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Die Helenenquelle in Bad Pyrmont: Von der Grotte zum Brunnentempel

Eine Fürstin gab ihr den Namen

Wer diese frühe Fotografie, die der hannoversche Fotograf F. Reinecke vor dem Jahr 1887 aufgenommen hat, betrachtet, wird sich verwundert die Augen reiben. Im Mittelpunkt der handschriftlich bezeichneten Helenenquelle sieht man eine von künstlich geschaffenen Felswänden gerahmte Quelle, die von einer Grotte als Mittelpunkt hervorgehoben wird. Der Eingang zu dieser Grotte (ital. Höhle, später Gewölbe), in dem die Quelle sprudelt, ist markiert von einem steinernen Rundbogen und einem schützenden Dach, das von reichem Astwerk geschmückt ist. Davor, auf dem Weg zur und in der Grotte, sind fünf Frauen „aufgebaut“, die ganz offenbar das Wasser der heilsbringenden Quelle für eine Trinkkur nutzen wollen.

veröffentlicht am 11.08.2014 um 06:00 Uhr

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Diese Fotografie des Fotografen F. Reinecke, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sein „Photographisches Atelier“ in Hannover im Neuen Weg Nr. 3 führte, hat das Pyrmonter Museum mit weiteren frühen Fotografien aus der Zeit um 1880/85 in Frankfurt erwerben können. Erstmals sieht man hier die Grotte als den Vorgängerbau, bevor Baurat Oesner aus Arolsen im Jahr 1887 eine Trinkhalle in Gestalt einer offenen Gußeisenkonstruktion im Stil der Neorenaissance erbauen ließ.

Was weiß man nun über die Helenenquelle? Werner Lange hat viel Wissenswertes in seinem „Quellenspaziergang“ zusammengetragen. Im Jahr 1844 entdeckt der kenntnisreiche Pyrmonter Brunnenarzt Dr. Karl Theodor Menke dicht an der östlichen Baumreihe der Klosterallee, nicht tief unter der Erdoberfläche, eine Stahlquelle von geringer Ergiebigkeit. Nach einer ersten Fassung ergab sie etwa fünf Liter Mineralwasser in der Minute. Menke gab dieser Quelle den Namen Klosteralleequelle.

Hintergrund für die Suche nach neuen Quellen war die Tatsache, dass die Zahl der Badegäste und der Wunsch nach Mineralbädern in jener Zeit enorm gestiegen waren. Im Jahr 1863/64 wurde diese Quelle, gemeinsam mit der Sanierung der Hylligen-Born-Quelle und dem Brodelbrunnen, neu gefasst vom Darmstädter Geologen und Quellenfachmann Rudolf Ludwig. Während nun die beiden Hauptquellen auf dem Brunnenplatz in ihrer Schüttung nachließen, entwickelte sich die Klosteralleequelle zur bedeutendsten und mineralstoffreichsten Heilquelle dieser Gruppe. Sie wurde nun umbenannt in Helenenquelle – nach der Fürstin Helene zu Waldeck und Pyrmont (1831-1888). In dieser Zeit entstand auch die äußerst seltene Fotografie. Grotten in dieser Art aus Steinmaterial gab es damals häufig in der europäischen Gartenkunst, natürlich auch in Pyrmonter Gärten und Parkanlagen. Es ist ein künstlicher Hohlraum, seit der Antike vertraut als ein Aufenthaltsort von Nymphen. Es ist auch ein schattenspendender Raum, der fest verbunden ist mit dem Element Wasser. Ein Ort, der verknüpft ist mit einer wilden, zerklüfteten Naturimitation, die sich hier ideal verbindet mit den Alleebäumen der höher gelegenen Klosterallee und dem imposanten Dreialleenblick. Das Grottenwerk bleibt als rahmendes Element, als im Jahr 1887 die Helenenquelle eine moderne Fassung in Gestalt der Gusseisenarchitektur erhielt. Das Trinken an dieser Stelle war nun offener und angenehmer. Die Stahlquelle hatte eine so gewaltige Schüttung, dass dieses Wasser die 68 Badekabinen im nahe gelegenen Stahlbadehaus versorgte.

Am 1. Juni 1953 wird im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten Kopf ein neuer Brunnentempel eingeweiht, so wie wir ihn heute kennen. Die Rückwand des Neubaus bildet nun eine hohe Sandsteinmauer entlang der Klosterallee, von der aus man an einer Brüstung das Spiel der Quelle beobachten kann. Unter einer Plexiglaskuppel sprudelt die Quelle aus der Tiefe empor. Rings um die Quelle illustriert ein von Blautönen geprägtes Majolika-Mosaik das Wasser, symbolisch werden die vier Elemente Wasser, Luft, Erde und Feuer in Gestalt eines weiteren Mosaikbildes an der Rückwand der Helenenquelle thematisiert. Sechs hohe kannelierte Säulen tragen das Flachdach und vermitteln den Eindruck eines leichten und transparenten Brunnentempels. Also von der Wahrnehmung her ein völlig anderes, ein leichtes und transparentes Bild gegenüber dem ersten Brunnengebäude in Form der dunklen und höhlenartigen Grotte.

Die Helenenquelle sprudelt natürlich aus einem Steigrohr, das 16 Meter tief in den Buntsandstein getrieben ist. Sie schüttet konstant um die 200 Liter Wasser pro Minute. Nach wie vor wird die Helenenquelle zur Trink- wie zur Badekur verwendet. Dass die Quelle einen hohen Eisengehalt besitzt, kann man in der Schlossgraft am Eingang zum Palmengarten sehen, wo das überschüssige Quellwasser die Steine rötlich färbt. Im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover war die Stadt Bad Pyrmont als dezentraler Standort mit dem Motto „Aqua Bad Pyrmont – Wasser, Gesundheit, Mythos und Visionen“ beteiligt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Platz vor der Helenenquelle neu gestaltet. Klaus Egner, damaliger Baudirektor der Stadt, entwickelte nach einer Ideenskizze des Ateliers Dreiseitl ein sinnfälliges System von Wegen und welligen Rasenhochbänken, die auf die Helenenquelle zuführen. Brunnentempel und Platzgestaltung haben auch heute noch eine besondere Atmosphäre.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Künstlich geschaffene Felswände umrahmen die Quelle auf dem historischen Foto – heute hat sich der Anblick erheblich gewandelt.

Museum/jl



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