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Amtmann Heinrich Conrad Niemeyer genoss besondere Privilegien

Ein Logierhaus in bester Lage

Die Fotografie aus dem Jahre 1928 zeigt einen Ausschnitt des in unmittelbarer Nähe zur historischen Hauptallee gelegenen früheren Logierhauses Niemeyer an der heutigen Kirchstraße Nr. 21 (Café Schneidewind) in Bad Pyrmont. Bereits im Jahre 1751 erhielt der einflussreiche und in „Königlich-Großbritannisch-Kurfürstlich Hannoverischen Diensten“ stehende Amtmann Heinrich Conrad Niemeyer in der Regierungszeit des Fürsten Karl August Friedrich zu Waldeck-Pyrmont (1728-1763) das herrschaftliche Privileg, ein großzügiges und komfortables Kurgästehaus in der Neustadt Pyrmont zu erbauen.

veröffentlicht am 25.02.2013 um 06:00 Uhr

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Der von der Fürstlichen Verwaltung zur Verfügung gestellte Bauplatz befand sich im westlichen Bereich der damaligen Altenau (heute Altenau- und Kaiserplatz) und wurde von Franz Friedrich Rothweil (1702-1777) konzipiert, der ab 1732 als zweiter Baudirektor in Waldeck und Pyrmont tätig war und auch die Pläne zur Erweiterung der Neustadt Pyrmont südlich der Brunnenstraße in direkter Nähe zur „Großen Allee“ entwickelt hatte.

Sein Vater, der berühmte Fürstliche Major und Baudirektor, seit 1728 auch der Kommandant von Schloss Pyrmont, war Julius Ludwig Rothweil (1676/77-1750). Er hatte zuvor in diesem Bereich eine sich zur Hauptallee hin öffnende und großzügig strukturierte Platzanlage mit einer eigenen Pyrmonter Stadtkirche geplant, die jedoch aufgrund der ungünstigen Bodenbeschaffenheit nicht zur Ausführung kam. Im 19. Jahrhundert erfolgte dann endgültig die Unterteilung des großen und früheren Marktplatzes in Altenau- und Kaiserplatz, als weitere Gebäude in östlicher Richtung zur heutigen Altenaustraße hin entstanden.

Das Niemeyersche Logierhaus war von Franz Friedrich Rothweil für die Unterbringung zahlreicher Gäste konstruiert worden und beeindruckte bereits die Zeitgenossen mit seiner Übergröße von 92 Meter Länge. Das Hauptgebäude war ausgestattet mit einem dreiachsigen gegiebelten Mittelrisalit (ein aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil) und wurde an der Nord- und Südseite durch pavillonartige Flügelbauten begrenzt. Heinrich Conrad Niemeyer erhielt außerdem die fürstliche Konzession für den Handel mit Korn und Wein sowie weiteren Gütern. Zudem war er auch berechtigt, „die Wasserleitung aus dem Badebrunnen, zum Bade in sein Haus zu legen“. Der Pyrmonter Amtmann genoss augenscheinlich ganz besondere und großzügige Privilegien, denn im Jahre 1759 wurde ihm zusätzlich erlaubt, „vor seinem Hause nach der Allee einen Fußweg, der gemeinen Straße ohnschädlich zu pflastern, und solchen gegenüber eine Öffnung in den Alleeschranken machen zu lassen“.

Die Vorzüge des Niemeyerschen Kurgästehauses bestanden für die vornehmen und hochrangigen Badegäste Pyrmonts besonders in der bevorzugten zentralen Lage zur Hauptallee: „Ich sehe aus meinem Fenster alle Spaziergänger, ich höre die vortreffliche Musik, das Gewühl dieser kleinen Welt, und genieße das Vergnügen schon im Voraus, das ich ganz empfinde, wenn ich mich unter sie mische“, berichtete 1788 ein anonymer Verfasser im Osnabrücker Intelligenzblatt, das Brigitte Erker in ihrer Publikation „Justus Möser in Pyrmont 1746-1793“ zitierte. Die besondere Stimmung und das einzigartige Flair Pyrmonts bedeuteten für die anspruchsvolle Badegesellschaft jener Zeit neben dem täglichen Brunnentrinken abwechslungsreiche Vergnügungen und Lustbarkeiten, vielseitige gesellschaftliche Verpflichtungen und Ovationen, offizielle und private Geselligkeiten, Musik- und Tanzveranstaltungen, aber auch ausgedehnte Spaziergänge und Exkursionen in die reizende Umgebung des Pyrmonter Tales. Hervorgehoben wurde das Haus des Amtmannes Niemeyer aber aufgrund der bestehenden Möglichkeit, alle Speisen in kleiner Gesellschaft im Haus einnehmen zu können.

Besonders der Osnabrücker Staatsmann, Historiker und Schriftsteller Justus Möser (1720-1794) schätze die besondere Atmosphäre des Hauses Niemeyer an der Allee. Regelmäßige Kuraufenthalte sind für die Jahre 1775, 1784, 1786-1793 überliefert.

Heute befindet sich hier an gleicher Stelle in einem Anfang der 80er Jahre entstandenen Gebäude das bei Kurgästen und Pyrmontern gleichermaßen beliebte Café Schneidewind mit Ferienappartements. Der Neubau hält sich erfreulicherweise an die Proportionen und Gestaltungsmittel des Vorgängerbaus. Der Hausprospekt wirbt – ähnlich wie in den vergangenen Jahrhunderten – mit der zentralen Lage zum Kurzentrum, mit dem berühmten Kurpark und dem Brunnenplatz mit den Heilquellen.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Teilansicht des früheren Logierhauses Niemeyer, um 1928.

Sammlung Museum im Schloss Bad Pyrmont Die Kirchstraße 21 heute. uk



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