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Der Landtagsabgeordnete Spangenberg und seine Villa

Eine Petition für die Bahnlinie

Wilhelm Heinrich Spangenberg wurde am 16. Oktober 1819 in Hamburg geboren und war ein Sohn des Arztes Georg August Spangenberg. Er besuchte das Gymnasium in Lübeck und das Carolinum Braunschweig. Wilhelm schlug ein wenig aus der Art: Er wurde nicht Arzt, wie es in seiner Familie Tradition war, sondern Landwirt. Wann er nach Hameln kam, ist nicht überliefert. Hier pachtete er die Domäne Hagenohsen.

veröffentlicht am 29.12.2014 um 06:00 Uhr

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Autor:

Bernhard Gelderblom

Als Landwirt übernahm er zahlreiche überörtliche Aufgaben und Ehrenämter. So wurde er 1850 Mitglied des Zentralausschusses der Königlich Hannoverschen Landwirtschafts-Gesellschaft und Ehrenmitglied des Landwirtschaftlichen Vereins für Halberstadt. 1858 wählte man ihn zum Präsidenten des landwirtschaftlichen Vereins Hameln. Seit 1870 war er Mitglied des Landes-Ökonomie-Kollegs in Berlin. Für verschiedene landwirtschaftliche Journale schrieb er Fachbeiträge.

Im höheren Alter engagierte sich Spangenberg politisch. So war er 22 Jahre – von 1870 bis zu seinem Tode im Jahre 1892 – Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin und gehörte gleichzeitig dem Provinziallandtag in Hannover an. Für wenige Monate – von Januar bis Mai 1877 – war er sogar Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Hannover 9 (Linden und Hameln). Spangenberg vertrat die Freikonservative Partei und später die konservative Deutsche Reichspartei.

Laut Spanuth galt Spangenberg seinen Mitbürgern als „eifriger und tatkräftiger Mitwirkender im Dienst des Allgemeinwohls“. So setzte er 1875 als Landtagsabgeordneter den Weiterbau der von Löhne kommenden Bahnlinie von Hameln in Richtung Hildesheim durch. Er richtete dazu eine Petition an den preußischen Handelsminister in Berlin und erreichte, dass die Eröffnung der Linie am 30. Juni 1875 stattfinden konnte. Wohlstand und Repräsentationsbedürfnis des Mannes drücken sich in der prächtigen Villa aus, die er sich im hohen Alter um 1885 aus Wesersandstein im Stil der Neogotik errichten ließ.

2 Bilder

Das riesige Grundstück reichte vom ehemaligen Klütbahnhof im Süden bis zum Pflümerweg im Norden und umfasste das Gelände beidseitig der heutigen Pyrmonter Straße bis zur Weser und den Steilhang zum Klüt. Es war als Park angelegt. Ein Teich und gewundene Wege sind bis heute erhalten, ebenso der in den Steilhang gebrochene Eiskeller (auf der historischen Aufnahme zwischen Villa und Gartenhaus erkennbar) und ein luftiger Holzschuppen. Im Adressbuch von 1875 firmierte das Grundstück unter „Weserufer“ 13 (heute Pyrmonter Straße 42).

Zur Bewirtschaftung des Grundstücks hatte Spangenberg im selben Stil ein etwas schlichteres Gebäude mit Gärtnerwohnung, Schweinestall, Taubenschlag und Einstellmöglichkeiten für Pferde und Kutschen bauen lassen.

Spangenberg starb am 25. April 1892 in Hameln und liegt auf dem Deisterfriedhof begraben. Sein Sohn Georg, der wie sein Hamburger Großvater Arzt wurde, wohnte und praktizierte in der Villa.

Nach einer umfassenden Restaurierung präsentiert sich das Äußere der Villa heute in alter Pracht. Auch im Inneren haben die neuen Eigentümer die ursprüngliche Einrichtung aus Stuckaturen, Fensterverglasung, schön gestalteten Türen und einem aufwendigen Treppenhaus sorgfältig erhalten.

Das Gartenhaus ist heute Sitz der Firma Rudolph. Der Betrieb zur Reparatur von Elektro-Motoren – 1929 im schlesischen Lauban (Oberlausitz) gegründet – musste nach dem Zweiten Weltkrieg seinen alten Standort aufgeben und fing 1946 in Hameln in dem Spangenbergschen Wirtschaftsgebäude „bei null“ wieder an. 2001 konnte auf dem hinteren Gelände eine Halle mit Pumpenprüfstand, Farbspritz- und Sandstrahlanlage neu errichtet werden, 2005 eine große Montage- und Lagerhalle. Heute repariert, entwickelt und verkauft die Firma mit 20 Mitarbeitern Elektropumpen und -motoren.

Weitere historische Fotos unter dewezet.zeitreise.de

Die Villa Spangenberg und ihr Gartenhaus lagen ursprünglich mit freiem Blick und freiem Zugang zur Weser innerhalb eines riesigen Gartengrundstücks.

Hameln anno dazu mal (li.), Gelderblom (u.)



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