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Vor 95 Jahren: Das Wahlrecht für Männer und Frauen wird gesetzlich verankert

Ein Unrecht wird beseitigt

Es war ein ganz langer Weg, und vielleicht begann er in der Frankfurter Paulskirche 1848. Bei der damaligen Wahl für die Nationalversammlung war keine Frau dabei, nur begüterte Männer ab 25 Jahren waren vertreten. Die Frauenrechtlerin Louise Dittmer forderte das aktive und passive Frauenwahlrecht und schrieb: „Wohl spricht man viel von Freiheit für alle, aber man ist gewöhnt, unter dem Wort ,alle‘ nur die Männer zu verstehen.“

veröffentlicht am 11.11.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 14:00 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Denn Frauenrechte kamen in den „Grundrechten der Deutschen“ noch nicht vor. Es kam noch schlimmer: Zwei Jahre später wurde erste Regelungen erlassen, die Frauen die Mitgliedschaft in politischen Vereinen und Verbänden verboten.

Doch die sich in den folgenden Jahren formierende Frauenbewegung war gespalten. Während die einen vor allem die bessere Bildung für Mädchen ins Zentrum der Bemühungen stellte, – auch mit Blick auf späteren Zugang zu höheren Schulen und Universitäten –, während andere eine absolute Gleichstellung im privaten und im öffentlichen Leben forderte. Teilhabe an der Macht? Auf keinen Fall, denn das Wahlrecht, so viel war den Gegnern klar, hätte den Frauen auch die Möglichkeit gegeben, eigene politische Ziele durchzusetzen.

In ganz Europa und in den Vereinigten Staaten stritten um 1900 Frauen für politische Gleichberechtigung, wenn auch nicht so spektakulär wie die Suffragetten, wie die Frauenrechtlerinnen im viktorianischen Großbritannien genannt wurden. Sie waren nicht zimperlich mit ihren Aktionen: Sie schlugen Fensterscheiben ein und ketteten sich an Geländern fest, sie traten in Hungerstreik oder schrieben mit Säure ihre Parole „Votes for Women“ in den heiligen Rasen britischer Golfplätze. In Deutschland dauerte der Kampf um staatsbürgerliche Gleichstellung Jahrzehnte. Von den Parteien standen lediglich die Sozialdemokraten an der Seite der Frauenverbände.

1904 wurde in Berlin, das ja nicht nur deutsche, sondern auch preußische Hauptstadt war, die Gründungskonferenz des „Weltbundes für das Frauenstimmrecht“ abgehalten. Frauen aus acht Ländern nahmen hieran teil.

Mit der Aufhebung des preußischen Vereinsrechts am 15. Mai 1908 fiel auch das Verbot der Mitgliedschaft für Frauen in politischen Parteien und in Organisationen, die politische Themen beraten.

Am 12. November 1918 war es dann endlich so weit: In der Weimarer Verfassung wurde das Wahlrecht für Männer und Frauen ab dem 20. Lebensjahr gesetzlich verankert und am ersten Wahltag, im Januar 1919, von einer überwältigenden Mehrheit angenommen. 82 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab, und 37 weibliche Abgeordnete zogen ins Parlament ein, unter ihnen die Sozialdemokratin Marie Juchacz, die es so sah: Die Frauen schuldeten der Regierung keinen Dank, schließlich sei nur ein Unrecht beseitigt worden. Das Gesetz habe der Realität Rechnung getragen.

Zehn Jahre später wird sie es so formulieren: „Das Frauenwahlrecht ist eine Folge der gegenüber früher völlig veränderten sozialen Lage der Frauen. Wer zweifelt heute daran, dass die Frauen in der Industrie, in Handel und Verkehr, als Staatsbeamte und Angestellte, in freien künstlerischen und wissenschaftlichen Berufen eine wichtige Rolle spielen.“ Den Frauen wurde 1933 das passive Wahlrecht wieder genommen. Das passive Wahlrecht ist das Recht eines Menschen, bei einer staatlichen oder nicht-staatlichen Wahl gewählt zu werden. Seit dem 13. Mai 1949 heißt es in Artikel 3 des Grundgesetzes: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“

Das lange Ringen um das Wahlrecht für Frauen wirkt übrigens heute noch nach: So war der seit 1911 am 19. März und ab 1921 am 8. März als Internationaler sozialistischer Frauentag und heute als Internationaler Frauentag begangene Tag ursprünglich als Kampftag für das Frauenwahlrecht bestimmt.

Plakat aus dem Jahr 1914: Das Wahlrecht hatten Frauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. pr



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