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Dr. Roswitha Sommer erhellt Details aus der Historie des Schaumburger Hofes

Ein Schatz mit verborgener Inschrift

Das Bückeburger Museum ist nicht nur ein Haus, das viele Schätze mit bemerkenswerten Vergangenheiten beherbergt. Auch das Gebäude selbst gilt vielen als Schatz, in dessen Historie, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückreicht, interessante Details zu finden sind. Die Hintergründe dieser Details weiß Dr. Roswitha Sommer, Bückeburgs anerkannte Baugeschichts- und Besitzverhältniskoryphäe, zu erhellen.

veröffentlicht am 07.05.2011 um 00:00 Uhr

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Im Rahmen ihrer Forschungen kam Sommer zwei rätselhaften Begebenheiten auf die Spur. Sie fand heraus, warum das Gebäude sowohl das Schaumburger als auch das schaumburg-lippische Wappen zieren. Zudem komplettierte sie die heute nur zum Teil sichtbare Inschrift am Giebel des Bauwerks.

Das über dem kleinen Torbogen angebrachte Schaumburger Wappen geht auf den Amtmann Adolf Steven zurück, dem Graf Otto 1564 den damaligen Freihof geschenkt hatte. Das im Giebelfeld der Auslucht befestigte schaumburg-lippische Wappen stammt wohl aus der Zeit von Graf Philipp zu Schaumburg-Lippe, der das Ensemble 1671 für 1 000 Taler zum Frauensitz umbauen ließ. Seitdem verbirgt eine Auslucht die ersten Worte der Giebelinschrift. Heute beginnt die (sichtbare) Inschrift mit dem Wort „selig“. Sommer zufolge lautet der gesamte Text: „nemands auf diese ganze erden selig sol aus gnaden werden kein mensch so mechtig immer ehr dem ungluck nit zu forchten wer.“

Nachdem 1541 ein Brand große Teile Bückeburgs und auch den sogenannten Baumhof vor dem Osttor an der unteren Langen Straße zerstört hatte, ließ Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg dieses Grundstück von 1562 bis 1564 mit dem Schaumburger Hof bebauen. Die Fläche reichte von der Langen Straße über das Areal der Parkpalette hinaus bis an den Jägergang und im Osten vielleicht sogar bis zur Schulstraße.

Dem Amtmann Steven folgte 1582 dessen Tochter Elisabeth. Sie heiratete den späteren Obernkirchener Amtmann Jobst von Syburg. Beide starben schon 1588 und hinterließen das Anwesen ihrer gerade drei Jahre alten Tochter Elisabeth von Syburg. Diese heiratete 1604 Kammersekretär Christoph Bohne, der den Hof 1606 für 1 000 Taler an Graf Ernst von Holstein-Schaumburg verkaufte. Ernst überließ ihn 1606 mit Wohnrecht auf Lebenszeit dem Kanzler Eberhard von Weihe, der das Fachwerk erneuern und die Schwelle der großen Dielentür anheben ließ. Seitdem liegt der Eingang an der Ostseite des Hauses. Fünf Jahre später kaufte Ernst das Besitztum für 1 000 Taler zurück. Graf Jobst Hermann überließ es 1634 dem Kammerrat Statius von Münchhausen. Nach dessen Tod 1646 fiel es an das Grafenhaus zurück. Mieter waren unter anderem Hofmeister Schaden, Drost Ludoph von Faicke, der Präsident des Landeskonsistoriums Pierre Cregut und Hofprediger Jean Henry Le Maitre. Der letzte Mieter erhielt zu Ostern 1797 die Kündigung, weil das Anwesen für den Betrieb einer Baumwoll-Manufaktur bestimmt war. Schneider Carl Wilhelm Flotho erhielt die Chance, hier Stoffe herzustellen. Doch bereits im August 1801 ließ die Rentkammer die Fabrikation einstellen. Bis 1811 hatte die Rentkammer die Fabrikgroßgeräte der Manufaktur aus der großen Scheune räumen und 1819 von H. C. Wilhelm Breithaupt zur Landvermessung angefertigte Steine einlagern lassen.

1863 war die Verlagerung des Fürstlichen Baudepartements in Planung, sodass Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden. Der Umzug des Departements erfolgte 1865. Mieter war zu dieser Zeit ebenfalls die Casino-Gesellschaft, die einen Eiskeller anlegen durfte. Am 24. März 1903 veranlasste Fürst Georg die Übergabe des Hauses Lange Straße 22 an den Schaumburg-Lippischen Heimatverein, der im Februar 1905 im Schaumburger Hof das Landesmuseum eröffnete.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie uns an unter (0 57 51) 4000-526.



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