weather-image
Ladendiebstähle sind ein Ärgernis für den Einzelhandel

Erwischt

Die Szene dauert nur einen kurzen Moment. Dann ist die Flasche in der Jacke verschwunden. Langfinger müssen schließlich schnell sein – und unauffällig. Ladendiebstahl ist ein Massenphänomen. Einer Studie des Internetportals Preisvergleich.de zufolge wurden in Hannover allein 2012 mehr als 4400 Diebstahl-Fälle angezeigt.

veröffentlicht am 16.04.2014 um 00:00 Uhr

270_008_7049496_TdT_Ladendiebstahl2_rg_0104.jpg

Für Stadthagen nennt Axel Bergmann vom Polizeikommissariat der Kreisstadt für 2012 insgesamt 360 angezeigte Ladendiebstähle, nach 378 Fällen im Jahr 2011 und 482 in 2010. „Das ist das Hellfeld“, sagt Bergmann. Die Dunkelziffer will er nicht einschätzen, sie dürfte aber deutlich höher liegen.

Ladendiebstähle, die nicht sofort entdeckt werden, tauchen bei den Einzelhändlern nur als „Inventurverlust“ auf. Soll heißen: Erst dann, wenn ein Geschäft Inventur macht, wird festgestellt, dass einige der bestellten Artikel verschwunden, aber nicht verkauft sind. Wie viele dieser „Verluste“ dann tatsächlich auf den klassischen Ladendieb zurückzuführen sind, lässt sich nur schwer abschätzen. Denn, so erklärt es Holger Schulz vom Feinkosthaus Tietz in Stadthagen, auch Mitarbeiter und Lieferanten halten sich nicht immer an Recht und Ordnung. Es sei zwar ein seltener Fall, dass Angestellte Waren stehlen, aber auch das sei schon vorgekommen. Und auch der Lieferantendiebstahl sei ein Problem. Schulz: „Es muss heute wirklich alles geprüft werden.“

Deshalb hat Schulz in seinem Geschäft am Marktplatz zahlreiche Überwachungskameras installiert. Die Spirituosenabteilung wird seither mit vier Kameras überwacht, jeder Winkel ist abgedeckt. Allein im vergangenen Jahr habe man durch die neue Anlage „locker 30 Leute erwischt“, sagt Schulz. Auf die Täter wartet eine Anzeige und Hausverbot, in jedem Fall.

Beim Blick auf die Zahlen der Polizei bestätigt sich das Klischee vom jugendlichen Langfinger nur teilweise. Von den 473 Ladendieben aus 2010 waren 90 Kinder unter 14 Jahren (69 Jungen, 21 Mädchen), 79 waren Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren (davon 49 Jungen). 27 Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren führt die Statistik an, 17 von ihnen männlich. Das Gros aber, 277 Ladendiebe, davon 185 Männer, war bereits älter. Für 2011 und 2012 setzt sich diese Reihe fort, für das Jahr 2013 liegen noch keine Zahlen vor. „Es geht querbeet, vom Schüler über Frau Doktor bis zu Lieschen Müller“, ist sich Holger Schulz sicher. Den typischen Langfinger gibt es nicht.

Bemerkenswert: Die Zahl der Tatverdächtigen ist höher als die der begangenen Taten. Das liegt Bergmann zufolge daran, dass viele Ladendiebstähle auch Teamarbeit sind. Der Täter greift sich die Ware, ein Komplize schottet ihn ab oder versucht, die Kameras zu verdecken.

Aber was treibt einen Menschen dazu, zu stehlen? Sicherlich ist manchmal auch jugendlicher Leichtsinn im Spiel, aber Bergmann stellt fest, dass es den typischen Bonbonklau früherer Zeiten kaum noch gibt. „Es ist nicht mehr diese Mutproben-Geschichte.“ Heute steckt nicht selten kriminelle Energie dahinter – und der Wunsch, etwas haben zu wollen. Gerade Kosmetika, Elektronik und hochwertige Kleidung stehen hierbei hoch im Kurs. Den Grund dafür sieht Bergmann auch im persönlichen Hintergrund der Täter: „Vielleicht spielt auch tatsächlich mangelndes Geld eine Rolle.“ Ein besonderes Problem sind Auftragsdiebstähle. Zumeist junge Erwachsene nehmen „Bestellungen“ entgegen und stehlen gezielt, anschließend wird das Diebesgut gleich weitergegeben oder schwarz verkauft.

Was im Einzelnen gestohlen wird, erfasst die Polizei zwar nicht in ihrer Statistik, eine kleine „Hitliste“ gibt es trotzdem: Parfum und Schminkutensilien sind besonders gefragt – teuer, begehrt, aber meistens auch klein und leicht zu verstecken. So verschwindet der Kajalstift schnell in der Tasche. Eine Überraschung ist der zweite Platz: Lebensmittel gehören zu den am häufigsten gestohlenen Waren. Schokoriegel sind dabei, die einfach aus der Großpackung gerissen und gegessen werden, aber auch die Nudelpackung oder Tabakwaren, Alkohol und Süßigkeiten. Bekleidung und Elektronik sind zwar wichtige Felder, spielen aber zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle. Besonders beliebt waren in den vergangenen Jahren teure Rasierklingen, die Bergmann zufolge oft im Ausland landeten. Inzwischen haben zahlreiche Supermärkte die Klingen im Kassenbereich untergebracht, wo sie im Blickfeld der Kassiererin sind, oder aber der Kunde erhält sie erst nach dem Bezahlen an der Information.

Wie groß der Schaden durch Ladendiebstähle ist, lässt sich auf Kreisebene nicht beziffern, er dürfte aber enorm groß sein. Für das Jahr 2012 hat das Handelsforschungsinstitut EHI aus Köln einen „Inventurverlust“ von bundesweit fast 3,8 Milliarden Euro ausgerechnet..aw



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt