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Ist vor langer Zeit in Grohnde ein Meteorit eingeschlagen?

Ein Stein aus einer anderen Welt?

Grohnde. Ist vor langer Zeit in Grohnde ein Meteorit eingeschlagen? Das fragt sich das am Hasenwinkel wohnhafte Ehepaar Höfer. Als die Familie vor knapp 40 Jahren ihr Haus baute, hatten sie bei Baggerarbeiten einen seltsamen Stein entdeckt, der ihr Interesse weckte. Er ist nur fünf Zentimeter lang und drei Zentimeter breit, aber mit 252 Gramm außergewöhnlich schwer. Das offenbar eisenhaltige Gestein ist schwarz, hat eine glatte Oberfläche mit kleinen Vertiefungen und sieht so aus, als wäre es großer Hitze ausgesetzt gewesen.

veröffentlicht am 19.12.2014 um 06:00 Uhr

Autor:

von christoph boßmeyer

Abwegig ist die Vermutung, auf einen Meteoriten gestoßen zu sein, nicht. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt regnen pro Jahr weltweit Tausende Brocken aus dem Weltall auf die Erde. Die wenigsten sind jedoch groß genug, um am Boden anzukommen. Sie verglühen schon vorher durch die Reibungshitze, die beim Eintauchen in die dichteren Schichten unserer Atmosphäre entsteht, und erreichen die Erde lediglich in Form von Staub. Experten schätzen, dass jährlich knapp 19 000 dieser Bruchstücke von Kometen, Asteroiden oder abgesprengten Teilen anderer Planeten mit einer Masse von je 100 Gramm auf die Erdoberfläche prallen. Meistens stürzen sie in ein Meer oder auf unbewohntes Gebiet – aber eben nicht immer: In Troisdorf bei Bonn schlug 2006 ein Meteorit in einer Schrebergarten-Hütte ein und setzte sie in Brand. Letztlich bestätigten die polizeilichen Ermittlungen, dass die Ursache des Feuers ein Meteoriteneinschlag war. Augenzeugen hatten vor dem Brand ganz in der Nähe eine ungewöhnliche Leuchterscheinung am Himmel gesehen.

Bei den Höfers in Grohnde landete der Stein im Keller. Kürzlich haben sie ihn dort wiederentdeckt und selbst Nachforschungen angestellt. Wirklich weit sind sie nicht gekommen.

Peter Kujath und Hartmut Wünkhaus von den Mineralien- und Fossilienfreunden Hameln haben sich den sonderbaren Stein auf Bitten der Dewezet angeschaut. Beide haben kleinere Meteoriten in ihren Sammlungen. Ein Meteoriteneinschlag im Weserbergland? „Möglich ist das schon“, sagt Kujath. Als er erfährt, dass der Stein aus Grohnde stammt, ist er sich nicht mehr so sicher, denn: Meteoriteneinschläge seien in der Regel recht gut dokumentiert, sagt er. Und Emmerthal taucht in der Fachliteratur nicht auf. In Obernkirchen sähe das anders aus, erklärt Peter Kujath. „Dort ist 1863 einer runtergekommen.“ Was, wenn Ehepaar Höfers Stein schon viel länger in der Erde liegt?

Der geheimnisvolle Stein wird einem Test unterzogen. Dafür zückt Wünkhaus einen kleinen Stab, der aus Neodym, Eisen und Bor besteht. Die Legierung sei der derzeit stärkste Magnet, den es gibt, behauptet der Sammler. Er hält den Magneten an Höfers Stein – und es passiert nichts. Der Stein scheint nicht magnetisch zu sein. Zum Vergleich hebt Wünkhaus einen faustgroßen Meteoriten mithilfe des Magneten hoch. „Magnetismus ist ein sehr gutes Indiz für einen Meteoriten“, meint der Mineraliensammler. In den Gesteinsbrocken aus dem Weltall sei in der Regel elementares Eisen enthalten. Im Umkehrschluss hieße das: Kein Magnetismus, kein Meteorit.

Zuletzt machen beide noch einen Vergleichstest. Sie holen eine Auswahl von Meteoriten und irdischen Steinen und vergleichen deren Aussehen, Form und Oberfläche mit dem Teil aus Grohnde. Wie ein Meteorit sieht der Stein nicht gerade aus. „Die für Meteoriten typische Schmelzkruste fehlt“, erklärt Wünkhaus. Schade sei, dass der Stein nicht aufgeschnitten wurde. Die Innenansicht verrate eine Menge. So bleibt unklar, um was es sich bei dem Stein von Grohnde handelt.

Die Dewezet bleibt dran, versucht das Rätsel zu lösen.


Stammt dieser Stein aus einer fernen Galaxie im Weltall?cbo




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