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The Band bittet zum „Last Waltz“

Ein Triumph zum Abschied

„The Band“ war eine Über-Band, wie es sie heute nicht mehr gibt. Am 25. November 1976 will die Band nur noch einen Abschiedsabend geben, ein letztes Konzert. Und es soll im Gedächtnis bleiben.

veröffentlicht am 21.11.2016 um 10:08 Uhr

The Band mit Bob Dylan, Ringo Starr, Ronnie Hawkins, Dr. John, Neil Young, Joni Mitchell, Van Morrison und Neil Diamond während des „The-Last Waltz-Konzerts“ am 25. November 1976. Foto: David Gans/wikipedia
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Nach 16 Jahren sind die Musiker müde. Sie haben vor vier Leuten gespielt und vor 600 000 Menschen, sie haben Welthits eingespielt und Bob Dylan begleitet, aber jetzt will die Band nicht mehr: Sie will nur noch einen Abschiedsabend, ein letztes Konzert. Und es soll im Gedächtnis bleiben.

Fünf Wochen haben sie Zeit, den großen Moment vorzubereiten: Gastmusiker, das Repertoire, Geld für den Film, ein Drehbuch, die Bühnenaufmachung und ein Regisseur müssen gefunden werden. Die Bühne ist kein Problem, in San Francisco buchen sie die Winterland-Halle mit 5400 Plätzen, hier hatten sie zudem im April 1969 ihr Bühnendebüt als „The Band“ gegeben.

Das Konzert soll ein „Rock ’n’ Roll last supper“ werden, ein letztes Abendmahl mit der Band, 200 Truthähne werden organisiert, 150 Kilo Lachs, 200 Kilo Kürbis, dazu ein klassisches Orchester, das Walzer spielen soll. Und Regisseur Martin Scorsese soll den Abend aufnehmen, für die Nachwelt. Als Dekoration wird La Traviata genommen, eine Nummer kleiner geht es nicht mehr.

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Aber eine Band, die sich „die Band“ nennt, muss viel von sich halten. Ihre Ursprünge liegen im kanadischen Toronto, wo die Combo zwischen 1959 und 1963 als Begleitband des lokalen Rockabilly-Matadors Ronnie Hawkins entsteht. Die Hawks, wie sie sich damals noch nennen, bestehen aus Robbie Robertson (Gitarre), Richard Manuel (Klavier), Rick Danko (Bass), Levon Helm (Schlagzeug) und dem Musiklehrer Garth Hudson (Orgel, Keyboards).

Internationale Bekanntheit erlangen sie 1965, als sie Bob Dylan bei seinem elektrischen Wandel begleiten. Ausgepfiffen und angefeindet, stehen sie 1966 mit ihm in Manchester auf der Bühne, als ein Zuschauer Dylan als „Judas“ beschimpft. Seine Antwort „Du bist ein Lügner“ und – an die Band gewandt – „Play it fucking loud!“ gehören zu den bekanntesten Anekdoten der Dylanogie.

Für ihre Platte „Music From Big Pink“ möchten sich die Mitglieder in Honkies oder Crackers umbenennen, doch ihre Plattenfirma weigert sich und bringt die Platte 1968 unter dem Namen „The Band“ heraus – eine Bezeichnung, die haften bleibt.

Drogen- und Alkoholexzesse sowie Streitereien verschlechtern die Stimmung. Robertson hat bald die Schnauze voll von der Bühne und schlägt vor, ein Abschiedskonzert zu veranstalten: „The Last Waltz“. Freunde und Weggefährten spielen mit, Eric Clapton, Neil Diamond, Joni Mitchell, Van Morrison, Ringo Starr, Muddy Waters und Neil Young.

Das Konzert, am Thanksgiving Day ist ein Riesenerfolg. Obwohl die Tickets 50 Dollar kosteten (für die damalige Zeit ein unvorstellbar hoher Preis) ist die Winterland-Halle ausverkauft. Der fertige Film kommt erst zwei Jahre später in die Kinos, unter anderem, weil Neil Young vergessen hat, sich die Nase zu säubern: Deutlich zu sehen sind Kokainrückstände, seine gepuderte Nase muss Foto für Foto gesäubert werden.

Vier Monate haben Robertson und Scorsese allein an der Tontechnik gearbeitet, wer heute das Dreieralbum noch einmal auflegt, kann die Qualität hören: So sollte ein Live-Album klingen, und Songs wie „Mystery Train“ von Paul Butterfield oder „Coyote“ von der Musik-Göttin Joni Mitchell haben die Jahre ohne Abstriche überdauert, und das Finale ist nach wie vor überwältigend: „The Band“ begleitet Dylan, von „Baby Let Me Follow You Down“ über „Forever Young“ bis hin zu „Shall Be Released“.

Nach dem Studioalbum „Islands“ 1977 löst sich The Band auf, 1983 kommt sie wieder zusammen, jedoch ohne Gitarrist Robertson. 1986 verliert sie auch Pianisten Manuel, der auf Tour Selbstmord begeht. Robertson widmet ihm auf seinem ersten Soloalbum von 1987 einen Song, der Steine zum Weinen bringen könnte: „Fallen Angel“.

1994 wird „The Band“ in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Nach dem Tod von Bassist Danko 1999 löst sich die Band jedoch endgültig auf. Am 19. April 2012 stirbt Levon Helm mit 71 Jahren an Kehlkopfkrebs.



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