendwie gar nicht anders aus als einfach nur so rumzusitzen, ein Gläschen in der Hand und einen Freund zum Quatschen zu haben.n Oder ist es vielleicht sogar genau umgekehrt? Hält man vieles deshalb für leichter erträglich, weil man sich das Leben einfach ein bisschen einfacher macht und sich den Luxus der Leichtigkeit gönnt?

veröffentlicht am 30.03.2019 um 06:30 Uhr

Illustration: cn
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Viel zu viele Fragen …

„Zwei Bier, bitteschön …“

„Danke, schreib bei mir auf.“

„Prost.“

„Ja, Du auch.“

Nun denn, jedenfalls steckt die Benson & Hedges in der Kerbe des gläsernen Aschenbechers und qualmt gemächlich in einem ganz leicht bläulichen Weiß vor sich hin. Im Schummer jenes diffusen Gegenlichts, das wir alle schon mal mit irgendeinem Uwe zu durchschauen versucht haben, lässt die Kippe lustige Wölkchen in den sowieso schon rauchigen Kneipenhimmel steigen.

„Hör’ ma’“, sagt Uwe, „die, die noch zur Penne geh‘n, die mach‘n sich aber auch ‘nen ganz schönen Lenz.“ „Verstehe nicht ganz, was meinst Du denn damit?“, frage ich zurück. „Nu‘, is‘ doch ganz einfach. Die geh‘n doch jetzt jeden Freitag demonstrier‘n. Da kannste ja nich‘ gleichzeitig inner Schule sitzen. Die mach‘n sich dat ganz schön, also dat auch, aber ganz schön einfach, wollt ich sag‘n.“ Ist ja gut, Uwe, lassen wir die Jugend doch demonstrieren, für die Umwelt, das Klima, die Zukunft. Das ist doch das gute Recht der Jugend, uns Alten mal ordentlich auf den Pott zu setzen, weil wir denen ja nicht gerade das beste Vorbild waren in den letzten Jahrzehnten und dies auch aktuell noch immer nicht sind. Und dann kommen wir denen noch nicht mal mit Erklärungen zum Klimawandel oder etwa einer Entschuldigung, dass wir uns wie Öko-Rowdys benehmen, sondern das Einzige, was uns einfällt, ist das Schulrecht und die Schulpflicht. „Ist das nicht ein bisschen armselig für eine angeblich so erwachsene Generation?“, frage ich meinen zotteligen Uwe, der zumindest optisch auf jedem Öko-Happening als Teilnehmer der ersten Stunde durchginge.

„Jo, da haste och wieder recht“, sagt Uwe, holt tief Luft, um dann den ganz Weisen zu mimen, „lassen wa ‘se. Im Grunde, also wenn wa uns dat mal ganz genau anschau‘n, dann ham diese jungen Leutchens ja wirklich recht. Wir hinterlass‘n denen ‘ne dreckige Welt, da dürf‘n se auf die Straße geh‘n, wann se woll‘n“.

Schön, dass wir uns mal wieder einig sind, lieber Uwe. Ein bisschen mehr Gelassenheit tut uns doch allen gut, nicht wahr? Es mag sein, dass wir dies erst sehen, wenn wir zwei, drei Lenze mehr auf dem Buckel haben, aber auch dann hat es doch durchaus noch Sinn. Warum sollen wir immer alles so schwer nehmen? Warum müssen wir uns immer wieder selbst das Leben schwermachen? Müssen wir denn wirklich jeden Schuh anziehen, der uns hingestellt wird? Nein, das alles müssen wir nämlich nicht.

Wir dürfen die Leichtigkeit des Seins seelenruhig leben und genießen, müssen uns nicht drängen, nicht schubsen, nicht hetzen lassen. Kommen wir zur Ruhe, zur inneren Einkehr. Das hilft. Denn dann kommt sowieso der nächste Konter vom Leben, ganz automatisch, da müssen wir eigentlich gar nichts tun, das geschieht sowieso. Dann macht sich das Leben von alleine wieder breit und schwer.

„Sach‘ ma“, funkt Uwe plötzlich dazwischen, „wat faselst Du denn da für‘n Zeuchs? Meinst Du dat alles so wie Du es gerade gesacht hast? Donnerwetter, sach ich nur, Donnerwetter.“ Um dann quasi mit einem Nikotinschwall wieder zum Wesentlichen zu kommen: „Machste noch ma’ zwei Bier?“

Auf dem hölzernen Tresen haben bereits ein paar Gläser gestanden, ist ja schließlich auch ein langer Abend geworden.

Schweigen. Warten. Rauchen. Schweigen. Warten.

„Zwei Bier, bitteschön …“

„Danke, hier, der Deckel.“

„Prost.“

„Jo, denn ma‘ Prost, auf dat Leben. Und dat wir uns dat nich‘ immer so schwermachen. Deshalb finde ich ja och, dat jeder ma‘ in Ruhe angeln gehen sollte. Dat entspannt volle Lotte. Musste ma‘ versuch‘n. Da kannste dann stundenlang in aller Ruhe über Dich und dat Leben nachdenk‘n. Oder Du lässt dat einfach sein mit dem Nachdenk‘n und setzt Dich einfach hin und denkst nich‘ nach. Dat is‘ dann auch genauso gut.“ Schließlich würden ja auch nicht nur andere Menschen einem das Leben schwermachen, erzählt der Uwe dann noch, sondern häufig seien wir es doch selber, die dafür sorgen, dass wir wieder Falten auf die Stirn bekommen würden. „Weil wa‘ alle zuviel grübeln“, sagt Uwe, „und weil dat irgendwie och in uns selber liegt. Der Mensch hat ja einen Kopp zum Denk‘n. Und wenn der dann och dazu benutzt wird, wofür er da is‘, dann sollten wa uns ja och ma‘ freu‘n.“

Ja, Uwe, da hast Du recht. Eigentlich. Aber es ist und bleibt doch schon auch ein klein wenig kurios und verrückt, wie der Mensch sich das Leben manchmal selber schwer macht. Aber lassen wir das. Sonst fängt das Denk-Karussell wieder von vorne an. Und wer möchte das schon?

Wir jedenfalls nicht. „Machste bitte noch mal zwei Bier? Kalt, sodass die Gläser beschlagen, prickelnd, frisch, so hätten wir die bitte gerne.“ „Also so wie immer“, stöhnt die Wirtin zurück.

„Wie immer.“

„Bitteschön …“

„Das Leben kann so einfach sein.“



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