weather-image
22°

Anlage am Hamelner Wehl wurde am 7. Mai 1938 eingeweiht

Ein Friedhof am Walde

Nachdem der städtische Friedhof an der Deisterstraße 1921 ein letztes Mal erweitert werden konnte, war klar, dass weitere Flächen zur Ausdehnung nicht zur Verfügung standen. Im Jahre 1925 tauchte zum ersten Male der Gedanke auf, auf dem Gelände oberhalb des Forsthauses am Wehl, das zum größten Teil der Stadt gehörte, einen neuen Friedhof zu bauen. Seit dieser Zeit beschäftigte sich die städtische Verwaltung mit Vorarbeiten für einen neuen „Waldfriedhof“.

veröffentlicht am 28.04.2014 um 06:00 Uhr

270_008_7111116_rueck101_2804.jpg

Autor:

Bernhard Gelderblom

In den Jahren 1931/32 erhielt der Deisterfriedhof in Höhe der letzten Häuser der Sandstraße noch eine letzte Umgestaltung – unter anderem wurde der von Stadtbaurat Schäfer entworfene Wasserbrunnen errichtet.

Ende Februar 1934 konnte mit den Erdarbeiten für die Anlage des neuen Friedhofs auf dem Wehl begonnen werden. Von den vorhandenen 21 Hektar wurde zunächst eine Fläche von sechs Hektar in Angriff genommen. Sie sollte dem Bedarf an Bestattungen von etwa zehn bis zwölf Jahren genügen.

In dem vom Arbeitsamt als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme geförderten Projekt wurden mehr als 300 Arbeiter eingesetzt. Darunter waren viele Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Hamelner NSDAP hatte, um ihre „alten Kämpfer“ zu versorgen, dafür gesorgt, dass diese ihren Arbeitsplatz bei der städtischen Verwaltung, der AOK, dem Konsum verloren.

Gearbeitet wurde mit Hacke und Spaten sowie einer Lorenbahn und unter der Hakenkreuzfahne. Der Hamelner Chronist Heinrich Spanuth sprach pathetisch von der „ersten großen Arbeitsschlacht“ der Stadt Hameln „nach der Machtergreifung“. In 15 Monaten bewegten die Männer mit 75 000 Tagewerken 45 500 Kubikmeter Erde und legten die Hauptwege an.

Die Fläche des Friedhofs glich einem Kreissegment, in dessen Mitte eine breite Achse von unten (der Kapelle) bis zur Kuppe des Berges führte. Zwei weitere bergan führende Wege berührten auf halber Höhe ein Rondell, in dessen Mitte in einem Falle ein Glockenturm, im anderen eine Brunnenanlage geplant war.

Zum 1. April 1935 wurde der neue, etwa 84 Morgen große Friedhof von der Friedhofsverwaltung übernommen. 1935 und 1936 wurden die Entwässerung und die Wasserleitung in Angriff genommen. Im folgenden Jahr setzte man die Ausgestaltung der gärtnerischen Anlagen fort und begann mit dem Bau der Trauerhalle (Kapelle mit Pfarrerzimmer) und einer Leichenhalle. Blumenhalle und Verwaltung sollten später folgen.

Die Kapelle in den Grundmaßen 8 x 30 Meter war mit einer Empore für Chor und Harmonium ausgestattet. Sie erhielt eine hölzerne Decke und war innen weiß gehalten. Das Baumaterial, das zur äußeren Verkleidung benutzt wurde, war Rotsandstein aus Westerbrak bei Bodenwerder.

Noch vor der Kapelle wurde das Wohnhaus für den Friedhofsverwalter mit Wirtschaftsteil fertiggestellt. Es lag auf dem Wirtschaftshof, der den Friedhof vom damals so genannten „Russenfriedhof“ abgrenzte. Beide lagen im Westen des Geländes. Architektonisch war das Haus des Verwalters der Kapelle angepasst. Alle Bauten wurden im Stil der Zeit bewusst heimat- und landschaftsbezogen gestaltet.

Das Gelände sollte den Charakter eines Waldfriedhofes haben. Es war in viele kleine Zonen gegliedert, die durch Hecken, Bäume und Gesträuch voneinander getrennt sind. Stufenförmig steigen die Wege bis zur Kuppe empor und überwinden dabei einen Höhenunterschied von 43 Metern.

Am 7. Mai 1938 wurde der Friedhof am Wehl offiziell der Öffentlichkeit übergeben und im selben Jahr noch 96 Bestattungen vorgenommen.

Nach den Plänen von Stadtbaurat Schäfer, Friedhofsverwalter Krumsiek und Gartenarchitekt Wolf war ein „Friedhof im Walde“ entstanden. Auch nach der Inbetriebnahme waren noch Arbeiten zu erledigen. So wurde 1939 der Schöpfbrunnen errichtet und im folgenden Jahr der Wegebau vorangetrieben.

Verzögert durch den Krieg erfolgte der Anbau der Verwaltung an die Kapelle erst 1952. Die für den oberen Teil des Geländes ursprünglich geplante zweite Kapelle ist hingegen nicht mehr errichtet worden.

Mit Recht hatte die Dewezet am 26. November 1937 vorausgesagt: „Wir werden einmal stolz sein können auf unseren Waldfriedhof am Wehl.“

Weitere historische Fotos unter dewezet.zeitreise.de

Die Trauerhalle am Fuße des Waldfriedhofs am Wehl, links um 1938 noch ohne Verwaltung, unten heute.

Stadtarchiv/ Gelderblom



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?