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Blindenleitlinie an der Bushaltestelle Münster entspricht der Norm – und bleibt, wie sie ist

Eine „Lex Hamelensis“ soll es nicht geben

Hameln. „Warum ist es Fahrradfahrern nicht zuzumuten, sechs Millimeter hohe Noppen zu überqueren?“ Mitte Januar war Wolfgang Lücke und seiner blinden Ehefrau Elke beim Warten an der neu gestalteten Bushaltestelle Münster aufgefallen, dass die Blindenleitlinie aus aneinandergereihten Pflastersteinen mit sechs Millimeter hohen Noppen, die zum Buseinstieg hinführt, von einem Radweg unterbrochen ist. Offenbar, so schlussfolgerte der Hamelner, würden die Belange der Radfahrer an dieser Stelle über jene blinder Menschen gestellt. Die Frage, die sich dem Ehepaar stellte, lautet: Warum?

veröffentlicht am 18.04.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite

Denn der Vorfall an der Bushaltestelle Münster war nicht der erste, der bei den sehbehinderten Einwohnern der Stadt Verwirrung stiftete: Seit im August 2010 eine „aus gestalterischen Gründen“ weggelassene Blindenleitlinie in der neu gepflasterten Emmernstraße für erheblichen Protest im Bauausschuss gesorgt hatte, sollten betroffene Menschen, so die Forderung der Politiker, in derartige Planungen mit einbezogen werden.

So auch im Fall der Bushaltestellenerneuerung: Da die Leitlinie aus baulichen Gründen nicht, wie beispielsweise an der Haltestelle Kastanienwall, hinter dem Wartehäuschen entlanggeführt werden konnte, war mit Vertretern des Behindertenbeirates abgestimmt worden, dass Radweg und Blindenspur sich kreuzen. „Abgemacht war aber, dass die Blindenspur Vorrang vor dem Radweg hat, der Auffangstreifen also über den Fahrstreifen gelegt wird – und nicht umgekehrt“, stellte Gotthard Feist, Vorsitzender des Behindertenbeirates, im Januar klar – und forderte gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Stadtverwaltung und Öffis auf, den Fehler auszubessern. „Die Blindenspur muss vorgehen!“, forderte Feist.

Diese Meinung hat der Vorsitzende des 16-köpfigen Gremiums inzwischen revidiert. „Die Stadt hat richtig gehandelt“, ist sich Feist nun sicher. Obwohl auch er beim Anblick der Situation an der Bushaltestelle Münster zunächst nur Kopfschütteln für die Arbeit der Verwaltung übrig gehabt habe, habe ihn die Frage, mit welcher Konstellation blinden Menschen am ehesten geholfen sei, noch lange beschäftigt. Bis er schließlich zum Telefon griff und zuerst beim Landesblindenverband in Hannover und dann bei der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg anrief und nachfragte.

„Dort, bei der obersten Instanz auf Blindenebene, erfuhr ich, dass die unterbrochene Leitlinie der DIN-Norm entspricht“, erklärt Feist. Die Unterbrechung in der Kette genoppter Pflastersteine signalisiere ganz deutlich: Hier ist Achtung geboten. „Zugegeben, das ist ein bisschen um die Ecke gedacht“, sagt der Behindertenvertreter, „dennoch muss ich zurückrudern und sagen: Wenn dies der Norm entspricht, dann soll es bei uns keine ,Lex Hamelensis‘ geben.“ Wenn die Interaktion von Radfahrern und Sehbehinderten im Straßenverkehr klar geregelt ist, dann solle man sich auch in Hameln daran halten.

Die noch im Januar geforderte Ausbesserung der Blindenleitlinie sei daher nun hinfällig – ganz im Sinne der Stadt: „Für uns gibt es nun keinen Handlungsbedarf mehr“, erläutert Stadtsprecher Thomas Wahmes. Er sei froh, dass die Prüfung der Angelegenheit zu einem Ergebnis geführt habe, mit dem nun auch der Behindertenbeirat leben kann. Dass einzelne Personen dieses Ergebnis dennoch nur widerwillig hinnehmen werden, darüber macht man sich im Rathaus keine Illusionen. „Es gibt im Straßenverkehr viele kollidierende Interessen und Bedürfnisse“, ist sich Wahmes bewusst, „aber diesen Fall betrachte ich als geklärt.“

Wer hat Vorrang – blinde und sehbehinderte Menschen oder Fahrradfahrer? An der Bushaltestelle Münster scheint die Hackordnung klar geregelt. Dass diese Regelung der Norm entspricht und Benutzer der Blindenleitlinie schützen soll, betont nun der Vorsitzende des Behindertenbeirates.Wal



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